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Saarländer B. Becker hält sich seit Jahren in der Tennis-Weltspitze

Als kleiner Junge, und Benjamin war immer etwas kleiner, immer etwas schmächtiger als seine Freunde; als Kind, Ende der 80er, träumte Benjamin Becker den Kleine-Jungs-Traum. Er war ein Tennis-Star, Wimbledon-Finale, viele Male, gegen Boris Becker, Agassi, Ivanisevic. Benni Becker gewann immer. „Aber es war immer knapp“, sagt er und lächelt und erzählt vom Hausflur seiner Oma, wo er die Besten besiegte, und von der Hauswand draußen, gegen die er den Ball geschlagen hat, bis der Putz zu bröckeln begann.

An diesem Sonntag auf dem roten Sand von Paris könnte er wieder zum Sieger werden. Becker wirkt sehr konzentriert. 2:2, 40:0. Gewinnt er heute erstmals einen Satz bei den French Open?
22 Grand-Slam-Turniere hat Becker bisher gespielt, es sind die wichtigsten Termine der Tennis-Welt, meist war schnell Schluss, dennoch: „Ich hätte das alles nie erwartet. Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe.“

Becker, 31, hat sich seinen und den Traum tausender Kinder erfüllt. Im Fußball-berauschten Deutschland, verwöhnt zumal von der (Boris-)Becker-Graf-Ära, mag Tennis derzeit weniger faszinieren. Weltweit ist es eine große Show mit Rekord-Gagen. Spieler wie Federer, Djokovic oder Nadal sind Stars von historischem Format. Nie war Tennis spektakulärer, nie so gut. Und ein Saarländer ist mittendrin.
 
Warum er? „Niemand in meiner Familie hatte etwas mit Tennis zu tun“, sagt Becker. Ein Nachbar brachte ihn zu dem Sport, der sein Leben verändern sollte. Was an einer Hauswand begann, ist seit Jahren Weltklasse. Knapp zwei Millionen Euro Preisgeld hat er schon verdient (brutto). Er war mal die Nummer 38 der Welt, jetzt ist er die 96. Becker wirkt zufrieden, er strahlt große Ruhe aus. Dankbar, fast demütig, auf alle Fälle realistisch nimmt er wahr, was ihm passiert. Derzeit erlebt er die „schlechteste Phase meiner Karriere“. Erst seit wenigen Wochen geht es wieder aufwärts.
An diesem Sonntag in Paris geht es abwärts. Becker verliert seinen Aufschlag trotz 40:0-Führung. 20 Minuten später ist der erste Satz mit 4:6 weg.

Dass er überhaupt Karriere machen konnte, was war dazu nötig? Becker spricht von Talent, mentaler Stärke, von konstanter Arbeit. „Du musst dich immer verbessern wollen. Das wird unterschätzt, das macht es so schwer, in den Top 100 zu bleiben. Es gibt viele überragende Spieler, die sich nie durchsetzen. Es sind Nuancen.“ Becker erzählt viel von seinen vier Jahren am College in Texas. „Katastrophale Stadt, schöne Uni. Wir haben dort super professionell trainiert.“ Er führt die Baylor University zur US-Meisterschaft, holt sich auch den Einzeltitel. Doch vor allem holt er sich die Härte für die Profi-Tour. „Ich wurde von Gegnern beschimpft und bespuckt, es ging richtig rund.“ Danach jedoch fühlt er sich bereit für die Besten.
„Aber Glück gehört auch zum Geschäft“, sagt Becker. Und er hatte großes Glück. Oktober 2005, Laguna Niguel, Kalifornien. Becker will seinen Traum leben, will Profi sein. Aber er ist schon 24. Zu alt?

„Ich war immer ein Spätentwickler“, sagt Becker, schmächtiger eben als die Trainingskollegen an der Sportschule Saarbrücken. Wohin ihn seine Eltern gefahren haben, zeitweise vier Mal pro Woche. Später ist Benni mit dem Zug zum Training, direkt nach der Schule. Von sieben Uhr bis abends um Neun: eine organisierte Jugend mit vielen Entbehrungen als Vorbereitung auf ein Leben mit noch mehr Entbehrungen. „Ich weiß, wie hart es ist, was man opfern muss.“

War es das wert, Stand jetzt, Sommer 2013? „Ja“, sagt Becker: „Der Profi-Sport schlaucht, vor allem auch das viele Reisen. Doch das geht vorbei. Dann bleibt Zeit für andere Dinge.“ Jetzt ist Tennis: fünf Wochen weg, einen Tag zuhause, drei Wochen weg. Auch nach der Geburt seines Sohnes Collin 2012 war er wochenlang auf Tour.
 
