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Saarländer verdient sein Geld als Pokerprofi

Saarbrücken. „Im Grunde ist es ein Bürojob. Er ist nicht gesund und besteht aus Hinsetzen und klicken“, sagt Christophe Groß über seinen Beruf, den er seit drei Jahren ausübt.

Damit stapelt er ein bisschen tief: Der 29-Jährige ist professioneller Pokerspieler, hat schon sieben Millionen Hände an virtuellen Pokertischen gespielt und lebt derzeit auf Malta in einer WG mit drei anderen Pokerspielern. Denn auf dem Inselstaat ist Online-Poker legal. Richtigen Urlaub habe er zwar nicht mehr, aber für Turniere ist er auf die Bahamas, nach Italien, Frankreich, Österreich und in die Ukraine gereist – natürlich auch nach Las Vegas.

Dort gewann er 2008 bei der World Series of Poker, dem wichtigsten Pokerturnier der Welt, 25.000 US-Dollar.
Aber angefangen hat alles 2006: Während seines Informatik-Studiums spielte der gebürtige Saarbrücker mit seinen Freunden „Spaßrunden“ und wechselte schließlich ins Lager der Berufsspieler.
Das war das vorzeitige Ende des Studiums. „Für meinen Vater ist das kein Problem, weil er selbst spielt, aber meine Mutter versucht immer noch, mich zur Vernunft zu bringen’“, erzählt Groß. Aber der ausgebildete Fallschirmjäger kann sich nicht vorstellen, jemals wieder in einen „normalen Beruf“ zu arbeiten: „Ich bin zufrieden, auch wenn meine Arbeit hart ist“.

Sein Alltag beginnt mit dem Aufstehen zwischen 11 und 12 Uhr, ab 14 Uhr spielt er online die Pokervariante No Limit Hold’em. Nach vier Stunden macht er eine Pause, nachts spielt er noch mal etwa drei Stunden, gegen vier Uhr nachts geht es ins Bett. Irgendwo dazwischen berichtet er auf seinem Blog, seinem Youtube-Kanal und auf Facebook über sein Pokerleben. „An 20 Tischen gleichzeitig spielen ist für mich inzwischen Routine“, sagt Groß, an den Tischen besser bekannt als „Crazy Sheep“. Den Schaf-Spitznamen hatte er schon in der Schulzeit weg wegen seiner lockigen Haare.
„Crazy“ setzte er selbst davor, als er mit dem PC-Strategie-Spiel „Counterstrike“ begann. Dieses Jahr kämpft er wieder auf „Pokerstars“, der größten Online-Pokerseite der Welt, um den Status „Supernova Elite“ und damit die Mitgliedschaft in einem  VIP-Club mit Prämien und Vergünstigungen für Vielspieler. Mittlerweile gebe es kaum eine Situation, die er nicht kenne, für die Spielentscheidungen brauche er eine Sekunde.

Aber der wesentliche Unterschied zwischen Profi-Pokerspielern und Freizeitspielern bestehe in etwas anderem: „Der Profi kann mit schlechten Phasen umgehen. Wenn er verloren hat, geht er an Tische, an denen er mit geringen Verlusten weiterspielen kann und nicht an hohe Tische, um schnell alles zurückgewinnen zu wollen.“ Und diesen Unterschied nutzt er aus: Groß spielt vor allem nachts, weil er dann mehr verdient. „Nachts sind mehr Leute an den Tischen, die nicht pokern können“, erklärt er. Mit dieser Taktik hat das „Crazy Sheep“ im vergangenen Jahr Prämien und Bargeld in Höhe von etwa 200.000 US-Dollar gewonnen.

„Meine Gewinne sind höher als meine Verluste“, sagt Groß lachend. Aber Schlafstörungen gehören dazu. Schließlich hält sich der Kartenfan nachts mit Kaffee und Energiedrinks wach. Aber jetzt versüßen besondere Pralinen Groß das nächtliche Pokern: Ein deutscher Internet-Chocolatier hat Pralinen aus schwarzer Schokolade entworfen, die sein „Crazy Sheep“-Logo tragen, die Schachtel mit neun Stück für 14,90 Euro, zuzüglich Versand. Allerdings schickt die Firma derzeit noch nichts aus Deutschland raus. Aber Richtung Malta will der Chocolatier eine Ausnahme machen.
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