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Saarländerinnen haben die kürzeste Lebenserwartung aller Frauen

Es ist das Jahr 2092. Die Zukunft. Irgendwo in einer saarländischen Kleinstadt. Ben und seine Frau Emma, beide Rentner, sitzen gemeinsam auf der Terrasse, schauen in den Abendhimmel – und denken an ihr langes und auch erfülltes Leben zurück. Ja, es ist schon viel passiert, seit sie einst, 2015, das Licht der Welt erblickt haben. Heute sind beide 77,1 Jahre alt. Und damit exakt so alt, wie es die Statistiker in ihrem Geburtsjahr als Lebenserwartung für jeden männlichen Saarländer errechnet hatten.

Aber Ben fühlt sich fit. Genau wie Emma. Gut, bei ihr stand rein statistisch schon bei Geburt fest, dass sie Ben wohl um 5,0 Jahre überleben wird. Ben und Emma haben aber auch Glück gehabt. Wären beide nur 20 Jahre früher geboren worden, hätte sich ihre Lebenserwartung sogar um 4,8 Jahre ( Männer ) und 3,1 Jahre ( Frauen ) verkürzt. Das geht aus den neusten Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden veröffentlichte.

Aber nicht nur Emma, Ben und alle anderen Saarländer leben im Schnitt länger. Auch die übrigen Deutschen schaffen das. Noch Mitte der 1990er Jahre wurden die Männer in der Bundesrepublik durchschnittlich nur knapp 73 Jahre und die Frauen 79,5 Jahre alt. Aktuell, das heißt bezogen auf den Berechnungszeitraum von 2013 bis 2015, liegt die Lebenserwartung für neugeborene Jungen bei 78 Jahren und zwei Monaten. Bei Mädchen gehen die Wiesbadener Statistiker von einem durchschnittlichen Lebensalter von 83 Jahren und einem Monat aus.

Damit hat die Lebenserwartung innerhalb von 20 Jahren bei den Männern um fünf Jahre und zwei Monate zugenommen. Bei den Frauen ist sie um drei Jahre und sieben Monate gestiegen. Das Ende scheint nicht erreicht zu sein. Das sagt zumindest Rembrandt Scholz vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung. „Die Lebenserwartung steigt nach wie vor, es gibt keine Anzeichen, dass sie zurück geht.“

Das betrifft alle Bundesländer. Dennoch gibt es regionale Unterschiede. Die bundesweit höchste Lebenserwartung haben derzeit Neugeborene in Baden-Württemberg mit 79 Jahren und sechs Monaten ( Männer ) beziehungsweise 83 Jahren und elf Monaten ( Frauen ). Im Südwesten des Landes lebt man damit 1,3 beziehungsweise 0,8 Jahre länger als im bundesweiten Schnitt. Anders die Saarländer. Sie sterben früher. Gerade Frauen . Wer hierzulande geboren wird, hat derzeit die niedrigste Lebensdauer aller Frauen in Deutschland. Bei den Männern verzeichnen die Statistiker in Sachsen-Anhalt 76 Jahre und zwei Monate.

Hinzu kommt: Wer im Saarland oder in den neuen Bundesländern geboren wird, lebt im Schnitt kürzer als der Rest der Republik. Der Osten hat aber statistisch stärker aufgeholt als das kleine Saarland (siehe Infobox). Den größten Sprung nach vorn hat Mecklenburg-Vorpommern gemacht, wo Mitte der 1990er Jahre noch die mit Abstand niedrigste Lebenserwartung gemessen wurde. Seitdem ist sie bei den Männern um 7,7 Jahre und bei den Frauen um 5,3 Jahre gestiegen.

Aber woher kommen die Unterschiede zwischen dem Saarland und Osten zu den anderen Westländern? Was sie eint, ist beispielsweise ihre schwache Wirtschaft. Das Robert-Koch-Institut hat unter anderem in Langzeit-Studien gezeigt, dass Menschen aus ärmeren Familien und mit einem unsicheren Einkommen fast fünf Jahre kürzer Leben als Besserverdiener . Die Haushalte im Saarland und in den neuen Bundesländern haben beispielsweise monatlich das niedrigste verfügbare Nettoeinkommen. Allein das Saarland und Bayern trennen dabei knapp 400 Euro. Ein anderes Problem ist die Arbeitslosigkeit. Auch hier sind das Saarland und der Osten wieder unterdurchschnittlich, haben also eine höhere Quote. Beim Krankenstand liegt das Saarland ebenfalls über dem Durchschnitt. Einen anderen Ansatz für ein langes Leben haben Forscher der Uni Genf herausgefunden. Für sie ist neben Geld, Gesundheit und Sport das Glück ein entscheidender Faktor für eine lange Lebenserwartung : Die Saarländer und die Ostdeutschen haben dabei, wie der jüngste Glücksatlas gezeigt hat, noch Nachholbedarf zu den übrigen Bürgern. Sie sind die unzufriedensten Menschen im Staat.

Vielleicht ist das ein Schlüssel dafür, warum Emma und Ben auch im Jahr 2092 mit 77,1 Jahren noch fit durchs Leben gehen.

 

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Im Osten Deutschlands ist die Lebenserwartung im Vergleich aller Bundesländer am stärksten gestiegen. Das geht unter anderem auf den deutlichen Rückgang der Umweltverschmutzung in der vormaligen DDR und einer spürbaren Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung zurück. So vermerkt es zumindest der jüngste Regierungsbericht zum Stand der Deutschen Einheit: „Ein großer Teil der Verringerung der Ost-West-Unterschiede in Lebenserwartung und Sterblichkeit ist darauf zurückzuführen, dass die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückgegangen ist“, heißt es da. Noch Anfang der 1990er Jahre sei die Sterblichkeit wegen solcher Leiden im Osten etwa 1,5-mal höher gewesen als in Westdeutschland. Inzwischen seien die Unterschiede vergleichsweise gering. Die stärksten Zuwächse bei der Lebenserwartung haben bundesweit die Männer in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gemacht – mit 7,7 und 7,4 Jahren. Bei den Frauen war es ebenfalls Mecklenburg-Vorpommern (5,3 Jahre) und Thüringen (5,0 Jahre). vet/pbe

 
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