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Saarbrücker ärgern sich über Wildschwein-Schäden

Saarbrücken. Sie wüten in St. Arnual, unterhalb des Winterbergs, auf dem Rastpfuhl, auf dem Eschberg, in Dudweiler. Fast überall, wo Siedlungen auf Wald oder verwilderte Flächen treffen, kann es im Regionalverband zu nächtlichen Begegnungen mit Wildschweinen kommen. Die Schwarzkittel sind hier auf der Suche nach weggeworfenen Essensresten und humusreichen Böden mit Würmern, Schnecken und Larven. Das tierische Eiweiß brauchen die Schweine als Ausgleich für die stärkereichen Eicheln und Bucheckern, die sie im Wald finden. Dazu wühlen sie in Gärten und Parks der Stadt und hinterlassen nichts als Verwüstung. Zäune sind oft kein Hindernis. Anwohner, die das Schwarzwild im Garten hatten, bleiben auf den Schäden sitzen und fühlen sich mit dem Problem alleingelassen.

„Die Biester sind ja nicht ganz unaggressiv"

Arnold Bach wohnt in der Petersbergstraße, unterhalb des Winterberg-Krankenhauses. Ihm haben die Wildschweine auf seinem 3000-Quadratmeter-Grundstück den Rasen zerstört. Die entstandene Buckelpiste musst der 55-Jährige mühsam wieder glätten. Arnold Bach fühlt sich von den Tieren bedroht und sieht die Stadt in der Pflicht. Sie müsse gegen die Wildschweine vorgehen: „Die Biester sind ja nicht ganz unaggressiv. Meinen Hund lasse ich abends nicht mehr raus!“

Auch sein Nachbar Thomas Hesse hatte nächtlichen Schweine-Besuch. Der hatte sein Grundstück mit Maschendraht eingezäunt, für die Rotte kein Hindernis. „Den Zaun haben die Tiere durchbrochen und den Maschendraht von unten aufgehebelt.“ Die Schweine wühlten im Rasen und in den Blumenbeeten. Ein teures Bankett für Thomas Hesse: „Rund 2000 bis 3000 Euro wird es wohl gekostet haben, wenn ich meine eigenen Leistungen mit einbeziehe“.

Blumen- und Salatbeete zertrampelt

Jenneweg, Rastpfuhl. Anderer Stadtteil, gleiches Problem: Auch hier waren die Schwarzkittel unterwegs und haben aus dem Gemüsegarten von Martha Büch einen Acker gemacht. Auf 600 Quadratmetern sind die Blumen- und Salatbeete zertrampelt, der Rasen umgepflügt. Auch hier war das Grundstück mit Maschendraht eingezäunt.

Die Betroffenen fühlen sich mit dem Problem im Stich gelassen. Sätze wie „Da muss doch die Stadt was machen“ und „Warum reduzieren denn die Jäger nicht die Wildschwein-Bestände?“ fallen immer, wenn man sich mit ihnen unterhält.

Keine Lösung für Wildschwein-Plage

Heiner Kausch ist Kreisjägermeister im Regionalverband, so etwas wie der Chefjäger Saarbrückens: Er kann an der Wildschwein-Plage wenig ändern. Zum einen dürfen Jäger nach dem Saarländischen Jagdgesetz in sogenannten befriedeten Gebieten nicht jagen. Befriedete Gebiete sind Häuser, Höfe und Gärten, die unmittelbar an Häuser anschließen, an Friedhöfe, Zoos und Tiergehege und Bundesautobahnen, also an Orte, wo Menschen durch Schüsse verletzt oder getötet werden könnten.

Das zweite Hindernis für die Jäger ist eine Gesetzeslücke im Saarländischen Jagdgesetz. Um Saarbrücken herum gibt es zahlreiche Flächen, die zu keinem Jagdbezirk gehören. Hier erhalten Jäger keine Jagderlaubnis durch das Umweltministerium. „Wir haben da bereits Vorschläge zu einer Gesetzesänderung gemacht. Vorbild ist dabei Berlin, wo Stadtjäger bereits über 1000 Wildschweine erlegt haben“, sagt Heiner Kausch. Im neuen Jahr würde ein Berliner Kollege nach Saarbrücken kommen, um über seine Erfahrungen zu berichten.

Privaten Grundstücke sollen Jagdbezirke werden

Die Beschwerden über die Wildschweine haben in Saarbrücken zugenommen, bestätigt Thomas Blug, Saarbrückens Stadtsprecher. Viele Wildschweinschäden lägen in Gebieten, die zu keinem Jagdbezirk gehörten. Betroffen davon sind unter anderem der Rastpfuhl (Jenneweg, Knappenroth), der Eschberg (Graf-Staufenberg-Straße/Kieselhumes) und Dudweiler (Am Engelwirtsberg/In der Fröhn).

Um die Wildschweinplage in den Griff zu bekommen, plant die Stadt jetzt, alle privaten Grundstücke, die noch zu keinem Jagdbezirk gehören und auf denen grundsätzlich gejagt werden könnte, mit städtischen Flächen zu einem Jagdbezirk zusammenzulegen. Nach der Bildung einer Jagdgenossenschaft wäre das Jagen dann in diesen Gebieten möglich, sagt Blug. „Doch ist das alles ein sehr zeit- und personalintensives Verfahren.“

Zunächst müssen über 1000 betroffene, bejagbare Grundstücke in einem Jagd-Kataster aufgeführt werden. Dazu müssten Parzellen-Nummern erstellt und die Eigentümer ermittelt werden. Dann werden Eigentümerversammlungen organisiert“, erklärt Thomas Blug. Aus dem Rathaus heißt es, es könnten noch Jahre verstreichen, bis in den Gebieten gejagt werden könne.

Schäden auch in Jagdbezirken keine Seltenheit

Doch eine stärkere Bejagung, schaffe das Problem „Wildschweinschäden“ nicht aus der Welt, sagt Blug. Erfahrungsgemäß sind auch in Jagdbezirken Schäden keine Seltenheit. Das bestätigt auch Saarbrückens Kreisjägermeister Heiner Kausch: Im letzten Jahr seien im Regionalverband 600 Stück Schwarzwild geschossen worden. In diesem Jagdjahr (beginnt und endet jeweils im April) sind es allerdings schon doppelt so viele Tiere, wie zum Vorjahreszeitpunkt. Grund für die großen Populationen seien die milden Winter und die sogenannte Vollmast – die starke Fruchtbildung bei Buchen und Eichen. Zudem sei der Regionalverband dicht besiedelt und habe viele Straßen. Daher seien Treibjagden schwierig.

Infos zu Wildschweinschäden und zum wildsicheren Einzäunen von Grundstücken gibt es bei der Forstabteilung des Amtes für Grünanlagen, Forsten und Landwirtschaft, Tel. (06 81) 38 99 30.

Einen Vortrag mit Titel „Wildschweine in der Stadt“ findet am Mittwoch, 15. Dezember, um 19 Uhr im Pavillon im Wildpark, Meerwiesertalweg 137, statt. Dazu gibt es ein Wild-Menü. Kosten: 15 Euro (Vortrag und Menü), Teilnehmerzahl ist begrenzt, Anmeldung: Tel. (01 76) 82 05 68 74. red

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