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Saarbrücker verhalfen diesen syrischen Flüchtlingen auf der Folsterhöhe zu einem neuen Zuhause

Die Folster Höhe

Die Folster Höhe

64 neue Nachbarn aus Syrien – durchaus eine Herausforderung für ein kleines Stadtgebiet wie die Folsterhöhe. Doch während in anderen Teilen der Republik zuweilen gegen Flüchtlinge protestiert wird, zeigen die Menschen hier, wie mit großem Engagement und trotz weniger Mittel ein gelungenes Miteinander entstehen kann. Kürzlich trafen sich Vertreter der Caritas und des Judoclubs Folsterhöhe mit syrischen Flüchtlingen und interessierten Bürgern zum Stadtteilspaziergang. SZ-Redakteur Martin Rolshausen moderierte die Veranstaltung.

Von Mitte Oktober bis Anfang Dezember kamen 64 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge auf die Folsterhöhe. Sie leben dort zu viert in Drei-Zimmer-Wohnungen als die neuen Nachbarn im 13-Geschosser. Claudia Bickel vom Caritas-Kontaktzentrum Folsterhöhe erzählt: „An einem Montag im Oktober 2014 rief meine Kollegin Angela Di Pietrantonio vom Caritas-Migrationsdienst an und fragte, ob ich überhaupt wüsste, dass übermorgen elf syrische Flüchtlinge auf die Folsterhöhe kämen.“ Bickel wusste es nicht. Aber sie handelte schnell: Zusammen mit ihren Kollegen und Leuten von der Kirchengemeinde St. Jakob, der evangelischen Kirche Alt-Saarbrücken und der Freien Evangelischen Kirchengemeinde rief sie eine Spendenaktion ins Leben. Die Syrer sollten bei ihrer Ankunft mit dem Nötigsten versorgt werden.

Außerdem organisieren vier Menschen an vier Tagen in der Woche einen Willkommenskreis für die Flüchtlinge . In erster Linie geht es dabei um Sprachvermittlung. Bickel sagt: „Was hier auf der Folsterhöhe passiert ist, war eine enorme Integrationsleistung. Natürlich gibt es auch Probleme, aber die positiven Rückmeldungen der Bewohner überwiegen.“

Und auch die Syrer boten im Gegenzug schnell ihre Hilfe an: Bereits im November halfen mehrere junge Männer rund um die Kirche (Hl. Kreuz) beim Kehren und Laubsammeln. Andere packten beim Auf- und Abbau des Adventsmarktes mit an oder bereiteten ein aufwendiges Essen für das monatliche Frühstücksbüfett in der „Folschder Cafétass“ zu.

Das Besondere an dem Treffen war, dass nicht – wie so oft – nur über, sondern auch mit den Flüchtlingen gesprochen wurde. Zum Beispiel mit dem Syrer Adonis. Er erzählt, wie es dazu kam, dass er flüchten musste. Adonis ist Apotheker und hatte in Syrien seit 2008 sogar eine eigene Apotheke. Als er verletzten Bürgern half, wurde er mehrmals vom Regime verhaftet und gezwungen, für das Militär zu arbeiten. Da er das verweigerte, blieb ihm nur die Flucht.

Mohammed, ebenfalls syrischer Flüchtling, sagt zu seiner Ankunft auf der Folsterhöhe: „Hier anzukommen, war viel besser als erwartet. Es gibt wirklich keine negative Erfahrung, die ich nennen könnte.“

Doch nicht bei allen lief es so reibungslos. Andere Flüchtlinge berichten, dass eine ältere Dame ohne ersichtlichen Grund die Polizei gerufen habe. Die Polizisten hätten sie dann wie Terroristen behandelt. Dennoch empfinden auch diese jungen Männer ihre Ankunft in Saarbrücken als grundsätzlich positiv. Und auch die Alteingesessenen der Folsterhöhe berichten in erster Linie von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der neuen Nachbarn .

Und in mancherlei Hinsicht spielen unterschiedliche Nationalitäten sowieso keine Rolle – zum Beispiel beim Sport. Der Großteil der Syrer ist jede Woche beim Training im Judoclub Folsterhöhe dabei. Der Vorsitzende Lothar Bock erzählt amüsiert: „Eines der ersten deutschen Wörter, das die Syrer kennengelernt haben, war ,Muskelkater'. Sie wollten ein richtiges Power-Training machen. Das haben wir dann auch gemacht. Später habe ich gehört, dass sie alle nur noch rückwärts die Treppe runtergehen konnten.“
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