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Saarbrücker Polizei erhöht für Fastnacht die Bereitschaft

„Mir sin multikulinarisch un sin multikulturell, mir sin en jeder Hinsicht aktuell – auch sexuell.“ Das sind Worte aus „Viva Colonia“, dem Lieblingslied der Kölner. Worte, die nach den Übergriffen am Fuße des Doms plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Denn Werte wie Toleranz, Offenheit und Unbeschwertheit – sie sind nach der Silvesternacht nicht nur in der Karnevalshochburg bedroht. Auch bei den Saarbrückern hinterlassen die Vorfälle neben vielen ungeklärten Fragen vor allem eines: Angst. Zahlreiche Bürger fordern daher mehr Schutz durch Polizisten und Überwachungskameras .

Auch das saarländische Innenministerium hält dies teils für notwendig. „Eine erhöhte Polizeipräsenz ist nach jetzigem Stand, vor dem Hintergrund der Ereignisse in Köln, bei verschiedenen Faschingsveranstaltungen auch im Saarland zu erwarten“, antwortete das Ministerium auf SZ-Anfrage. Die Polizei entscheide anhand der Gefährdungslage, ob es einen Anlass für höhere Schutzmaßnahmen gibt. „Die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln, Hamburg und anderen deutschen Städten in einem bisher nicht gekannten und ebenso kaum vorstellbaren Ausmaß stellen einen solchen Anlass dar“, hieß es weiter. Doch die saarländische Polizei will nicht nur ihre Präsenz erhöhen. Sie möchte auch mehr Präventionsarbeit leisten, etwa Beratungsgespräche mit Veranstaltern führen und sie über mögliche Überwachungsmöglichkeiten informieren.

„Die Polizei im Saarland ist in besonderem Maße sensibilisiert, aufmerksam und einsatzbereit. Wir stehen außerdem im Kontakt mit Sicherheitsbehörden anderer Bundesländer und bewerten die Sicherheitslage ständig neu“, erklärte das Ministerium für Inneres. Die allgemeine polizeiliche Präsenz, etwa auf den Straßen der Innenstadt oder an Bahnhöfen, werde ohne konkreten Anlass allerdings nicht verstärkt.

„Auch für die in naher Zukunft anstehenden Großveranstaltungen und Fastnachtsumzüge wird eine sehr niedrige Einschreitschwelle festgelegt“, erklärte das Innenministerium. Ziel sei es, mit offener und verdeckter Präsenz sowie Videoüberwachung, Straftaten zu verhindern und potenzielle Straftäter abzuschrecken.

So können Fastnachtsfans in der vierten Jahreszeit hoffentlich wieder unbeschwert und aus voller Überzeugung ihr liebstes Lied trällern, in dem es auch heißt: „Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust.“Die Verunsicherung ist groß. Nach den Übergriffen in Köln gehen viele Saarbrücker mit Angst auf die Straße. „Ich mache mir schon Sorgen, dass solche Übergriffe auch in Saarbrücken passieren könnten“, sagt Christiane Simons. Die 42-Jährige wünscht sich daher eine größere Polizeipräsenz. „Viel wichtiger ist mir aber, dass Ausländer und Flüchtlinge über Regeln und Gesetze in Deutschland aufgeklärt werden“, sagt sie.

Ähnlicher Meinung ist auch Monika Bystrong. Die 48-Jährige kommt aus den USA, lebt aber schon seit 25 Jahren in Deutschland. Über die derzeitige Entwicklung von Gewalt in der Bundesrepublik macht sie sich große Gedanken. Mehr Polizisten und Überwachungskameras hält sie für dringend notwendig. „Momentan habe ich Angst, vor die Tür zu gehen. Wie kann man sich nach den Anschlägen in Paris und den Übergriffen in Köln noch sicher fühlen?“, fragt sie. Auch um ihre 16-jährige Tochter sorgt sich Bystrong, vor allem wenn diese große Veranstaltungen besucht. „Ich kann ihr ja nicht verbieten, dorthin zu gehen. Sie sagt immer: ‚Mama ich kann jetzt ja nicht aufhören, zu leben‘.“

Man dürfe sich von all dem Terror und der Gewalt nicht einschüchtern lassen, sagt auch Gerlinde Blum. „Dann würden wir uns ja vorschreiben lassen, was wir tun“, erklärt die 64-Jährige. Für sie habe sich nach den Übergriffen nichts verändert: „Ich habe schon das Gefühl, dass am Saarbrücker Bahnhof genug Polizei präsent ist. Und das reicht auch aus. Mehr brauchen wir nicht.“

Tobias Prietzel erzählt, dass ihn ein großes Polizeiaufgebot sogar verunsichern würde. „Dann frage ich mich, ob was passiert ist. Das macht mir eher Angst“, sagt der Student. Der 21-Jährige will auch in Zukunft nicht auf Parties, Fastnachtsumzüge und Ähnliches verzichten. „Sonst darf man ja gar nicht mehr vor die Tür gehen“, sagt er, „wenn was passiert, dann passiert es halt.“

So locker wie Prietzel geht Gerti Zumpf mit der Situation nicht um. „Man muss eigentlich überall Angst haben. Auch in Saarbrücken “, sagt sie und erzählt: „Größere Veranstaltungen meide ich zurzeit konsequent.“ Die 66-Jährige ist mit ihrer Freundin zum Einkaufen in die Landeshauptstadt gekommen. Ein Polizist sei ihr dabei noch nicht begegnet. „Aber man sollte auch selbst auf sich aufpassen und das nicht nur der Polizei überlassen. Ich gucke mir die Leute um mich herum schon an“, sagt sie.

Ganz anders schätzt der 31-jährige Mourad Berrah die Situation ein. Er lebt in Algerien und ist zurzeit beruflich in Saarbrücken . Von den Übergriffen in Köln hat er gehört, sicher fühlt er sich in Deutschland aber trotzdem. „Ich glaube, dass die Politiker es schaffen werden, die Bürger zu schützen“, sagt er. Eine größere Polizeipräsenz in den Innenstädten hält Berrah nicht für notwendig. Vielmehr müsse man das Problem an den Wurzeln packen. „Es muss mehr Geld in eine Polizeieinheit investiert werden, die Verbrechen und Terroranschläge aufdecken, bevor etwas passiert“, erklärt er. Noch bis zum 16. Januar bleibt der junge Mann im Saarland. Einen Plan, was er hier noch alles unternehmen will, habe er nicht. Aber Berrah sagt: „Wenn in Saarbrücken noch eine interessante Veranstaltung ist, gehe ich dort hin. Ohne Bedenken.“  
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