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Saarbrücker Rabbiner-Rülf-Platz: Das sagt der Saarbrücker Stadtrat

Die Synagogengemeinde Saar ließ diese Grafik anfertigen, um zu zeigen, wie die Erinnerungswand an
der Freitreppe zur Saar aussehen könnte.

Die Synagogengemeinde Saar ließ diese Grafik anfertigen, um zu zeigen, wie die Erinnerungswand an der Freitreppe zur Saar aussehen könnte.

Die Synagogengemeinde Saar wünscht sich, dass Messingtäfelchen mit Namen von jüdischen Nazi-Opfern an der Wand entlang der Freitreppe zur Saar eingelassen werden. Auf einem Entwurf für diese Täfelchen stehen unter dem Opfernamen auch dessen Geburts- und Todesdatum sowie das KZ, wo das Opfer ermordet wurde. Die wollte wissen, wie die Chancen für die Täfelchen stehen und stellte allen Sadtratsfraktionen sowie Oberbürgermeisterin Charlotte Britz folgende Fragen: Waren Sie für den Rabbiner-Rülf-Platz samt der Skulpturen-Gruppe „Der unterbrochene Wald“ von Ariel Auslender? Würden Sie heute wieder so entscheiden? Sind Sie für oder gegen die Namenstäfelchen?

Alle antworteten mit ausführlichen Stellungnahmen, die wir nur in Auszügen wiedergeben können. CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke stehen nach wie vor uneingeschränkt zum Rabbiner-Rülf-Platz samt Skulpturen gemäß Stadtratsbeschluss vom Juni 2012. Sie würden diesen Beschluss jederzeit wiederholen. Die Freien Wähler sind zwar mit dem Namen Rabbiner-Rülf-Platz einverstanden, halten die Skulpturen aber für deplaziert. Fraktionschef Bernd Richter. „Eine Holocaustgedenkstätte im Bereich der Berliner Promenade beinhaltet vorhersehbares Konfliktpotenzial zwischen würdevoller Erinnerungskultur und Freizeitgestaltung.“

Zu den Namenstäfelchen allerdings fallen die Meinungen nicht ganz so einhellig aus. Die Grünen sind „erstaunt“, dass über die Namen überhaupt noch diskutiert wird. Nach Auffassung der Grünen „wurde sowohl im Stadtrat als auch in den Fachausschüssen (Bauausschuss und Kulturausschuss) beschlossen, in Absprache mit Ariel Auslender zusätzlich auch namentlich der saarländischen Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken“. Die SPD versichert: „Wir unterstützen nach wie vor das Anliegen, ein namentliches Gedenken am Rabbiner-Rülf-Platz umzusetzen.“ Allerdings betont die SPD: „Über die Form muss noch im zuständigen Ausschuss und im Stadtrat entschieden werden.“

Die Linke erklärt, sie sei „grundsätzlich dafür“, dass die Opfer „auch namentlich genannt werden – es waren schließlich Bürger dieser Stadt, die verschleppt, versklavt und ermordet wurden.“ Aber wie und wo die Namen „am besten“ genannt werden, sei noch nicht geklärt. Die Linke empfiehlt: „Zuerst sollte man den Umbau des Platzes abwarten und dann eine Entscheidung treffen.“ FDP-Fraktionschef Friedhelm Fiedler warnt: „Die Gedenktafeln, egal auf welcher Seite der Treppe, lehnen wir ab. Das wäre viel zu viel. Wir müssen aufpassen. Das Denkmal wird ja kontrovers diskutiert. Und durch die Tafeln könnte die vorhandene Akzeptanz möglicherweise in Frage gestellt werden und ins Gegenteil umschlagen – und das kann keiner wollen.“

Auch die CDU ist gegen Namenstäfelchen an den Seitenwänden der Freitreppe: „Erstens soll das Denkmal laut Stadtratsbeschluss auf dem Rabbiner-Rülf-Platz stehen und nicht die gesamte Freitreppenanlage umfassen. Zweitens gab es einen Entwurf, der die Einbeziehung der Freitreppenwände vorsah. Dieser Entwurf wurde von der Jury-Mehrheit abgelehnt u. a. mit der Begründung, dass das Denkmal auf diese Art zu monumental würde.“

Die Freien Wähler wollen lieber „eine sichtbare saarländische Holocaustgedenkstätte im Bereich von Synagoge und Beethovenplatz mit den Namen aller saarländischen jüdischen Opfer“.

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz erklärte: „Ich sehe keinen Grund, von dem geplanten Erinnerungsort abzuweichen. 2012 wurde der Entwurf von Ariel Auslender ausgewählt. Der Stadtrat hatte der Umsetzung im Juni 2012 zugestimmt – verbunden mit dem Zusatz, dass in Absprache mit dem Preisträger auch namentlich der saarländischen Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedacht werden sollte. Diese Entscheidung gilt nach wie vor. Der Stadtrat hat ein namentliches Gedenken beschlossen.“ Nun müsse der Rat noch klären, wie das aussehen wird. Britz: „Wichtig ist, dass wir eine Lösung finden, die auf einen breiten Zuspruch stößt. Der Erinnerungsort sollte nicht zum Zankapfel werden.“

Auf Facebook schlug der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann, vor, dass saarländische Schüler die Täfelchen von Hand prägen. Diese Idee findet auch Britz sympatisch. Sie weist aber darauf hin, dass die Stadt nicht über die Schulen und Lehrpläne im Saarland bestimmen könne. Deshalb wäre es schön, wenn das Land sich beteiligen würde.

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