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Saarlands Alte werden immer Ärmer

Saarbrücken. „Wenn es die Saarbrücker Tafel nicht gäbe, würde ich verhungern“, sagt Maria B., während sie geduldig darauf wartet, an die Reihe zu kommen. In dem kahlen Warteraum sitzen überwiegend ältere Menschen, Fetzen von Russisch und Polnisch schwirren durch den Raum. Seit sieben Jahren kommt die 77-Jährige hierher. Früher arbeitete sie als Näherin, doch als sie in Rente ging, langte ihr Geld nicht mehr zum Leben. Die ehrenamtlichen Helfer der Saarbrücker Tafel e.V. sind seit acht Uhr auf den Beinen. Sie haben übrig gebliebene Lebensmittel bei Supermärkten und Bäckereien eingesammelt und in den Räumen des Vereins in die Regale geräumt. Obst, Gemüse, Milch, Wurst – sind die Waren verpackt und das Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen, werden sie weitergegeben. Maria B. hält einer Helferin ihre sorgfältig gefaltete Plastiktüte entgegen und lässt sich Chicorée einpacken. Sie schiebt ihren Einkaufswagen weiter zum Brotstand, wo sich die Laibe vom Vortag stapeln. „Was zu hart ist, haben wir aussortiert“, sagt Margot Decker, seit einem Jahr Helferin bei der Tafel. „Manchmal sind Brötchen dabei, damit kann man einen erschlagen“, sagt sie lachend. Jeden Tag kommen bis zu 120 Menschen in die Ausgabestelle, sechsmal pro Woche. „Rechnet man die Familien, die dahinter stehen, mit ein, versorgen wir wöchentlich rund 1000 Personen“, sagt Uwe Bussmann, Vorsitzender des Vereins. Und die Kunden werden immer mehr. Jede Woche gebe es zehn Neuanmeldungen.



Bussmann und seine Helfer überlegen nun, eine dritte Zweigstelle zu eröffnen, um den Andrang zu bewältigen. „Wir nähern uns unserer Belastungsgrenze“, sagt er. Bei den anderen zehn Tafeln im Saarland sieht es ähnlich aus. Die Saarlouiser Tafel hat nach eigenen Angaben inzwischen fast dreimal so viele Nutzer wie vor fünf Jahren. In Merzig ist der Andrang so groß, dass nur alle 14 Tage Lebensmittel ausgegeben werden. „Wir kooperieren mit der Waderner Tafel, deshalb können wir nicht häufiger Ware anbieten“, erklärt Sabine Strauß, Geschäftsführerin des Trägervereins der Tafel, AG Altenhilfe Merzig. Bernd Neitzert, der das Saarland und Rheinland-Pfalz beim Bundesverband Deutsche Tafel vertritt, will keine genauen Zahlen nennen, damit zwischen den Tafeln kein Konkurrenzgefühl aufkommt, aber: „Trotz sinkender Arbeitslosenquote, steigen die Zahlen stetig an, teilweise im zweistelligen Prozentbereich.“ Er erklärt sich das Paradox so: „Die Tafeln sind durch die Medien bekannter geworden.“ Einige Tafeln im Saarland haben festgestellt, dass unter den Nutzern immer häufiger Ältere sind. Roland Best, erster Vorsitzender der Homburger Tafel, ist überzeugt: „Die Altersarmut macht sich bemerkbar.“ Der Anteil der Rentner sei bei der Homburger Tafel in den vergangenen Jahren von 20 auf 40 Prozent gestiegen, schätzt er. Auch Elke Caesar von der Neunkircher Tafel hat den Eindruck, dass zunehmend ältere Menschen die Tafel besuchten, weil sie trotz Rente und Grundsicherung kaum über die Runden kämen.



Nach Schätzungen des Bundesverbands Deutsche Tafel waren 2007 rund zwölf Prozent der bundesweiten Nutzer Rentner, 2010 waren es bereits 17 Prozent. In Merzig seien es hingegen eher junge Arbeitslose und Geringverdiener, die das Angebot nutzten, so Sabine Strauß. Sie glaubt, dass es für ältere Menschen oft problematisch sei, zu kommen: „Sie haben hier im Ort eine soziale Identität, haben ihr ganzes Leben gearbeitet. Das ist eine große Hemmschwelle.“ Unterdessen verstaut Maria B. bei der Saarbrücker Tafel die ergatterten Lebensmittel in ihrem Einkaufswagen und macht sich auf den Weg nach Hause. Was sie heute bekommen hat, muss für eine Woche reichen.

AUF EINEN BLICK

Im Saarland gibt es elf Tafeln für Bedürftige: Dillinger Tafel Saar (Caritasverband Saar-Hochwald): De- Lenoncourt-Straße 9., Tel.: (0 68 31) 7 21 01. Homburger Tafel e.V.: Inastraße 1., Tel.: (0 68 41) 9 59 89 87. Lebacher Tafel (Caritasverband Saar-Hochwald): Am Markt 20, Tel.: (0 68 31) 9 39 90. Merziger Tafel (AG Altenhilfe Merzig e.V.): Am Feldchen 20, Tel.: (0 68 61) 7 86 30. Neunkircher Tafel (Caritasverband Schaumberg-Blies): Schlossstraße 1, Tel.: (0 68 21) 8 69 10 01. Saarbrücker Tafel e.V.: Burbacher Markt 6/Königsbruch 42,Tel.: (06 81) 9 38 95 50. Saarlouiser Tafel (Caritasverband Saar-Hochwald): Pavillonstraße 45, Tel.: (0 68 31) 9 39 90. St. Ingberter Tafel (Homburger Tafel e.V.): Elversberger Straße 53, Tel.: (0 68 41) 9 59 89 87. St. Wendeler Tafel (Caritasverband Schaumberg-Blies): Kelsweilerstraße 25, Tel.: (0 68 51) 8 02 48 47. Völklinger Tafel (Diakonisches Zentrum Völklingen): Gatterstraße 13, Tel.: (0 68 98) 9 14 76 12. Waderer Tafel (Caritasverband Saar-Hochwald): Gerichtsstraße 12a, Tel.: (0 68 72) 42 89 oder (0 68 61) 91 20 70. noe
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