Saarland, Bildstock, Spieser Straße, Vollsperrung wegen eines Verkehrsunfalls (13:09)

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Saarland: Skandal um Video bei der Polizei

Auf der Videoplattform Youtube verbreitet sich seit Mittwoch rasant ein knapp dreiminütiger Film. Dort zu sehen: Ein Mann, der mit nach hinten verschränkten Armen und angeschnallt in einem Minibus sitzt. Ein Mann, der völlig aufgedreht wirkt, schreit und herausposaunt, dass ihn die Welt nicht mehr interessiert und er nur in Ruhe seine Drogen nehmen wolle. Unter dem Film stehen mehr als 80 Kommentare. Manche höhnisch und menschenverachtend wie zum Beispiel der vom Nutzer „Dihydrogen monoxid“: „Der soll sich ruhig 1,2,3,4 bitte 100 Gramm auf einmal in die Vene drücken, dann muss ich für solche Wichser keine Steuern mehr zahlen.“ Obwohl das Video erst am 10. Juni bei Youtube eingestellt wurde, haben es bis gestern Nachmittag bereits mehr als fünfzehntausend Menschen angeschaut.

Der Film „Da kotzt er, Saarländer Im PolizeiAuto :D“ (so war das Video überschrieben) wurde von einem Nutzer hochgeladen, der sich Dean D. nennt. Das wacklige Amateurvideo ist wahrscheinlich mit einem Handy aufgenommen worden. Schnell drängt sich der Verdacht auf, dass sich der Mann in Polizeigewahrsam befindet. Denn der Beschuldigte schreit gleich zu Beginn des Films: „Autos beschädigt? Ich habe überhaupt kein Auto angelangt. Ich habe auf eine Scheibe geschlagen mit der flachen Hand.“ Im Hintergrund sind Geräusche zu hören, die an ein Funkgerät erinnern. Offenbar werden Personalien dort geprüft. Eine Frau sagt: „Es geht nur die Mailbox ran“. Die nicht sichtbaren Personen lachen über die wirren Aussagen des Mannes. Als der Festgenommene einen der Anwesenden beleidigt, antwortet dieser, dass er dafür „ins Loch“ wandern werde, also in eine Zelle.

Der aktuelle Video-Skandal ist nicht der erst Fall dieser Art in diesem Jahr. Erst Ende Mai wurde ein saarländischer Polizeikommissar vom Dienst suspendiert, weil er Kolleginnen beim Duschen und auf der Toilette gefilmt hat.

Stephan Laßotta, Sprecher des Landespolizeipräsidiums, bestätigt, dass der Film in einem saarländischen Polizeiwagen aufgenommen wurde, vermutlich in einem dienstlichen Zusammenhang. Das sei zwar nicht alltäglich, aber es seien Gründe dafür denkbar. Zum Beispiel zu Dokumentationszwecken, wie es bei Fußball-Einsätzen häufig der Fall sei. So könne es sein, dass der Film zwar zu Recht aufgenommen, jedoch zu unrecht im Internet verbreitet worden sei. „Wir müssen nun ermitteln, wer den Film aufgenommen hat, und ob diese Person dieselbe ist, die den Film online gestellt hat.“

Ob es tatsächlich Gründe für eine Videoaufnahme gab, muss nun die Staatsanwaltschaft klären. Der Fall wirft viele Fragen auf: In dem Minibus befinden sich außer dem Festgenommenen mindestens zwei Personen. Warum schritt kein Kollege ein? Warum konnten ausgerechnet Polizisten nicht zwischen Recht und Unrecht unterscheiden? Saarlands Innenministerin Monika Bachmann (CDU) hat für letztere Frage eine ganz klare Antwort: „Über das, was da passiert ist, bin ich entsetzt. Wir werden das nicht dulden. Wir haben bei uns kein Moralproblem. Sollte jemand nicht wissen, wie unsere Moralvorstellung sind, werden wir ihm das deutlich machen.“ Bachmann sei Donnerstagnachmittag über das Video informiert worden. Die dort gezeigten Szenen stammten aus dem Jahr 2010. Man werde den Fall untersuchen. Momentan würde mit den beteiligten Polizisten gesprochen.

Gestern, um 14.50 Uhr, war das Original-Video plötzlich nicht mehr bei Youtube verfügbar.
 
 
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