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Saarländer sollen gesünder werden

Saarbrücken. Da läuft nach Meinung des Saar-Gesundheitsministeriums ein Bombenprojekt in Völklingen in Sachen Gesundheits-Fürsorge - und keiner redet drüber. Zumindest hier zu Lande nicht. Während bei der Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Saarland e.V. (LAGS) bundesweite Anfragen eingehen. Das soll sich ändern. Gesucht werden neun Gemeinden, die es Völklingen gleich tun wollen. Die erste ist schon gefunden: Kirkel. Bürgermeister Frank John erklärte gestern bei der Vorstellung der "Saarland lebt gesund"-Initiative des Gesundheitsministeriums, warum. Die Aktion passe ins Profil der Gemeinde, die als eine der wenigen im Saarland noch ein eigenes Sozialbüro unterhalte und sich für Familien- und Mehrgenerationen-Projekte stark mache. Außerdem erhofft sich John eine bessere Auslastung der drei Sportstätten.

Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig, zugleich Präsident des Städte- und Gemeindetages, empfahl das Projekt als urbanen Vitalisator: "Alle Bürgermeister wollen doch eine lebendige Stadt. Hier werden die Menschen angesteckt." Den Lawinen-Prozess schilderte der Projekt-Vater von "Völklingen lebt gesund", der Leiter der Volkshochschule Karl-Heinz Schäffner. Seit 2009 hätten sich Apotheker, Schulen, Krankenhäuser, Sport- und Theatervereine in einem Ideen-Wettbewerb überboten: Osteoporose-Prävention, ayurvedische Fußmassage, Kindergarten-Waldlauf-Meisterschaften, eine Bewegungs-Operette für Senioren. 150 Projektpartner wurden laut Schäffner gewonnen, die mit Geld und Sachspenden dabei sind. Die 25 000 Euro, die die Stadt investiere, kämen dicke als Mehrwert wieder rein. Wo man hinschaut, nichts als Positiv-Effekte? Warum wird dann der LAGS nicht schon jetzt die Tür eingerannt? Kirkels Stadtchef meint, auch er habe mit der Zusage gezögert. Seine Gemeinde (10 000 Einwohner) verfüge nicht über die personelle Ausstattung, um sich ein solches Projekt zuzutrauen.

"Wir müssen diese erste Zurückhaltung überwinden", erklärte Gesundheitsminister Georg Weisweiler (FDP). Aus seinem Haushalt erhält die LAGS 100 000 Euro für die Kampagne. Die Akquise läuft. Mit Illingen, Oberthal und Sulzbach wurden erste Kontakte geknüpft. "Es soll eine Welle werden", hofft der erste Vorsitzende der LAGS, Armin Beck.

Das dürfte dauern. "Wir sind erst in der Phase des Bekanntwerdens", sagt der Präsident der Ärztekammer Dr. Josef Mischo auf SZ-Nachfrage. Obwohl es keine wissenschaftliche Studie gebe, die den wirtschaftlichen Erfolg von Prävention belege, sei er ein vorbehaltloser Unterstützer der Präventions-Medizin. Den Titel der Kampagne hält er freilich für eine "Zielvorgabe, denn im Bundesschnitt sind wir ein krankes Land", so Mischo. Die Ursachen dafür seien nicht erforscht. Fest stehe nur: "Wirtschaftliche und soziale Probleme machen Menschen kränker."

Infos: www. das-saarland-lebt-gesund.de; www.lags.de

"Krankenland Saar": Die Saarländer sind im Bundesdurchschnitt länger und öfter krank: Der Krankenstand liegt bei 3,8 Prozent (Bund: 3,4) - Höchststand in einem westlichen Bundesland (Quelle: DAK). Chronische Erkrankungen sind verbreiteter als im Bundesschnitt (Quelle: Robert-Koch-Institut, Berlin). Damit korrespondieren häufigere Arztbesuche und eine längere Verweildauer in den Krankenhäusern. Saarländer leiden häufiger unter Rückenschmerzen und erhöhten Cholesterinwerten. Unterdurchschnittlich sind auch die Werte beim Ernährungsverhalten: Nur 47,4 Prozent gaben an, täglich Gemüse zu essen (Bund: 53,8). Gleiches gilt für den Obstverzehr: Nur 65,9 Prozent der Frauen essen täglich Obst (Bund: 71,5). Der Arzneimittel-Verbrauch liegt um 500 Euro/16 Prozent höher als im Bundesschnitt. Jedem Saarländer wurden pro Jahr zwölf Packungen verschrieben (Bundesschnitt: 9,5), so viel wie in keinem anderen Bundesland. (Quelle: Techniker Krankenkasse). Zudem ist jedes vierte Kind (23,3 Prozent) zu dick und 40 Prozent der Senioren leiden an Bluthochdruck, Auslöser für Herzinfarkt/Schlaganfall wegen Übergewicht und Bewegungsarmut (Quelle: Studien des Landes-Gesundheitsministeriums). ce

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