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Saarlandbrigade: Die ersten Soldaten nach dem Ende der Wehrpflicht

Lebach. Schwarz, Rot, Gold. In den Farben der deutschen Flagge stehen die Worte Graf Haeseler Kaserne an der Pforte. Das Tor steht weit offen. Zielstrebig geht der hochgewachsene junge Mann durch. Er trägt Jeans, ein grünes T-Shirt und weiße Turnschuhe, in der Hand hält er eine Reisetasche. Doch weit kommt er nicht. „Halt! Und zurück!“, bellt ihm ein Soldat entgegen. „Gehen Sie durch die Fußgänger-Tür, sie sind schließlich kein Auto.“ Der junge Mann schaut verunsichert, macht dann kehrt und betritt das Gelände durch eine Gitter-Tür neben dem großen Tor. Der Soldat baut sich vor ihm auf und sagt knapp: „Personalausweis und Einberufungsbescheid.“

Die kleine Episode am Eingang ist für Marc Sendker ein Vorgeschmack darauf, dass bei der Bundeswehr andere Regeln gelten als im zivilen Leben. Der 21-Jährige ist einer von 93 jungen Männern und Frauen, die als erste Freiwillige nach dem Ende der Wehrpflicht ihren Dienst bei der Saarlandbrigade antreten.

Der „Ausrutscher“ an der Pforte, der den meisten seiner künftigen Kameraden auch passiert, entlockt Marc ein Lächeln. Abschrecken lässt er sich davon nicht. „Ich habe immer damit gerechnet, dass ich durch die Wehrpflicht eingezogen werde, und den Gedanken daran fand ich überhaupt nicht schlimm“, erzählt er. Als die Einberufung kam, machte Marc gerade eine Ausbildung zum Altenpfleger. Danach war die Wehrpflicht schon ausgesetzt. „Also habe ich mich freiwillig gemeldet“, erzählt der Rekrut aus Neuwied bei Koblenz.

In einem großen, gelb gestrichenen Gebäudeblock melden sich die Rekruten zum Dienst. Kreuz und quer liegen Taschen und Koffer auf dem Flur vor einem Schulungsraum im zweiten Stock. Drinnen stehen die Freiwilligen in zwei Reihen an: rechts für die Erfassung der persönlichen Daten, links für die Verpflegungskarten. Während Marc noch in der Schlange wartet, hat die 19-jährige Aline Schrieber aus Saarbrücken – eine von drei Frauen unter den Freiwilligen – schon ihre Stube zugewiesen bekommen: zweckmäßiger Linoleum-Boden, drei Stockbetten, sechs Spinde, ein Tisch mit ein paar Stühlen. Das war’s. „Nicht gerade wie zuhause“, sagt Aline lächelnd. Auch nicht wie zuhause ist das, was folgt. „Alle, die noch Bettwäsche empfangen müssen, auf dem Flur antreten“, ruft ein Soldat. Rund 20 Rekruten eilen aus ihren Stuben und stellen sich neben der Tür auf. Dann geht es im Laufschritt in den Keller zur Ausgabe der Bettwäsche. Wie sie ihr Bett machen müssen, wird ihnen auch gezeigt: „Ihr legt die Bettdecke in drei Lagen zusammen. Die gefaltete Kante zeigt nach außen.“

Den Rekruten sind Nervosität und Anspannung anzumerken. „Man weiß nicht so richtig, was man tun muss und will nichts falsch machen“, sagt Aline Schrieber. „Wir merken jetzt, dass es ernst wird.“ Die vergangene Nacht habe sie kaum geschlafen und sich viele Gedanken gemacht, wie es wohl sein würde. „Auf jeden Fall habe ich es mir etwas lockerer vorgestellt. Der Umgangston ist schon gewöhnungsbedürftig.“ Auch die ausbildenden Offiziere spüren die Unsicherheit der Rekruten und haben Verständnis. „Es stürzt gerade in der ersten Woche sehr viel Neues auf sie ein. Sie kommen aus dem Zivilleben zum Militär, und da draußen ist alles viel ruhiger und gelassener“, sagt Feldwebel Meier.

