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Saarbrücker Polizei übt mit Migrantinnen zehn Wochen lang Selbstverteidigung

Kursleiterin Christina Hoffmann (links, in Uniform) und ihre Kollegin Nadja Kunz mit den Kursteilnehmerinnen. Foto: Irene Kron</p>

Kursleiterin Christina Hoffmann (links, in Uniform) und ihre Kollegin Nadja Kunz mit den Kursteilnehmerinnen. Foto: Irene Kron

Eine nigerianische Frau mit Kopftuch, die mit ihrem Sohn in ihrer Landessprache spricht. Eine Szene, wie sie in Deutschland häufiger vorkommt. Nichts Ungewöhnliches, sollte man meinen. Doch als die 33-jährige Halimatou Bonkano genau das im Supermarkt tut, hört sie, wie ein Mann neben ihr „Die können nicht mal Deutsch. Die leben bestimmt von Sozialhilfe“ zischt. „Ich war auf 180“, sagt Bonkano, die seit zwölf Jahren in Saarbrücken lebt, Medizin studiert und perfekt Deutsch spricht. „Komische Blicke“ erntet sie öfter. Und genau deshalb ist sie froh, nun einen Selbstbehauptungskurs absolviert zu haben, den es in dieser Form in Saarbrücken bisher nicht gegeben hatte.

Organisiert hat ihn der Deutsch-Ausländische Jugendclub (DAJC) erstmals in Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion St. Johann. 15 Frauen zwischen 20 und 50 Jahren, aus unterschiedlichen Kulturen. Was sie nun eint: Zehn Wochen lang haben sie gemeinsam geübt, sich bei Gefahr richtig zu verhalten, mit Provokation jeglicher Art umzugehen. Gestartet war das kostenlose Gewaltschutztraining am 10. Oktober.

Bei einem gemeinsamen Frühstück zogen die Frauen am vergangenen Mittwoch Bilanz. „Nach dem Kurs ist man natürlich nicht plötzlich in allen Situationen überlegen“, sagt Kriminalkommissarin und Kursleiterin Christina Hoffmann. Dennoch hätten die Frauen „neue Handlungsspielräume“ kennengelernt.

Hoffmann betreibt selbst seit 16 Jahren Karate. Dass eine Polizistin wie sie den Kurs leitet, war den DAJC-Initiatoren wichtig. Allen voran Saida Abadar-Azouagh. Die gebürtige Marokkanerin engagiert sich seit Jahren für Frauen aus anderen Kulturen. „Das Konzept Polizei ist für viele Migrantinnen negativ besetzt, weil sie das aus ihrer Heimat anders kennen. Das Vertrauen ist nun auf beiden Seiten größer geworden“, sagt Abadar-Azouagh. Jetzt trauten sich die Frauen auch eher, sich an die Polizei zu wenden. „Wenn man in der Gesellschaft was ändern will, dann muss man bei den Frauen anfangen. Es gibt immer noch Frauen mit Kopftuch, die angespuckt und beschimpft werden.“

Auch Teilnehmerin Halimatou Bonkano verhält sich jetzt bewusster: „Der Blick muss nach oben, und man sollte aufrecht laufen. Täter fühlen sich nämlich bestärkt, wenn man sich kleinmacht.“ Den Kurs würde die junge Mutter jederzeit noch einmal machen.

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