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Saarforst beklagt Gedankenlosigkeit und Anspruchsdenken

Ein im Weyerbachtal zwischen Burbach und Von der Heydt ausgeschilderter Radweg: Die löchrige Teerstraße taugt für die Waldwirtschaft, für Radler kann der Weg gefährlich werden. Foto: Becker&Bredel

Ein im Weyerbachtal zwischen Burbach und Von der Heydt ausgeschilderter Radweg: Die löchrige Teerstraße taugt für die Waldwirtschaft, für Radler kann der Weg gefährlich werden. Foto: Becker&Bredel

Der Wald soll alles können: die Luft säubern, Tieren und Pflanzen Heimat geben, immer mehr Holz produzieren und trotzdem nicht kleiner werden und vor allem: der Bevölkerung Erholung und Spaß schenken. Das im Idealfall gut austarierte Dreieck von Ökologie, Wirtschaft und Erlebnis gerät nach Überzeugung saarländischer Förster und Waldbesitzer aber zunehmend aus dem Lot. Als Hauptursache gilt die steigende Anspruchshaltung des Freizeitmenschen.

„Manche meinen, wir müssten vierspurige, gut ausgebaute Wege durch die Wälder legen“, überspitzt es Umweltminister Reinhold Jost ( SPD ) in Anspielung auf einen kürzlich im Weyerbachtal zwischen Saarbrücken-Burbach und Von der Heydt ausgeschilderten deutsch-französischen Radweg. Der Regionalverband Saarbrücken hatte ihn ohne Rücksprache mit dem Besitzer, dem Saarforst, auf einer alten, löchrigen Teerstraße (früherer Eigentümer: Saarberg) ausgewiesen. Für die Zwecke der Waldwirtschaft war und ist der Belag mehr als gut genug, für Radler kann er gefährlich werden. Prompt setzte es Beschwerden, der Forst lasse zum Schaden der Bürger die Erholungswege vergammeln. Dabei weist die Behörde selbst gar keine Wander- und Radwege aus, „Markierer“ sind meist Saarwald- und Pfälzerwaldverein, Tourismusverbände , Kommunen, Kreise. Die Sicherungs- und Unterhaltspflicht werde jedenfalls gern an den Waldbesitzer „weiter gereicht“, sagt Saarforst-Betriebsleiter Hans-Albert Letter.

Der Behördenchef kann zig Beispiele für Gedankenlosigkeit oder „Vollkasko-Denken“ im Wald nennen: Eine Joggerin klage auf Schadenersatz, nachdem sie sich beim Sturz über eine Wurzel die Kleider zerrissen habe. In einem Kommunalwald sei ein Wanderweg teilweise durch ein geschütztes Areal geführt worden. Ein Imkerverein habe ohne Rücksprache Holzmöbel im Wald aufgestellt. Geo-Cacher begehrten Erlaubnis, nachts in Kronen klettern zu dürfen. Quad-Fahrer hätten die Rückegassen der Holzwirtschaft als Trainingsstrecken entdeckt. Mit Schaudern erinnert sich Letter an einen Waldkindergarten, der unter morschen Eichenkronen zusammenkam. Die Erzieherinnen hätten es nicht besser gewusst.

Dauerproblem für die Förster ist seit vielen Jahren das fehlende Verständnis vieler Waldnutzer für den Holzeinschlag. Letter schilderte unserer Zeitung, es sei an der Tagesordnung, dass Spaziergänger Sperrungen nicht beachteten, sich in die Gefahrenzonen begäben und die Mitarbeiter beschimpften.

Nicht verstanden werde oft, dass die beim Hieb beanspruchten, verschlammten Wege sinnvollerweise erst nach der Abfuhr des Holzes wieder instand gesetzt würden, und zwar bei trockenem Wetter. Bei allem Respekt vor dem allgemeinen Betretungsrecht im saarländischen Forst sei der Waldweg ein Wirtschaftsweg und habe der Spaziergänger keinen Anspruch, seine Route trockenen Fußes zu gehen.

Reinhold Jost sieht es unter diesen Umständen als „Herausforderung“, die Interessenkonflikte im saarländischen Wald sanft zu befrieden: „Wir wollen ausdrücklich, dass die Menschen den Bürgerwald aufsuchen, aber bitte mit Respekt vor den Gefahren – und den Interessen der Forstleute.“

 

Meinung:

Wald verkommt zur Spielwiese

Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Vereinfacht gesagt ist es mit dem Wald so: Früher gingen Leute rein, die darin etwas zu suchen hatten. Heute werden Städter hineingeschickt. Waldpädagogik, Freizeitindustrie und Wandertourismus machen den Wald für Menschen interessant, die das Naturerlebnis von selbst nicht entdeckt hätten. Das kann dazu führen, dass auf Dauer das Verständnis für Pflanzen und Tiere zunimmt. Zunächst einmal werden dem Wald aber massive Probleme eingebrockt; er droht bisweilen zur Spielwiese und Erlebnisbühne zu verkommen. Da ist es eine gute Idee des Umweltministers, den Wald vor Überforderung und Anspruchsdenken in Schutz zu nehmen – und hoffentlich auch den Respektverlust vor den Förstern zu stoppen.

Zum Thema:

Der Saarforst-Landesbetrieb unterhält in seinen 40 000 Hektar Wald etwa 1600 Kilometer Waldwege, das sind 40 laufende Meter je Hektar. Fast alle Waldwege sind als Wanderwege markiert. Sie sind fast alle ganzjährig mit Lastwagen befahrbar. Für die Unterhaltung der Wege stehen jährlich etwa 550 000 Euro zur Verfügung, Tendenz steigend. Die Wegepflege kostet etwa fünf Euro je laufendem Meter, die Instandsetzung eines Lkw-Weges 10 bis 25 Euro. Außer den Waldwegen unterhält der Forst Maschinenwege (auch sie sind teilweise „ Wanderwege “) und Rückegassen. wp
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