A6 Metz/Saarbrücken Richtung Kaiserslautern Zwischen Tankstelle mit Kiosk Homburg Saar und AS Waldmohr Gefahr durch defektes Fahrzeug auf dem Standstreifen (20:28)

A6

Priorität: Sehr dringend

9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Saarbrücker Pavillon: Kosten explodieren

So soll der Vierte Pavillon nach den Plänen der ,,twoo-Architekten

So soll der Vierte Pavillon nach den Plänen der ,,twoo-Architekten" aussehen.

Saarbrücken. Vor sechs Wochen übernahm Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Völklinger Weltkulturerbes, die verwaiste Chefposition in der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Damit wurde er Bauherr für die bedeutendste und zugleich umstrittenste Kultur- Baustelle des Landes: die Galerie der Gegenwart. Deren Rohbau steht. Doch für den Innenausbau reichen die Mittel nicht mehr aus. Das ergaben Recherchen der Saarbrücker Zeitung.

Veranschlagte 18,7 Millionen Euro „nicht zu halten“

Grewenig bestätigt auf Nachfrage ein „voraussichtliches Finanzdelta“. Die veranschlagten 18,7 Millionen Euro seien „nicht zu halten“, wolle man ein ordentliches Museum einrichten. Wie viel Mehrkosten entstehen, könne er noch nicht sagen. Nach Informationen handelt es sich aber um eine Millionensumme. Damit würde sich der Museumsneubau, den die CDU-Regierung 2006 mit neun Millionen Euro kalkuliert hatte, um weit mehr als 100 Prozent verteuern. Die Zahlen waren mehrmals nach oben korrigiert worden: von 12,5 auf 14,5 Millionen, schließlich auf die aktuellen 18,7 Millionen Euro. Unklar blieb bisher, ob es sich dabei um reine Baukosten handelt oder um Gesamtkosten, zu denen unter anderem 1,3 Millionen Euro Wettbewerbskosten und 1,4 Millionen Euro für die Museumsausstattung gehören.


Ausschlag nach oben so gering wie möglich  halten

Nicht transportiert wurden zudem Zusatz-Kosten, die durch den Umbau der Modernen Galerie und die Außenanlagen anfallen. Insofern könnte sich die Summe erhöhen. Schon 2010 sprach die kulturpolitische Sprecherin der SPD, Isolde Ries, von einer „Kostenexplosion“. „Wir werden alles tun, um den Ausschlag nach oben so gering wie möglich zu halten“, betont Grewenig. Er sieht keinen „ursächlichen“ Zusammenhang zwischen der Arbeit des Projektsteuerers und dem sich abzeichnenden Finanz-Debakel. Dieser war in Zusammenhang mit der Spesenaffäre von Vorstandschef Ralph Melcher ebenfalls ins Visier der Staatsanwalt geraten.

Rolle des Saarbrücker Architekten untersuchen

Das Kuratorium beauftragte den Kurator, Minister Karl Rauber, die Rolle des Saarbrücker Architekten genau zu untersuchen. Das Ergebnis? Laut Grewenig verhandelt die Stiftung über eine „einvernehmliche Trennung“ und die „Neutralisierung“ der Verträge. Einen Rechtsstreit will er vermeiden. Man denke über neue Strukturen des Baumanagements nach, die einen Projektsteuerer dieses Zuschnitts überflüssig mache.

Doch damit nicht genug des Aufräumens. Die Stiftung steckt wohl auch mit den Kölner „twoo-Architekten“ in Auseinandersetzungen, die Grewenig nun erbt. Rächt sich, dass die Wettbewerbs-Jury ein Museumsbau-unerfahrenes Team erkor? Seinerzeit holten „twoo-Architekten“ nur den fünften Preis, wurden jedoch beauftragt, nachdem der Siegerentwurf wegen Wettbewerbsfehlern nicht realisiert werden konnte. Angeblich geriet man über die von „twoo“ geplante, aber wohl unverantwortlich teuere „Außenhaut“ in Konflikt. Nachzurecherchieren ist dies nicht. Seit über einem Jahr sind die Architekten für Mitarbeiter der Saarbrücker Zeitung nicht mehr zu sprechen.

Bau-Planung und Bauausführung unter der Lupe

Grewenig bemüht sich um eine umfassende Durchleuchtung aller Bau-Vorgänge. Allerdings erschwert ihm nach eigener Aussage die Tatsache die Arbeit, dass die maßgeblichen Unterlagen wegen der andauernden staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen den beurlaubten Stiftungs-Vorstand Ralph Melcher bei Gericht sind. Mit ähnlichem Aufklärungs- Anliegen sitzen momentan Prüfer des Landesrechnungsamtes bereits zum zweiten Mal in der Stiftung. Sie nehmen diesmal Bau-Planung und Bauausführung der Galerie der Gegenwart unter die Lupe. Somit auch die Kostensteigerung sowie Leistung und Verhalten des Projektsteuerers, der unter anderem für die Einhaltung des Finanzrahmens zuständig war.

Die öffentliche Hatz auf irgendeinen „Schuldigen“ für die drohende Finanz-Krise dürfte eröffnet sein.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein