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Saarland: Das ist die neue Chefin

Saarbrücken. Es gab Zeiten, da machten die Berliner Hauptstadt-Journalisten einen weiten Bogen um das Saarland – es gab einfach nichts zu berichten. Die letzte dieser Phasen begann vor gut anderthalb Jahren nach der Regierungsbildung. Die bundesweit erste Jamaika-Koalition war in Amt und Würden, Oskar Lafontaine hielt sich in der Provinz auffällig zurück und Peter Müller regierte zurückgezogen und leise – jedenfalls nicht mehr laut genug, um die Berliner Bühne zu bespielen.

Diese saarlandfreie Zeit ist zumindest für einige Tage vorbei. Kurz vor dem heutigen Machtwechsel wächst „im Reich“ nämlich die Neugierde: Wer ist eigentlich Annegret Kramp-Karrenbauer? „Außerhalb des Bundeslandes können viele Journalisten noch nicht mal ihren komplizierten Nachnamen fehlerfrei aufsagen“, hat die Wochenzeitung „Die Zeit“ beobachtet. Wer in den vergangenen Tagen die überregionale Presse verfolgt hat, weiß jetzt immerhin, dass „AKK“ seit gestern 49 Jahre alt, katholisch, mit einem Bergmann verheiratet, „bürgernah bis zur Schmerzgrenze“, pragmatisch, Quotenfrau und im Zweifel links ist. Außerdem, so wusste der „Focus“ zu berichten, sei sie stolz auf ihre Rindfleischsuppe („Die ist so gut wie die von meiner Mama“). Ihr offenherziges Bekenntnis „Ich bin auch eine Quotenfrau“ – mit dem sie verdeutlichen wollte, dass es einer Frauenquote bedarf, um auf fähige Frauen überhaupt aufmerksam zu werden – wurde besonders häufig zitiert. Zuletzt nahmen Berliner Journalisten auch von Kramp-Karrenbauers Vorstößen Notiz, branchenbezogene Mindestlöhne einzuführen, den Missbrauch der Leiharbeit stärker zu bekämpfen und die Steuern für Reiche zu erhöhen. „Die Herz-Jesu-Fraktion in der Union zeigt ihr junges Gesicht“, schrieb die Katholische Nachrichtenagentur, die sogleich darauf hinwies, dass die Saarländerin erste katholische Regierungschefin der Bundesrepublik wird.

Viele überregionale Tageszeitungen – von der bürgerlichen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bis zur alternativen „tageszeitung“ – haben sich in den vergangenen Tagen um Interviews mit AKK bemüht oder sie im Saarland einen Tag lang auf Märkten und Festen begleitet. Kein Wunder, das Informationsbedürfnis ist groß. Dass Ministerpräsident Müller sie seit Jahren gefördert und ihr schon mehrere Ministerien anvertraut hatte – gut, das hatte sich bis nach Berlin herumgesprochen. Aber sonst? Der Korrespondent der Zeitung „Die Welt“ war so ehrlich und begann im Juni sein Interview mit der Frage: „Wer sind Sie?“ In dem Gespräch erfuhr er dann unter anderem, dass AKK „eine ganz normale Saarländerin“ ist, „aus einer kinderreichen Familie mit traditioneller Rollenverteilung bei den Eltern“ kommt und zuletzt das Buch „Sommer ohne Männer“ gelesen hat. Außerdem verriet Kramp-Karrenbauer, dass sie vor Landtagsdebatten gerne mal Hardrock-Musik hört, zum Beispiel „Highway to Hell“ von AC/DC, um die nötige „Grundaggressivität“ zu bekommen. Dank des Interview-Marathons kann sich nun auch jeder vorstellen, wie das vergangene Wochenende im Hause Kramp-Karrenbauer gewesen sein muss, denn in ihrer Familie mit „lauter untröstlichen Bayern-Fans“ erfordere es „psychologisches Fingerspitzengefühl, nach einem verpatzten Bayern-Wochenende den Familienfrieden wiederherzustellen“.

„Die neue starke Frau an der Saar“, „Die weibliche Antwort auf die CDU-Profildebatte“, „Politikerin ohne Berührungsängste“ – so überschrieben die Nachrichtenagenturen ihre Porträts, die in diesen Tagen dutzendfach abgedruckt werden. Darin immer wieder auch ihre politische Weisheiten wie „Auch das Huhn weiß, dass morgens die Sonne aufgeht – aber es lässt den Hahn krähen“ (über den Unterschied von Männern und Frauen in der Politik).
Über das bundesweite Medienecho kann sich Kramp-Karrenbauer bislang also nicht beklagen, es ist durchweg wohlwollend. „Die Saarländer lieben ihre künftige Regierungschefin – trotz unbeholfener Auftritte“, schrieb „Die Zeit“. Kramp-Karrenbauer sei aber „alles andere als eine Rampensau“: Wenn die CDU-Frau im Fernsehen spreche, enthielten ihre Sätze viele „Äh“s, der saarländische Dialekt lasse sie „schwerfällig und ein wenig dumpf“ wirken – das ist aber schon die kritischste Anmerkung. Nicht fehlen darf der Hinweis, dass die 49-Jährige „ein betont distanziertes Verhältnis“ zu Angela Merkel habe. „Das mit den Schlagzeilen könnte also noch kommen.“ Und das mit der Bekanntheit außerhalb des Saarlandes dann auch.
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