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Saarländer schlucken viele Pillen

Jedem dritten Saarländer werden mehr als fünf Arzneimittel im Jahr verordnet. Foto: obs/ABDA Bundesvgg. Dt. Apothekerverbände</p>

Jedem dritten Saarländer werden mehr als fünf Arzneimittel im Jahr verordnet. Foto: obs/ABDA Bundesvgg. Dt. Apothekerverbände

In keinem anderen Bundesland nehmen Bürger so viele Pillen auf einmal ein wie im Saaland. Problematisch ist dies nach Ansicht von Experten vor allem deshalb, weil es dadurch zu einem erhöhten Risiko von Wechselwirkungen komme. Wie gestern bei der Vorstellung des Arzneimittel-Reports 2016 der Barmer Krankenkasse für das Saarland deutlich wurde, kostet das Verschreiben der vielen Medikamente auch viel Geld. Mit 499 Euro pro Versichertem im Jahr lägen die Arzneimittelausgaben im Saaland 14 Euro über dem Bundesdurchschnitt. Innerhalb des Saarlands seien die Ausgaben im Saarpfalz-Kreis und im Regionalverband Saarbrücken am höchsten, im Landkreis Merzig-Wadern dagegen am niedrigsten. Der Arzneimittelreport wurde von Professor Daniel Grandt, Chefarzt am Saarbrücker Winterberg-Klinikum, erstellt.

Laut dem Bericht werden jedem dritten Saarländer mehr als fünf Arzneimittel im Jahr verordnet. Der im Oktober gesetzlich eingeführte Medikationsplan, den Patienten bekommen, wenn sie mehr als drei Medikamente zeitgleich nehmen, soll das Risiko von Wechselwirkungen mit anderen Arzneien senken, erklärte Dr. Gunter Hauptmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Saarland. Wenn ein Arzt immer wisse, welche Medikamente seinem Patienten von anderen Ärzten verordnet werden, könne er Wechselwirkungen erkennen und verhindern, betonte Hauptmann.

Die hohen Arzneimittel-Ausgaben der Kassen ließen sich durch den Einsatz von Nachahmer-Präparaten (so genannter Biosimilars, siehe Info) senken, erklärte der Saarbrücker Chefarzt Grandt. Das Saarland sei beim Einsatz von Biosimilars derzeit Schlusslicht. Nur 27,4 Prozent der Barmer-Versicherten, die auf entsprechende Medikamente angewiesen sind, bekämen im Saarland die kostengünstigeren Nachahmerprodukte, die absolut gleichwertig seien. Aus medizinischer Sicht ließe sich das nicht begründen, erklärte Grandt. Durch den Einsatz von Biosimilars, die im Schnitt 25 bis 30 Prozent günstiger seien, könne man im Saarland pro Jahr 350 000 Euro einsparen, betonte Barmer-Landesgeschäftsführerin Dunja Kleis. Die Kassenärztliche Vereinigung kündigte an, im Rahmen ihrer Beratungstätigkeit künftig verstärkt auf den Einsatz von Biosimilars hinzuweisen.

 

Zum Thema:

Biosimilars sind Nachahmer-Präparate von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln ( Biopharmazeutika ), deren Patent abgelaufen ist. Sie werden zum Beispiel zur Behandlung chronisch-endzündlicher Darmerkrankungen und Rheuma eingesetzt. Die Biosimilars, die die Biopharmazeutika ersetzen sollen, sind keine genauen Kopien der Originalpräparate, diesen aber äußerst ähnlich. In Wirkung und Verträglichkeit sind sie nach Experten-Angaben genauso gut wie die Originalpräparate und dabei deutlich günstiger. In Deutschland darf nur der behandelnde Arzt entscheiden, ob ein Biosimilar eingesetzt wird. ska

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