Anderthalb Jahre will Becker mindestens noch weitermachen, noch ein „Ausrufezeichen setzen“, ein Finale, einen Turniersieg gar, wie einmal bisher, 2009. Becker will es nochmal wissen. Wie damals bei diesem drittklassigen Turnier in Kalifornien.

Schon 2000 und 2002 hatte er es auf der Tour versucht. Sind jetzt, 2005, aller guten Dinge drei? Becker verliert in der Qualifikation und anschließend den Mut. „Es reicht nicht, ich bin nicht gut genug“, denkt er. Die ganze Quälerei, das viele Training, alles umsonst? Becker bucht einen früheren Heimflug.

Doch dann geschieht ein Tennis-Wunder. Becker wird zum Lucky Loser, zum glücklichen Verlierer, er rutscht als vierter Ersatzmann ins Turnier – und gewinnt es. Dazu 1300 Dollar und die Gewissheit, gut genug zu sein. „Das war eine Initialzündung!“ Er spielt sich in einen Rausch, gewinnt in kurzer Zeit drei weitere Turniere.
In Paris läuft es nicht so gut. Sein Gegner schafft wieder ein Break, schnell ist auch der zweite Satz weg. War’s das schon?
 
Nach den Erfolgen 2005 war es das noch lange nicht für Becker. Im Jahr darauf beendet er die Karriere des legendären Andre Agassi. Vor 24.000 Zuschauern in New York. „So einen Moment haben nur wenige“, sagt er. Becker schreibt Tennis-Geschichte mit, es ist sein großer Durchbruch, plötzlich kennt ihn die Welt. Abends nach dem Spiel liegt Becker völlig fertig in der Badewanne: „Ich war mental platt.“ Und ein Star. Er durfte ins Sportstudio, wurde Saarsportler des Jahres, auf der Straße erkannt und in Restaurants plötzlich zum Essen eingeladen.

Doch so nett geht es nicht immer zu auf der Tour. Becker kennt sich aus mit dreckigen Hotels, Nägeln im Essen und halsbrecherischen Taxi-Fahrten in Ecuador. „Ich weiß, dass ich ein privilegiertes Leben führe, ein super Leben.“ Es ist schon vorgekommen, dass Becker von Orscholz aus spontan in die USA geflogen ist, zur NBA und Dirk Nowitzki. Dessen Nummer hat er im Handy. Demnächst wollen sie ein Tennis-Match machen, auf Nowitzkis Privatplatz.
Anders als der Basketball-Star hat Becker nicht ausgesorgt. Seine Millionen werden vor allem auch dafür gebraucht, die Karriere am Laufen zu halten. „Sehr viel Geld gebe ich für Flüge aus, für Hotels, für meinen Trainer. Da kommt einiges zusammen.“ Weil er in Paris im Hauptfeld steht, kommen aber auch wieder 20.000 Euro rein.

Vielleicht sogar mehr. Im dritten Satz führt er 4:2. Doch dann dreht der Franzose das Spiel. 4:6, 2:6, 5:7 – nach zwei Stunden sind die French Open 2013 für Becker vorbei. Autogramme muss er beim Gang von Platz Nr. 1 nicht schreiben, schüchterner Applaus verabschiedet ihn aus der schönen Arena, in der sich an diesem Tag keine Fans aus dem Saarland zu erkennen geben. Bennis Vater aber ist mit dem Auto hergefahren. Er hätte gern gesehen, wie sein Sohn endlich einen Satz gewinnt auf der ungeliebten Asche von Paris.

Dieser Wunsch wurde nicht erfüllt, vielleicht aber geht bald noch ein Wunsch des jungen Vaters Benjamin Becker in Erfüllung: „Es wäre schön, wenn mein Sohn mich noch spielen sehen könnte in den großen Stadien.“
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