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Saarbrücker Rapper (17) mischt Kanzleramt auf


Berlin/Saarbrücken. Wenn kein Beat da ist, ist er etwas wortkarg. Klar, Berlin ist eine „geile Stadt“, sagt Marc Käfer, die schwarze Kappe mit rotem Stern in den Nacken geschoben. Und die Sache hier im Kanzleramt findet er auch „ziemlich cool“. Ansonsten schweigt er leicht verlegen. Aber sobald es wummert, legt der 17-jährige Saarbrücker los. „Sag, kennst du diese Blicke nicht auch? Ja stimmt, jeder Blick ist wie ein Tritt in den Bauch“. Die Arme gestikulieren. Marc Käfer hat mit diesen Zeilen den bundesweiten Rap-Wettbewerb „Respekt 2010“ gewonnen.

Viele Songs aufgenommen

„Ah, da ist Number One“, sagt Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) freudig, als sie Käfer sieht. „Kommen Sie her“. Sie zieht ihn vor die Fotografen. Maria Böhmer ist für Integrationspolitik zuständig und nimmt die Siegerehrung vor. Number One ist kein schlechtes Stichwort, schließlich ist „Eros One“ Marc Käfers Künstlername. Hat er irgendwo auf einer Wand gesehen, damals als er mit zwölf Jahren in Saarbrücken-Burbach anfing mit Hip Hop. Zusammen mit Freunden hat er seitdem schon viele Songs aufgenommen. Ein ganzer Profi zu werden, also Berufsmusiker, „das wäre nicht schlecht“, nach dem Handelsabitur im nächsten Jahr. Einen großen Schritt dazu hat er gemacht. Denn nun hat er ein professionell aufgenommenes gemeinsames Musikvideo mit den Berliner Szene-Stars Tyron Ricketts, Julie und Montana Beats. Das ist der Siegerpreis, neben einer goldenen CD im Bilderrahmen, die ihm Böhmer überreicht. Die Aufnahmen für das Video hat Marc Käfer in den ersten beiden Tagen seines Berlinaufenthalts im Szeneviertel Prenzlauer Berg erledigt. Dort hat das Kanzleramt für ihn und seinen Cousin ein Hotelzimmer reserviert. „Alles echt super“, sagt Marc. Nur die schwarze Dienstlimousine fehlt.

Über 600 machten mit

Ricketts, Julie und Montana Beats haben für den Wettbewerb mit den Song „Alles geht“ die Vorlage geliefert. Zwei der drei Strophen und die Musik. Die Teilnehmer sollten eine dritte Strophe hinzufügen. Über 600 machten mit. Alle eingesandten Videos, auch die Siegeraufnahme, sind auf der Website www.respekt2010.de zu sehen. Viele Texte sind sehr kreativ. „Ich will schlafen und in einem neuen Deutschland aufstehen“, singt einer. Ein anderer: „Wenn uns jemand in eine Schublade stecken will, dann braucht er eine mit 6,8 Milliarden Plätzen drin“. Mindestens die Top 10 liegen qualitativ nicht sehr weit auseinander, findet Initiator Ricketts. Und alle Einsendungen zeigen nach seiner Meinung, dass Toleranz für die Jugendlichen selbstverständlich ist.

Bei ihm stimmte alles

Marc Käfer gewann, sagt einer der Juroren, weil bei ihm alles stimmte: Der Gesang, das Video und der Text. Der Saarbrücker entdeckte den Wettbewerb im Frühjahr auf der Berliner Jugendmesse „You“. Für seinen Text hat er nicht einmal eine halbe Stunde gebraucht. Persönlich, sagt er, hat er mit Ausländerfeindlichkeit eher selten schlechte Erlebnisse gehabt. Sein Vater ist Italiener, seine Mutter Deutsche. „Man sieht allerdings manchmal im Bus, dass ältere Leute Migranten anmachen“. Aber Jugendliche gehen gut miteinander um, findet Marc. „Im Endeffekt sind alle Menschen gleich. Ist doch viel besser, wenn jeder jedem die Hände reicht“, dichtet er in seinem Song.

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