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Saarlands Mädchen besser qualifiziert als Jungs

Saarbrücken. Mädchen bleiben bei der Wahl eines Ausbildungsberufs häufig unter ihren Möglichkeiten. Das zeigen die aktuellen Ausbildungszahlen der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Demnach streben 59 Prozent der Bewerberinnen gerade einmal zehn Berufe an, darunter kein einziger gewerblich-technischer Beruf. Bevorzugt sind stattdessen Ausbildungen zur Verkäuferin, Bürokauffrau, medizinischen Fachangestellten, Kauffrau im Einzelhandel oder Friseurin. „Volkswirtschaftlich, aber auch für jede der Frauen ist diese Beschränkung ein Problem“, sagt Heidrun Schulz, Leiterin der Regionaldirektion. „Denn es ist nicht nur für jeden Einzelnen sinnvoll, sich durch die optimale Berufswahl Perspektive und Unabhängigkeit zu sichern. Langfristig werden wir in der Gesellschaft angesichts des demografischen Wandels jeden und jede an der Stelle der höchstmöglichen Qualifikation brauchen.“

Und bei der Qualifikation, das zeigen die aktuellen Zahlen, schneiden die Mädchen deutlich besser ab: So haben 36,5 Prozent der bei der Berufsberatung gemeldeten Bewerberinnen Hochschulreife erlangt, bei den jungen Männern sind dies nur 27,4 Prozent. Umgekehrt haben 41 Prozent der männlichen Ausbildungs-Bewerber höchstens einen Hauptschulabschluss, bei den Mädchen lag dieser Anteil bei 30,5 Prozent. „Eigentlich müsste dies bei einem funktionierenden Markt dazu führen, dass sich Mädchen Berufe aussuchen, bei denen höhere Kompetenz und höheres Abstraktionsvermögen nötig sind“, sagt Schulz. Dass die Berufswahl der Mädchen trotzdem so eingeschränkt ist, führt sie auf das tradierte Rollenverhalten zurück: „Es fehlen die Vorbilder“, sagt sie. „Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Frauen, die sich für technische Berufe entscheiden, sichtbarer sind.“ Trotz zahlreicher Aktionen, die Mädchen stärker für alternative Berufsfelder begeistern sollen, wie die MINT-Tage oder der Girls-Day, werde es aber noch Jahre brauchen, bis sich das Berufswahlverhalten ändert.

Insgesamt zieht die Regionaldirektion mit Blick auf den Ausbildungsmarkt aber ein positives Fazit. Trotz der erneut aufkeimenden Unsicherheit der Wirtschaft bleibe die Ausbildung auf weiterhin hohem Niveau. Zwischen Oktober 2011 und September 2012 hätten die Saar-Unternehmen rund 6400 Ausbildungsplätze gemeldet und damit die Anzahl konstant gehalten. Schulz bewertet dies als Zeichen „wohlüberlegter Zukunftsorientierung“: „Langfristig werden wir das Problem haben, die Folgen der zurückgehenden Schülerzahlen nicht ausgleichen zu können“, sagt sie.

Die meisten Ausbildungswünsche konnten den Zahlen zufolge erfüllt werden. Gerade mal 56 Jugendliche konnten nach Angaben der Bundesagentur bis zum 30. September keinen Ausbildungsplatz finden. Gleichzeitig blieben deutlich mehr Ausbildungsstellen offen, für die sich kein Bewerber gefunden hat: 350 Stellen konnten nach Aussage der Regionaldirektion im vergangenen Jahr nicht besetzt werden. Vor allem Köche und Einzelhandelskaufleute waren mit jeweils 40 unbesetzten Stellen gefragt. Zahlreiche offene Stellen meldet auch die Industrie- und Handelskammer (IHK): Aktuell seien noch 124 Lehrstellen per sofort zu besetzen. Und auch die Handwerkskammer (HWK) hat aktuell noch 25 Ausbildungsplätze offen, die noch in diesem Jahr vergeben werden könnten.
 
Meinung
Potenzial besser ausschöpfen
Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger


Das Vorurteil hält sich beständig: Mädchen und Technik passen nicht zusammen. Dabei laufen die Mädchen den Jungs in der Schule zunehmend den Rang ab. Auch in Fächern wie Mathematik, Physik und Chemie sind die Besten nicht immer männlich. Bei der Berufsausbildung kommt dann die Rolle rückwärts: Zahnarzthelferin, Einzelhandelskauffrau, Friseurin – das kann doch nicht wahr sein! Nichts gegen diese Berufe, aber wer mehr könnte, sollte auch mehr machen – und nicht im Klischeeberuf verschwinden. Für die Männer mag es unangenehm sein, wenn ihnen die Mädels auch im Job den Schneid abkaufen. Doch gekränkte Eitelkeit kann kein Grund sein, so viel Potenzial brach liegen zu lassen.
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