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Saarbrücker Tafel muss Rationen kürzen

Ehrenamtliche Helfer verteilen Lebensmittel an Bedürftige aus Saarbrücken.

Ehrenamtliche Helfer verteilen Lebensmittel an Bedürftige aus Saarbrücken.

Hunderte Saarbrücker und ihre Familien haben auf den 17. November, gewartet. Die Saarbrücker Tafel beendet heute den im Mai verhängten Aufnahmestopp und nimmt jeweils an den Donnerstagen wieder Anmeldungen entgegen.

Ab dem 2. Januar können auch die neuen Kunden dann preiswert Lebensmittel für sich und ihre Familien beziehen, um trotz Mini-Löhnen, Hartz IV oder Sozialhilfe noch einigermaßen über die Runden zu kommen. Das Ende des Aufnahmestopps stellt den Vorstand des Tafel-Vereins und die anderen 120 Ehrenamtlichen vor riesige Herausforderungen. „Wir sind ja jetzt schon am Limit“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Lore Bender.

Sie ist sich dennoch mit dem Vorsitzenden Uwe Bußmann einig, dass der Verein auf die vielen hundert Anfragen reagieren müsse. Die gab es nämlich seit dem Aufnahmestopp. Und auch diesen Menschen wolle der Verein Saarbrücker Tafel helfen.

Bußmann: „Unsere Möglichkeiten beim Personal, bei den Lagerflächen, Kühlräumen und Tiefkühltruhen sind begrenzt. So gehen zum Beispiel unsere Fahrer jetzt schon auf dem Zahnfleisch. Entweder lassen wir die neuen Ausweis-Interessenten außen vor. Oder wir teilen mit ihnen. Wir denken, so lange man etwas hat, sollte man auch teilen.“

Auf bis zu 1000 neue Lebensmittelabholer stellt das Burbacher Tafel-Team sich ein. Die Kunden „Im Etzel“ versorgen nicht nur sich selbst, sondern auch Partner und Kinder. Um mindestens 2500 Menschen, die Einwohnerzahl von Auersmacher, dürfte die Zahl der Tafel-Nutzer also steigen.

Auch die Zahl der derzeit 400 Flüchtlinge, die aus dem großen Gebäude „Im Etzel“ Lebensmittel bekommen, wachse mit Sicherheit. Um wie viele, werde sich bei den Ausgabeterminen für die neuen Ausweise an diesem und den nächsten Donnerstagen zeigen.

Schon jetzt ist nach den vielen Anfragen der vergangenen Monaten für Lore Bender klar: „Wir müssen das Verteilsystem umstellen, sonst ist das nicht zu stemmen.“ Das heißt: Wer bisher wöchentlich Lebensmittel im Tafel-Haus abholen konnte, kommt nur noch alle zwei Wochen zum Zuge, was in etwa einer Halbierung der Rationen gleichkommt. „Die ersten Aufschreie gab es schon“, sagt Bußmann. Er erinnert aber daran, dass die von der Tafel gesammelten und verteilten Lebensmittel nie dafür gedacht waren, den Bedarf der Familien komplett zu decken.

Vor 18 Jahren ging es Bender und Bußmann zufolge vor allem um Hilfe gegen versteckte Altersarmut , um Verwenden statt Verschwenden. Inzwischen kämen Tausende Familien in Saarbrücken ohne die preisgünstigen Tafel-Rationen nicht mehr zurecht. Denn der Staat verlasse sich mehr und mehr darauf, dass die Tafel einspringt, wo er Lücken lässt. Bußmann stellt klar, was leistbar ist: „Wir wollen denen, die wenig haben, finanzielle Freiräume schaffen für den Schulausflug, der bei so vielen Probleme macht. Und für das Eis, das sie ihren Kindern mal wieder spendieren könnten.“

 

Meinung:

 

 

Im Stich gelassen

Von SZ-Redakteur Frank Kohler

 

Was als Aktion gegen das Verschwenden von Lebensmitteln begann, hilft heute Tausenden in Saarbrücken, finanziell überhaupt noch klarzukommen. Dass ein Verein in unserem reichen Land letztlich ein Bollwerk gegen den Hunger darstellt, ist eine Schande.

Er kann die Lücken nicht schließen, die eine falsche Lohn-, Sozial- und Rentenpolitik schon gerissen hat. Wenn die Altersarmut , wie jetzt absehbar, weiter um sich greift, dann kann nur der Staat darauf angemessen reagieren und die Alterssicherung umbauen. Das wird dauern. Aber Tafel-Chef Uwe Bußmann und seinen Leuten müssen im Hier und Jetzt der Armut etwas entgegensetzen. Weil Personal und Lebensmittelspenden nun einmal begrenzt sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als allen, die ohnehin wenig haben, Solidarität abzuverlangen.

Denn das neue Verteilsystem öffnet die Tafel jenen, die seit Mai außen vor blieben. Damit steigt die Zahl der Nutzer um 2500, die Größe so manchen Dorfes. Das bedeutet unweigerlich Einschränkungen für jene Armen, die bisher schon kamen. Und noch mehr Stress für die Helfer.

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