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Saarlandmuseum zeigt Werke von Renoir

Blick auf die Saarbrücker Modernen Galerie

Blick auf die Saarbrücker Modernen Galerie

Saarbrücken. "Renoir sieht alles rosig", meckerte einst Guy de Maupassant. Und Apollinaire sprach von "fleischlichen Gemälden". Tatsächlich gab sich kein Zweiter unter den Impressionisten so konsequent wie Auguste Renoir (1841-1919) einer derart heiter hingetupften Weltharmonie und erotischen Daseinsfülle hin. Blühende Frauen, zarte Kinder, duftige Mädchen, anmutige Tanz-Paare - tausende Gemälde hat er hinterlassen. Einige sind berühmte Kalender-Beliebtheiten, nicht zuletzt wegen ihrer schmelzenden Farbigkeit. Doch Renoir konnte auch anders: in Schwarz-Weiß. Zwischen 1890 und 1914 entstanden rund 61 Druckgrafiken. Die St. Ingberter Privatsammlung Kohl-Weigand besaß nahezu den Komplett-Bestand und schenkte sie dem Saarlandmuseum. Dort ruht ein Schatz von 58 Blättern im Depot, 44 davon sind jetzt zu sehen. 1961 war das das letzte Mal der Fall. Kaum jemand weiß hier zu Lande um diesen Bestand.

Beim ersten Rundblick durch die Studiogalerie stellen sich viele Echo-Momente ein. Einiges, was hier auftaucht - allen voran der "Tanz auf dem Lande" (1890) - hat Renoir auch in Öl gefertigt oder variiert. Gerne hätte man dies hier anhand von Fotografien nachvollzogen, zudem fehlt ein erläuterndes Saal-Blatt. - ein museumspädagogisches Manko, das einzige der Schau.

Nun, es ist ein sehr schmales, und auf den ersten Blick auch ein wenig mitreißendes Teil-Oeuvre dieses Großen, das Kuratorin Anne-Marie aufbereitet hat. Doch mit welchem Erkenntnisgewinn, sofern man den Katalog zur Hand nimmt. Werner formuliert eine neue These: Renoirs Beschäftigung mit der Druckgrafik spiegele seine Distanz zum Impressionismus. Er habe im Spätwerk nach einer Synthese zwischen dem Malerischen und dem Linearen gesucht und dafür sei die Druckgrafik das ideale Experimentierfeld gewesen. Ausschließlich in der Druckgrafik, nie bei Gemälden, wie von Monet praktiziert, habe der Künstler seriell gearbeitet.

Tatsächlich variiert Renoir vier Mal "Das Feststecken des Hutes" (1898). Selbst in den Schwarz-Weiß-Versionen gelingt ihm eine außerordentliche Lebensnähe. Auch beobachten wir, dass sich bei der "Studie zu einem sitzenden weiblichen Akt" (1904) die Striche zu verschwommenen Flächen ballen, bis hin zu einer staunenswert "ungrafischen" Wolkigkeit. Und das Porträt des Komponisten Richard Wagner (1900) gerät Renoir auch in dieser "harten" Technik zu einem meisterhaften Psychogramm: Der dynamisch-runde, breite Strich fängt keinen alten Giganten ein, sondern einen weichen Mann, ein romantisch entrücktes Genie. Ebenso findet der Künstler für den klotzigen Bildhauer-Kollegen Rodin (1914) zu einer überraschend sanften Linie.

Allein wegen solcher Perlen lohnt die Ausstellung, die ansonsten den typischen Renoir-Kanon ausbreitet: Akte, Badende, Genreszenen, Porträts seiner Söhne. Der Großteil entstand als Illustrationen für Bücher oder als Auftragswerke. Manches wirkt banal, gemessen an der Delikatesse von Renoirs Malerei. Was schadet's der insgesamt schönen Sache? Nichts. Man erfährt viel Neues über einen Großen der Kunstgeschichte.

Bis 6. Februar 2011; Di, Do-So 10 -18 Uhr, Mi.  bis 22 Uhr, samstags freier Eintritt. Studiogalerie, Bismarckstr. 11-15, Tel.: (06 81) 99 64 0; Infos: www.saarlandmuseum.de

  

Hintergrund

Eine einjährige Schließung steht der Modernen Galerie nach der bis 23. Januar laufenden Schmidt-Rottluff- und der Renoir-Schau (bis 6. Februar) bevor. Grund: Der Erweiterungsbau der Galerie der Gegenwart muss mit dem "Altbau" verzahnt werden. Der Wechselpavillon wird während dieser Zeit als Depot genutzt. Eröffnung: März 2012. ce

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