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Saarbrücker Jäger zwingen Wildschweine zum Rückzug

Andrea Stein-Feuereisen und ihr Mann Jürgen sind „unheimlich froh, dass die Stadt Saarbrücken in die Pötte gekommen ist. Früher war nie jemand zuständig für die Wildschweine, heute ist Ruhe“, freut sich das Ehepaar, das in Altenkessel eine Pferdekoppel besitzt und jahrelang darunter litt, dass Wildschweine die Wiesen umpflügten. Da die Grundstücke in den ortsnahen Lagen in keinem Jagdkataster eingetragen waren, konnte auch niemand dem Schwarzwild nachstellen. Die klugen Tiere kamen immer zahlreicher aus dem Wald, weil sie an den Häusern Nahrung fanden. Auch auf dem Freizeitgrundstück von Dieter Hein. Der Völklinger beklagte jährlich Wühlschäden in vierstelliger Höhe. Marina Müller-Bestfleisch, die im Alsbachtal wohnt, zählte am Wohnhaus bisweilen anderthalb Dutzend Sauen. Auch wenn die Tiere nichts kaputtmachten, so waren sie wegen ihrer Größe und Anzahl doch eine unbehagliche Dauererscheinung.

Seit Herbst 2013 sind die Schwarzkittel aber nicht mehr vorm Jagen sicher und machen sich immer rarer. Denn zahlreiche vorher befriedete Flächen in Altenkessel und in der benachbarten Gemarkung Malstatt-Burbach sind seither in den neuen Jagdgenossenschaftsbezirk Saarbrücken aufgenommen worden. Es war eine Reaktion auf zahlreiche Beschwerden der Bevölkerung über Wühlschäden in Gärten und verstörende Begegnungen mit den massigen Tieren.

Engagierte und treffsichere Jäger wie Frank Weber aus Riegelsberg und Werner Noss vom Matzenberg haben es nun geschafft, die Schwarzwild-Population in relativ kurzer Zeit in Schach zu halten. Stefan Weiter vom städtischen Amt für Stadtgrün, der sich ums Jagdwesen kümmert, schätzt die Zahl der Abschüsse in dem sogenannten Jagdbogen Altenkessel /Malstatt-Burbach (es gibt drei weitere „Bögen“ in der neuen Genossenschaft) auf etwa 70 und lobt ausdrücklich Fleiß und Beharrlichkeit der Pächter und Jäger.

Frank Weber arbeitet in verantwortlicher Position bei einem Baumarkt. Der ehemalige Sportschütze stellt zwei bis drei Mal in der Woche den Wildschweinen nach, meist abends und nachts, bei jedem Wetter. Mit Sohn Daniel, der ebenfalls hier jagdberechtigt ist, trainiert er regelmäßig auf Schießständen, um sicher zu treffen. „Die Wildschweine fallen einem nicht mal so in den Schoß“, beschreibt er den Aufwand.

Die Tiere und ihre Gewohnheiten wollen genau beobachtet werden. Danach sind Ansitze aufzustellen und die Abschüsse durch eine Lockfütterung (Kirrung) vorzubereiten. Durch das Ausbringen von Maiskörnern werden die Wildschweine an ganz bestimmte Orte gebunden, um sie dort sicher und ohne Leiden töten zu können. Frank Weber berichtet, er schieße bevorzugt aus einer Entfernung von unter 30 Metern, und bisher sei ihm noch kein getroffenes Wildschwein fortgelaufen. Wie Jagdgenossenschafts-Vorsitzender Jürgen Robiné aus Dudweiler erklärt, sei ausdrücklich nicht das Ziel, die Tiere aus dem Wald herauszulocken, im Gegenteil, die Jagdgenossenschaft Saarbrücken arbeite daran, dass die Wildsauen sich dorthin zurückziehen, wo sie hingehören. Wie Jagdgenosse Werner Noss, ein Metzgermeister, beipflichtet, habe man es in Saarbrücken geschafft (anders etwa als in Berlin), dass die Wildschweine ihren Nachwuchs bislang nicht in der Stadt bekommen, sondern im Wald. Deshalb sind sie quasi keine ans Stadtleben bestens gewöhnten Dauerbewohner, sondern allenfalls „Einpendler“.

Robiné hebt vor allem den Mannschaftsgeist unter den etwa 20 Jägern der neuen Genossenschaft und den Grundstückseignern der bejagbaren Flächen hervor. Die Bevölkerung habe die Jagdgenossen als vertrauenswürdige Personen kennengelernt, gebe regelmäßig Hinweise auf Schwarzwild, stelle den Jägern sogar Unterstände zur Verfügung und koche ihnen Kaffee.

Wie zu erfahren war, macht das Saarbrücker Modell einer genossenschaftlichen Schwarzwild-Jagd im städtischen Bereich auch andere Kommunen neugierig. Schließlich wird in der Landeshauptstadt das Wildschweinproblem effektiv und auch kostengünstig bearbeitet, und es wird fürs Jagen kein städtisches Personal in Anspruch genommen.
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