Die Saarlandbrigade freut sich auf ihre Freiwilligen. „Wir wissen, dass einige von ihnen vielleicht länger bei uns sein werden und nicht einfach nur ihre Zeit absitzen. Da investieren wir gern viel Zeit, um individuell auf sie einzugehen“, erklärt Oberleutnant Björn Langfeldt, stellvertretender Kompanie-Chef der Ausbildungskompanie. Mit Samthandschuhen wird trotzdem niemand angefasst – und drei der ursprünglich 93 Freiwilligen überlegen es sich schon am zweiten Tag anders und packen ihre Sachen.

Aline will sich durchbeißen, denn zur Bundeswehr zu gehen war schon lange ihr Wunsch. „Anfangs habe ich mich nicht getraut, mich zu melden“, sagt die junge Frau mit der dunklen Kurzhaarfrisur. „Stattdessen habe ich verschiedene Sachen ausprobiert, bin auf die Berufsfachschule gegangen, habe ein Praktikum im Kindergarten gemacht und im Einzelhandel gearbeitet. Aber nichts hat so richtig gepasst.“ 23 Monate beträgt ihre freiwillige Dienstzeit, danach möchte Aline vielleicht Zeitsoldatin werden. Dass sie dann möglicherweise auf einen Auslandseinsatz muss, macht ihr noch keine Angst: „Es gibt auch in anderen Berufen Risiken. Ein Feuerwehrmann muss in brennende Häuser gehen.“
Auch Marc glaubt, mit dem psychischen Druck umgehen zu können, auch wenn er sagt: „Niemand kann mir erzählen, dass es ihn kalt lässt, auf Menschen zu schießen.“ Anders als die meisten seiner neuen Kameraden hat Marc sich bereits für vier Jahre verpflichtet. Seine Eltern und seine Freundin waren zunächst nicht begeistert. Sie haben Angst um ihn. Aber Marc steht hinter seiner Entscheidung. „Das war keine spontane Aktion, ich habe es mir gut überlegt. Und ich bin stolz, meinem Land dienen zu können.“
Doch noch sehen Marc und Aline nicht aus wie Soldaten. Das ändert sich zwei Tage später: Die Rekruten werden in der Servicestation der Bundeswehr in Zweibrücken eingekleidet.

Mathilde Staub muss sich strecken, um den schmalen Stab des Messgeräts auf den blonden Schopf von Marc Sendker zu senken. „1,98 Meter“, sagt sie anerkennend und notiert die Größe auf einem Blatt Papier. Dann greift sie zum Maßband und vermisst Kopf, Hals, Brust und Bauch. Zwei Minuten später steht Marc mit einem Klemmbrett in der Hand und einem Einkaufswagen in der Schlange. Als er an der Reihe ist, betritt er eine von drei Umkleidekabinen. Ein Mitarbeiter des Servicezentrums reicht ihm seine Feldbekleidung. Zum ersten Mal streift Marc Hosen und Hemd in den grünen Tarnfarben über. Nur kurz – dann wandern die Kleider in den Wagen und der 21-Jährige geht weiter zur nächsten Station seiner Einkleidung, entlang einem langen Gang mit meterhohen Eisenregalen und gestapelten Kartons.
Sportbekleidung, Socken, Schuhe, Helm, Mützen, Ausgeh-Uniform, Mantel und Ausrüstung mitsamt Zelt und Schlafsack: Rund 100 Artikel sind am Ende der Tour in Marcs Wagen aufgetürmt – die gesamte Ausrüstung für die Grundausbildung. Vom nächsten Tag an wird er im Dienst nur noch Uniform tragen und ist froh darüber: „Es gibt mir ein Gefühl von Zugehörigkeit. Bisher habe ich mich in meinen Zivilkleidern ein bisschen wie ein Fremdkörper in der Kaserne gefühlt.“

Auf einen Blick
Zum Freiwilligen Wehrdienst (FWD) können sich Männer und Frauen ab 18 Jahren melden. Die Dienstzeit beträgt zwölf bis 23 Monate. Dabei gelten die ersten sechs Monate als Probezeit, in der die Freiwilligen zurücktreten können, falls die Tätigkeit als Soldat doch nicht ihren Vorstellungen entspricht. Die Besoldung liegt zwischen 777 Euro im ersten Monat und 1146 Euro im 23. Monat. mast

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