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Saarbrücker mit Video-Animationen in Hollywood erfolgreich

Auch Tage später strahlt Alexander Lehnert (26). An den 17. Juli 2013 kann er sich genau erinnern: „Wir drehten am Staden einen Werbespot, als mich überraschend viele Nachrichten übers Handy erreichten,“ erinnert sich der Lead Artist der Werbeagentur Haus & Gross communications. Inhalt der Nachrichten, die aus den USA und Kanada eintrudelten: „Wir sind nominiert für den MTV Video Music Award!“ Noch immer sei er „ganz geplättet“.

Lehnert macht keine Musik, aber 3D-Animationen, die für den nominierten Videoclip „Tiny Tortures“ des amerikanischen DJs „Flying Lotus“ Bild bestimmend sind: Der knapp dreieinhalbminütige Clip zeigt Hollywoodstar Elijah Wood – weltberühmt für seine Hauptrolle als Frodo in der Trilogie „Der Herr der Ringe“ – auf einem Bett liegend. Sein rechter Arm ist amputiert, bandagiert und nur noch eine Wunde.

Plötzlich beginnt sich alles im Schlafzimmer zu bewegen: In einem luftleeren Raum fügen sich zahlreiche Gegenstände zu einem Roboterarm zusammen. Die Mullbinde löst sich vom Arm, schwebt davon: „Die Mullbinde ist aus Saarbrücken“, sagt der gelernte „Mediengestalter Bild und Ton“ und meint damit, dass er sie am Computer animiert hat. Viele der Gegenstände, die sich schwerelos durch den Raum ziehen, hat Lehnert an seinem Rechner animiert: „Spielzeugautos, die iPhone-Szene, der Jet, das Glas“, zählt er auf, „sind von mir. Die anderen sieben Freelancer saßen in Kanada und den USA.“ Der 26-Jährige öffnet unzählige Dateien, die die Entstehung der Mullbinde zeigen: Mal ist die Form verändert, dann der Schatten oder die Bewegung. „Die Detailverliebtheit kann ein Laie vermutlich nicht verstehen, aber sie ist für die Qualität des Endergebnisses ausschlaggebend.“ „ All die Gegenstände, die hier durchs Bild fliegen, sind am Computer entstanden – in der Postproduktion. Wood hatte sie am Set nicht vor Augen.“ Regisseur des Clips ist der US-Amerikaner und 3D-Künstler David Lewandowski (28), der sich in Hollywood durch Filmproduktionen wie „Tron Legacy“ und „Oblivion“, der neuste Streifen mit Tom Cruise, einen Namen gemacht hat. „Ich hab’ David auf einer Fachmesse für Postproduktion in Stuttgart vor zwei Jahren kennengelernt. Ich kannte seine Arbeiten, fand sie toll und hab’ ihn angesprochen.“ Seitdem halten sie Kontakt, telefonieren, tauschen sich aus und sind mittlerweile „gute Freunde“. „Als er mich fragte, ob ich Lust hätte, bei dem Video mitzuwirken, hab’ ich zugesagt. Klar!“

Das Low-Budget-Projekt, ahnte Lehnert, würde ein Erfolg. Er behielt Recht, zeigt die MTV-Nominierung. Geld hat er bei dem Projekt, das er außerhalb seines Fulltime- Jobs realisiert hat, zwar keins verdient, „aber Wood auch nicht“, sagt er grinsend. Der Saarbrücker und die anderen 3D-Animationskünstler schufen später die verblüffende, computergenerierte 3DWelt. 175 Stunden Arbeit habe er investiert: „Das Glück ist mit den Tüchtigen“, sagt Lehnert. Sein Know-how über 3D-Animation, die er vorwiegend mit dem Programm „Cinema4D“ gestaltet, habe er sich zum Großteil selbst erarbeitet.

„Mittlerweile bin ich vom Schüler zum Lehrer gewachsen: Ich gebe Kurse bei Online- Schulen wie www.fxphd.com und www.helloluxx.com “ Der Clip läuft weiter. Fotos aus vergangenen Tagen, Pokale, Medaillen und Genesungskarten erzählen, dass der Armamputierte vor seiner Verletzung Profi-Baseballer war. Der Roboterarm holt aus und wirft. Am Ende erwacht Wood aus seinem Traum. Lehnert aber hat nicht geträumt. Ob er den nominierten Regisseur zum MTV Music Award begleitet , weiß er noch nicht: „Wenn’s zeitlich klappt.“

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