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Saarländer essen immer weniger Kartoffeln

Die Kartoffel lässt sich wohl getrost als „saarländisches Grundnahrungsmittel“ bezeichnen, ist sie doch die wichtigste Zutat der regionalen Küche neben dem Lyoner. Was kann man aus ihr nicht alles zaubern: „Schaales“, „Dibbelabbes“, „Hoorische“, „Gefillde“ und „Grummbeer-Kischelscher“. Aber der Erdapfel bekommt Konkurrenz: Immer häufiger landen statt Kartoffeln Nudeln und Reis auf dem Teller – die muss man nämlich nicht erst schälen, sondern nur in den Kochtopf werfen.

Deshalb wundert es nicht, dass die Kartoffel auch im Saarland auf dem Rückzug ist. Aktuell werden noch auf 150 bis 200 Hektar Kartoffeln angebaut, vor dem Ersten Weltkrieg war die Anbaufläche noch 100 Mal so groß, wie aus Daten der Landwirtschaftskammer hervorgeht. Über 20?000 Hektar wurden damals als Kartoffelacker genutzt, das entspricht fast zehn Prozent der Gesamtfläche des heutigen Saarlandes. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch hat deutlich abgenommen, wie Zahlen der Landwirtschaftskammer belegen. Im Jahr 1950 aß jeder Saarländer noch jährlich 185 Kilogramm, heute sind es nur noch 55 Kilogramm. „Wir beobachten einen stark rückläufigen Kartoffelverbrauch“, erklärt auch Marcus Comtesse vom Biolandbetrieb Comtesse in Wadgassen.

Aber trotz sinkenden Konsums reicht die heimische Ernte nicht aus, die Saarländer satt zu machen, sodass nur ein Viertel der hier verzehrten Kartoffeln auch aus dem Saarland stammen. Die wichtigsten Importländer sind Ägypten, Israel, Spanien und bei den Frühkartoffeln auch Italien und Spanien. Im Winter sei es ökologisch sinnvoller, heimische Kartoffeln einzukellern, als importierte zu kaufen, erklärt Klaus-Peter Brück von der Landwirtschaftskammer Saarland. Die Lagerung müsse in trockenen, kühlen, aber frostfreien Räumen erfolgen. „Ideal sind dunkle, gut belüftete Kellerräume mit gleichbleibender Temperatur von vier bis acht Grad Celsius“, ergänzt Brück.

„Annabelle“, „Sieglinde“, „Marabel“, „Quarta“, „Adretta“ und „Bintje“ – über 200 Kartoffelsorten sind deutschlandweit zugelassen. „Im Saarland werden höchstens 20 Sorten angebaut“, erklärt Brück. „Aber davon sind nur fünf, sechs Sorten wirtschaftlich von Bedeutung.“ Die einzelnen Sorten lassen sich nach Reifezeit und Verwendungszweck unterscheiden: Festkochende Kartoffeln, die man gut als Salat oder Brat- und Salzkartoffeln zubereiten kann, seien etwas ertragsreicher als die überwiegend festkochenden und die mehligkochenden Sorten, so Brück. Mehligkochende Sorten zerfallen sehr leicht und sind daher ideal für Püree, Knödel und Suppen, während sich überwiegend festkochenden Kartoffeln gut zu Gratins und Aufläufen verarbeiten lassen.

Die festkochende „Linda“ ist vor allem bei den Biobauern beliebt. Im Saarland werden circa zehn der Kartoffelanbaufläche genutzt, um Öko-Kartoffeln zu kultivieren, das sind etwa 15 Hektar. Der Kilopreis für ökologisch erzeugte Kartoffeln liegt dabei mit 1,50 Euro deutlich über dem Preis konventionell angebauter Kartoffeln aus dem Supermarkt, dort bezahlt man bei Einlagerungskartoffeln etwa 0,60 Euro pro Kilogramm.

Am 9. Oktober findet das jährliche Kartoffeltestessen der Landwirtschaftskammer statt. Dabei werden verschiedene Kartoffelsorten von Vertretern des Einzelhandels, des Gaststättengewerbers, der Kartoffelerzeuger und der Verbaucher auf ihren Geschmack hin bewertet. ls

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