A620 Saarbrücken Richtung Saarlouis AS Saarlouis-Mitte Baustelle, Ausfahrt gesperrt bis 22.12.2017 16:00 Uhr (13.11.2017, 11:43)

A620

Priorität: Dringend

2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
2°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Saarland bildet auf früheren Bergwerksareal angehenden Polizisten aus

Auf dem Campus Göttelborn ist seit einem Jahr die Fachhochschule für Verwaltung des Saarlandes angesiedelt.

Auf dem Campus Göttelborn ist seit einem Jahr die Fachhochschule für Verwaltung des Saarlandes angesiedelt.

Die Zeiten ändern sich, auch im öffentlichen Dienst. Früher reichten einem gewöhnlichen Polizisten im Saarland die mittlere Reife und eine Ausbildung. Wer heute zur Polizei kommt, hat meist das Abitur und muss ein dreijähriges Studium zum Diplom-Verwaltungswirt absolvieren. Seit dem Jahr 1981 bilden das Land und seine Kommunen angehende Beamte des gehobenen Dienstes an einer eigenen Fachhochschule aus, die dem Innenministerium untersteht. Die Fachhochschule für Verwaltung des Saarlandes (FHSV) mit zurzeit rund 500 Studenten und 85 Mitarbeitern ist vor einem Jahr in einen Neubau mit hellen Büros und 20 Lehrsälen auf den Campus Göttelborn gezogen. Das Areal ist eine frühere Bergwerksfläche. Vor dem Umzug war die Fachhochschule auf die Standorte Dudweiler, Jägersfreude und St. Arnual (Wackenberg) verteilt. Gerade hat ein neues Studienjahr begonnen, 100 angehende Polizisten (Kommissaranwärter) und 38 Verwaltungsbeamte (Inspektoranwärter) sind neu auf dem Campus.

Die FHSV ist keine gewöhnliche Hochschule, in vielerlei Hinsicht: Erstens hat sie keine Professoren; die Dozenten sind höhere Beamte sowie haupt- und nebenberufliche Lehrbeauftragte, darunter auch Polizisten. Deren Schwerpunkt ist die Lehre, Forschung spielt praktisch keine Rolle. Zweitens darf an der FHSV nur studieren, wer bereits den Beamtenstatus hat, wer sich also in einem Bewerbungsverfahren seines späteren Dienstherrn durchgesetzt hat. Das sind angehende Polizisten sowie Anwärter für den gehobenen Dienst der allgemeinen Verwaltung in der gesamten öffentlichen Verwaltung des Saarlandes, insbesondere bei Kommunen, Landkreisen und Land. Sie verdienen bereits während ihres Studiums 1029 Euro pro Monat. Ihr erstes Gehalt nach dem Studium als Kommissar beziehungsweise Inspektor liegt bei etwa 2164 Euro monatlich (jeweils ohne Zulagen).

Der dritte Unterschied zu einer normalen Hochschule: Es gibt keinen Bachelor-Abschluss, sondern das alte Diplom. Rektorin Corinna Miller betont, ihre Hochschule habe das, was den Bachelor ausmache, schon lange praktiziert: die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. So besteht das Studium aus zwei Dritteln Theorie und einem Drittel Praxis. Wer sich zum Polizeikommissar ausbilden lässt, absolviert bereits während des Studiums Praktika bei der Polizei, auch im Wechselschichtdienst, im Einsatz immer begleitet von zwei erfahrenen Beamten. „Ich bin froh, dass wir nicht auf den Bachelor-Zug aufgesprungen sind“, sagt Miller. So würden die Studenten nicht – wie beim Bachelor – nur „punktuell“ für regelmäßige Klausuren lernen; vielmehr werde zum Abschluss des Studiums der Stoff aus allen drei Jahren in mehrstündigen Klausuren geprüft. Hinzu kommt eine 40 Seiten starke Diplomarbeit zu einem berufspraktischen Thema. Studienabbrecher gebe es so gut wie nicht. Miller führt das auch auf die gute und enge Betreuung der Studenten zurück.

Die Ausbildung in Göttelborn ist breit angelegt. „Wir bilden hier den Generalisten aus“, sagt Miller, die Absolventen seien vielseitig einsetzbar. Polizisten müssten von der Verkehrsunfallaufnahme bis zu ersten Maßnahmen in einem kniffligen Kriminalfall alles beherrschen. Die Spezialisierung etwa zum Kriminalisten erfolgt erst in der Fortbildung, für die ebenfalls die FHSV zuständig ist. Auch die ausgebildeten Verwaltungsbeamten könnten an vielen Stellen eingesetzt werden, etwa als Amtsleiter im Sozial- oder Rechnungsprüfungsamt, der Ausländerbehörde oder der Führerscheinstelle.
 
Hintergrund
Auf dem Lehrplan stehen bei Kommissaranwärtern unter anderem Polizeiwissenschaften, Rechtswissenschaften, Organisations- und Gesellschaftswissenschaften (Psychologie, Kriminologie, Politik, Berufsethik, Umgang mit Belastungen) sowie Sport und Selbstverteidigung. Für die Studenten des allgemeinen Verwaltungsdienstes sieht das Curriculum Rechtswissenschaften, Wirtschafts- und Finanzwissenschaften sowie Verwaltungs- und Sozialwissenschaften (Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie) vor. kir
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein