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Saarlouis soll Musterkommune für Elektro-Zweiräder werden

Dirk Maus ist ein Freund der Elektromobilität. Der Mitinhaber eines Ingenieurbüros in Saarlouis fährt nicht nur selbst ein Elektroauto Marke Tesla und radelt in der Freizeit mit einem E-Bike durch die Lande. Er will auch erreichen, dass die Mobilität mittels Watt und Volt den Straßenverkehr stärker als bisher prägt und sich nicht im öffentlichkeitswirksamen Tamtam von Pilotvorhaben erschöpft, die danach einen leisen Tod sterben. „In ein Konzept, das über die Lebensdauer einer Eintagsfliege hinausgehen soll, müssen alle Nutzergruppen eingebunden werden“, ist Maus überzeugt. Um seine eigenen Ambitionen allerdings nicht zu überdehnen, will er zunächst einmal für die Elektro-Mobilität auf zwei oder höchstens drei Rädern – zum Beispiel E-Bikes , Lastenfahrräder, Roller (E-Scooter) oder Trikes – eine breite Grundlage schaffen.

Um das zu erreichen, arbeitet er zweigleisig. Zum einen hat er im Herbst 2013 ein Netzwerk ins Leben gerufen, das „eBike-Innovations-Network“, in dem sich derzeit sechs Hersteller von Spezialkomponenten rund ums Elektrofahrrad und die Hochschule Furtwangen zusammengeschlossen haben.

Zum anderen ist er dabei, den „Elektromobilen Mobilitätsverbund Saarlouis (EMO SLS)“ aus der Taufe zu heben. „In einer Kleinstadt mit etwa 34?300 Einwohnern ist das bisher noch nicht gelungen“, weiß Maus. „Angeblich funktioniert ein solcher Verbund nur in Berlin oder München.“ Den Beweis des Gegenteils will er in den nächsten drei Jahren antreten.

„Allerdings müssen viele mitmachen.“ So will Maus Unternehmen, öffentliche Einrichtungen wie Behörden oder Schulen, Tourismus-Verantwortliche und Leute aus der Gesundheitsbranche mit einbinden. „Wir müssen beispielsweise die Unternehmen davon überzeugen, dass es für Ihre Mitarbeiter besser ist, mit einem E-Bike statt mit dem Auto zur Arbeit zu kommen. Oder dass arbeitsbedingte Fahrten in der näheren Umgebung mit einem E-Scooter erledigt werden können“, sagt der Ingenieur. „Man muss Anreize setzen.“

Damit auch normale Bürger Elektroräder nutzen, muss ein Verleih-System aufgebaut werden. Maus schweben sechs Verleih- und Ladestationen vor. Diese sollen allerdings nicht von der Stadt oder den Stadtwerken – wie in vielen Kommunen üblich – betrieben werden, sondern von einem Fachmann. In Saarlouis käme hier Kai Gimmler infrage, ein erfahrener Fahrrad-Händler mit angeschlossener Werkstatt. „Ich würde das machen, wenn die Bedingungen stimmen“, sagt er. Maus setzt auch auf die touristische Karte. „An Saarlouis führt der Radweg E-Velo Saarland vorbei“, erinnert er. „Wenn die Radler in Saarlouis Ladestationen vorfänden, würden sie die Stadt ansteuern und mit Sicherheit dort auch Geld ausgeben.“

Außerdem ist ihm der Reha- und Gesundheitsbereich wichtig. So will er mit den Saarlouiser Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und Fitness-Centern das Projekt Mentorbike auf die Räder bringen. Mentorbike ist ein Fahrrad, das Lebensfunktionen wie Herzschlag, Kreislauf oder Blutdruck misst und an den Arzt weitergibt, während der Radler ganz normal unterwegs ist. Anhand dieser Vitaldaten bestimmt das Mentorbike auch den Einsatz des elektrischen Hilfsmotors.

Nicht zuletzt will Maus dazu beitragen, dass es irgendwann eine einheitliche Form für die Elektromotor-Batterie gibt. Wenn es nach ihm geht, könnten sie aussehen wie große Sprudel-Flaschen und auch in entsprechenden Kisten beispielsweise an den Ladestationen zur Verfügung stehen. „Der Fahrer tauscht nur die Flaschen-Batterie aus und fährt dann weiter.“ Für das Projekt hat er gut 2,6 Millionen Euro veranschlagt. Er will das Geld aus einem Fördertopf des Bundesverkehrsministeriums. Der Antrag ist schon gestellt.

Mit Anträgen kennt Maus sich aus. Das Geschäftsmodell seines Ingenieurbüros ist es, Fördertöpfus dabei. Von der Stadt Saarlouis hat er ebenfalls grünes Licht. Mit einer Geldspritze kann er wohl nicht rechnen.

Weitere Informationen im Internet unter www.ebike-inno.net/ und http://mentorbike.de

 
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