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Saargummi in großer Gefahr

Wadern. Die Lage beim insolventen Auto- und Industriezulieferer Saargummi spitzt sich dramatisch zu. Den Standorten Wadern-Büschfeld und Losheim droht das endgültige Aus, teilte die Insolvenzverwaltung gestern mit. Die Gefahr bestehe, dass „Büschfeld kurzfristig stillgelegt werden muss“, erklärte Insolvenzverwalter Udo Gröner in dem Schreiben. Ähnlich äußerte sich sein Kollege Jean-Olivier Boghossian in Bezug auf die Saargummi-Tochter Elatech in Losheim.

Damit reagieren die Insolvenzverwalter auf die Ereignisse am Mittwochabend. Betriebsrat und Tarifkommission hatten die Verhandlungen mit dem chinesischen Investor CQLT für gescheitert erklärt. Nun gerät das Unternehmen zunehmend in Geldnot, zumal die Autobauer weitere Verluste nicht mehr ausgleichen wollen. „Wenn der Betriebsrat nicht umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehrt, werden die Mitarbeiter den Preis für dieses Verhalten bezahlen müssen“, sagte Boghossian.

Dabei ist der chinesische Mischkonzern, der bereits eine Anzahlung auf den Kaufpreis geleistet hat, den Arbeitnehmern offenbar in den Gesprächen über einen Sanierungstarifvertrag weit entgegenkommen: Die Forderung nach einer fünfjährigen Beschäftigungsgarantie will er erfüllen. 737 der zurzeit 783 unbefristet in Vollzeit beschäftigten Mitarbeiter im Büschfelder Werk sollen von dieser Garantie profitieren, heißt es in einer Mitteilung. Zudem verpflichtet sich CQLT, elf Millionen Euro in den Erhalt des Werks zu stecken. Investitionen, die bei neuen Aufträgen nötig seien, kämen hinzu, sagte Detlef Specovius von Schultze & Braun, einer der beiden mit der Insolvenzverwaltung betrauten Kanzleien. Elatech soll von Losheim nach Büschfeld verlagert werden, die 150 Vollzeit-Stammkräfte sollen übernommen werden. „Unser klares Ziel ist, uns mit Saargummi langfristig in der deutschen und europäischen Automobilbranche zu engagieren“, versicherte CQLT-Chef Wenqing Zhang. 

Betriebsratschef Arno Dühr traut all den Zusagen nicht. „Die Arbeitsplatzgarantie ist nicht fundiert. Es fehlt ein Konzept für die Weiterführung von Saargummi“, begründete er den Abbruch der Gespräche. Zudem wolle CQLT „den Standort Losheim plattmachen und die Mitarbeiter zu Dumpinglöhnen in Büschfeld integrieren“, sagte Dühr. Die anderen beiden Interessenten, die indische Ruia Group und der polnische Konzern Boryszew, hätten ausgefeilte Konzepte vorgelegt. Daher habe er Insolvenzverwalter Gröner aufgefordert, mit den beiden Firmen erneut zu sprechen. Was er aber aus rechtlichen Gründen nicht darf, nachdem die Gläubiger sich auf CQLT festgelegt haben. Offenbar spekuliert Dühr darauf, dass die Chinesen abspringen und dann Ruia und Boryszew wieder im Spiel sind.

Wirtschaftsminister Christoph Hartmann (FDP) hält die Lage „für besorgniserregend“ – vor allem, weil der Hauptgläubiger, die baden-württembergische Landesbank LBBW signalisiert habe: „entweder die Chinesen oder Zerschlagung“ von Saargummi. Er sieht aber noch „gewisse Chancen auf eine Einigung mit den CQLT“, sagte Hartmann. Heute wolle der Konzern den Arbeitnehmern schriftlich ein neues Angebot vorlegen, das Basis für weitere Gespräche sein könne.

Meinung
Zu hoch gepokert
Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf

Die Arbeitnehmer pokern extrem hoch und verkennen dabei, wie brenzlig die Lage bei Saargummi ist. Die Zeit drängt, das Geld droht auszugehen, ein potenter Investor steht bereit, bietet Garantien für fast alle Stammarbeitsplätze, und trotzdem lässt die Arbeitnehmerseite die Verhandlungen platzen. Angeblich, weil ein Konzept fehlt. Entscheidend ist aber etwas anderes: Die Belegschaft traut den Chinesen nicht über den Weg. Angst und Misstrauen sind riesengroß. Doch mit ihrem Widerstand setzen sie ihre Arbeitsplätze aufs Spiel. Gegen den Willen der Gläubiger können sie keine Wunsch-Investoren durchsetzen. Vor allem, nicht auf die Schnelle. Auch die Autobauer werden sich Ruia oder Boryszew nicht aufzwingen lassen. Der Standort Büschfeld ist keineswegs unersetzlich. Die Zerschlagung droht wirklich.




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