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Saarland setzt auf Frauen im Beruf

Mehr Mut: Experten raten Frauen, sich mehr in Technik-Berufen eine Existenz aufzubauen. Foto: Terex

Mehr Mut: Experten raten Frauen, sich mehr in Technik-Berufen eine Existenz aufzubauen. Foto: Terex

Frauenpower schon in der Pressekonferenz: Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger ( SPD ), Heidrun Schulz als Chefin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und Bettina Altesleben vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) stellen ein Projekt gemeinsam vor. Sie eint das Ziel, deutlich mehr Frauen an der Saar dazu zu animieren, eine berufliche Tätigkeit zu ergreifen. Denn das Saarland hat hier, im Vergleich zu allen anderen Bundesländern, die rote Laterne in der Hand. Nirgendwo anders ist die Zahl der erwerbstätigen Frauen so gering wie an der Saar.

Die Expertinnen, ergänzt in der Runde durch Heino Klingen, dem Hauptgeschäftsführer der saarländischen Industrie- und Handelskammer (IHK), rechneten vor, dass man bis 2030 rund 19 000 Frauen an der Saar zusätzlich als Fachkräfte gewinnen könnte. Um alle Möglichkeiten dazu zu bündeln und gleichzeitig das Beratungsangebot für die Frauen professioneller zu gestalten, nimmt ab diesem Sommer bei der Arbeitskammer (AK) eine neue Beratungsstelle die Arbeit auf. Sie wird zur Hälfte aus Landesmitteln und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert. Die Wirtschaftsministerin beziffert die jährlichen Kosten der Beratungsstelle auf rund 65 000 Euro.

Ein inhaltlich wesentlicher Baustein soll die Einstiegs- oder Wiedereinstiegsberatung in den Beruf sein, zum Beispiel nach einer Babypause. Die Probleme, die viele Frauen generell beim Berufseinstieg oder späteren Phasen haben, sind offensichtlich sehr vielfältig.

IHK-Chef Klingen etwa appellierte an die jungen Frauen, sich in der Berufswahl offener für Neues zu zeigen. Es sei durchaus sinnvoll, sich auch in früher traditionell eher männlich geprägten Berufen zu bewähren. Technisch-naturwissenschaftliche Tätigkeiten böten für Frauen hervorragende Perspektiven. Ingenieurin zu werden, sei zum Beispiel eine tolle Herausforderung.

Etwas Mut gehöre allerdings schon dazu, auch die Fähigkeit, Eltern mit traditionellem Berufsbild im Zweifelsfall zu widersprechen, sagten alle vier. Denn immer noch gäbe in vielen Familien der Rat der Eltern den Ausschlag für die Berufswahl . Dass ausgerechnet ein eher konservativ geprägtes Land wie Bayern die Spitzenstellung in der Erwerbstätigkeit von Frauen einnimmt, hat nach Ansicht von Wirtschaftsministerin Rehlinger möglicherweise noch eine andere Ursache. Hier sei die industrielle Prägung des Saarlandes, schon aus der Geschichte heraus, ausnahmsweise ein Nachteil. So sei etwa im Bergbau mit seinen in Spitzenzeiten 70 000 Beschäftigten kaum eine Frau zu finden gewesen.

Auch Rehlinger sieht heute hervorragende Beschäftigungs- und Aufstiegschancen für Frauen in früher klassischen Männerberufen. Die Beratungsstelle soll sich auch darum kümmern, wie mehr Minijobber in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung kommen, mehr Teilzeitkräfte zu Vollzeitstellen und mehr Alleinerziehende in attraktive Tätigkeiten mit guter Bezahlung.

Laut Heidrun Schulz weist der Saar-Arbeitsmarkt im dritten Jahr in Folge weniger Bewerber als Stellenangebote auf. Die regionale Agentur für Arbeit habe 2015 rund 1000 berufliche Weiterbildungen angeboten, Jobcenter weitere 500. Altesleben sieht in der Beratungsstelle ein Signal, dass man sich im Saarland gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen für Frauen einsetzt.
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