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Saarbrücker Krematorium: Das passiert mit dem Zahngold der Toten

Saarbrücken. Die Sache ist etwas heikel. Das weiß Uwe Kunzler. Es geht darum, dass Menschen nach ihrem Tod ausgeraubt werden. Und darum, wie Uwe Kunzler, der Leiter des städtischen Friedhofs- und Bestattungsbetriebs Saarbrücken (FBS), das verhindern kann.

Zahngold und Prothesen aus Edelmetall

Es geht darum, dass die Überreste eines Menschen nach Abfallgesetz bewertet werden müssen. Und darum, wie man damit professionell, offen und sinnvoll umgeht, ohne bürokratisch, pietätlos, kalt zu wirken. Es geht um Zahngold und Prothesen aus Edelmetall. Und darum, was nach der Einäscherung eines Verstorbenen damit geschieht.

In Hamburg beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft mit diesen Fragen. Dort sollen Mitarbeiter eines Krematoriums Zahngold aus der Asche der Toten entnommen haben. Unabhängig von solchen kriminellen Vorgängen spricht die deutsche Bestatterzeitung von einem Millionengeschäft mit dem Zahngold von etwa 400 000 Menschen, die pro Jahr in Deutschland eingeäschert werden – einem größtenteils legalen Geschäft.

keine  Geschäftemacherei mit Zahngold und anderen Edelmetallen

Von einem Geschäft spricht Uwe Kunzler, der als FBS-Chef auch fürs städtische Krematorium zuständig ist und Leiter des Arbeitskreises kommunaler Krematorien beim Deutschen Städtetag ist, nicht. Jedenfalls, sagt er, könne man bei den kommunalen Krematorien nicht von Geschäftemacherei mit Zahngold und anderen Edelmetallen reden.

Für die Betreiber privatwirtschaftlicher Krematorien könne er nicht sprechen. Aber er wagt die Behauptung, „dass die sich von dem Geld durchaus eine Finca auf Mallorca bauen“.

Wobei es nicht illegal ist, Zahngold aus der Krematoriumsasche zu sieben. Ganz im Gegenteil. Das Abfallgesetz schreibe das sogar ausdrücklich vor, sagt Kunzler.

Unterschrift vor der Einäscherung

In Saarbrücken wird daher seit etwa einem Jahr so verfahren, wie es der Städtetag für ganz Deutschland empfiehlt. Angehörige und Bestatter müssen vor der Einäscherung des Verstorbenen unterschreiben, dass dieser keinen Schmuck mehr trägt. So werde verhindert, dass im Nachhinein Diebstahlvorwürfe erhoben werden. Wer das Zahngold eines verstorbenen Verwandten haben wolle, kann es haben. Dafür wird eine Gebühr von 65 Euro fällig – und der Verwandte muss zusammen mit zwei städtischen Bediensteten anwesend sein, wenn die Asche gesiebt wird. Drei solcher Anfragen habe es in den vergangenen zwölf Monaten gegeben, sagt Kunzler. Alle drei Interessenten hätten aber von ihrem Vorhaben wieder Abstand genommen, als sie gehört haben, dass sie dabeisein müssen.

10 000 Euro pro Jahr

Von einem Millionengeschäft ist der Saarbrücker Friedhofsbetrieb mit rund 3500 Einäscherungen pro Jahr dennoch weit entfernt. Gut 10 000 Euro pro Jahr bekommt die Stadt für das Zahngold, das sie abliefert. Vom diesem Geld, sagt Kunzler, werden auf den Friedhöfen denkmalgeschützte Grabmale, Kriegs- und Ehrengräber gepflegt. Wenn alle Krematorien so fair und offen handeln, sagt Kunzler, dann brauche ihnen niemand mehr zu misstrauen.

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