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Saarlouiser (14) bei Modern-Dance-WM: „Ich will eine Medaille“

 Lena Vierus und Raphael Gruchott erzählen eine Liebesgeschichte - ganz ohne Worte, nur in der Sprache des Körpers. Im November wurden die beide deutsche Meister.

Lena Vierus und Raphael Gruchott erzählen eine Liebesgeschichte - ganz ohne Worte, nur in der Sprache des Körpers. Im November wurden die beide deutsche Meister.

Wenn Lena Vierus und Raphael Gruchott über die Bühne schweben, ist es im Parkett totenstill. Gebannt verfolgt das Publikum, wie sich die 14 Jahre alten Tänzer vom TSC Blau-Gold Saarlouis mit grazilen Tanzschritten erst vorsichtig einander nähern, leidenschaftlich umarmen, um dann nach stürmischen Windungen und atemberaubenden Hebungen doch wieder voneinander zu lassen.

Liebesgeschichte ohne Worte

Beim Modern-Dance werden Geschichten erzählt, nur mit der Sprache der Körper. Raphael und Lena können das. Sie wollen ihre Liebesgeschichte am kommenden Freitag bei den Weltmeisterschaften im Modern- Dance erzählen und Zuschauer und Wertungsrichter im polnischen Mikolajki begeistern. Ohne Worte, mit vollem Körpereinsatz, so wie es beim Gewinn des deutschen Meistertitels im Duo im November in Düsseldorf gelang. „Wir sind kein Paar. Tanzen hat viel mit Schauspielerei zu tun. Wenn du die Emotionen nicht rüberbringst, tanzt du nur, aber du erreichst dein Publikum nicht“, sagt Raphael, der kein Freund großer Worte ist. Der 14-Jährige handelt lieber und darf das für Deutschland bereits heute im Wettbewerb Ballett Solo tun. Auch in dieser Disziplin ist der Schüler des Saarlouiser Stadtgarten-Gymnasiums nationaler Meister. Bei seinem ersten Weltmeisterschafts- Start 2012 tanzte der Jugendliche in Frankfurt nur knapp an einem Podiumsplatz vorbei.

„Diesmal will ich eine Medaille“, sagt er selbstbewusst. Und wenn das nicht klappt, hat Raphael neben der Chance im Duo ja noch drei weitere Eisen im Feuer: Im Modern-Dance-Solo tanzt der 1,74 Meter große Blondschopf am Mittwoch als deutscher Vizemeister gegen die Jugend-Weltelite. Mit der Small Group und der Formation „l’équipe“ seines Vereins wirbelt er am Donnertag und Samstag über die große Showbühne. Müßig zu erwähnen, dass Raphael und Co. es als deutsche Meister tun. „2013 war mein Jahr, aber vielleicht geht ja noch was“, sinniert Raphael, der die Lust am Tanzen früh entdeckte. „Da war ich drei Jahre alt. Andreas Lauck hat bei uns im Kindergarten eine Tanz-AG angeboten. Ich hatte sofort großen Spaß“, erzählt er.

Der Saarlouiser Chefchoreograf trainiert ihn auch heute noch und setzt große Stücke in seine Entdeckung. Andere seien dagegen erst mal skeptisch, wenn er vom Tanzen erzählt. „Das ist was für Mädchen, Jungs müssen Fußball spielen, heißt es oft. Dabei ist Tanzen ein anstrengender und anspruchsvoller Sport“, betont Raphael, der mitten während der WM Geburtstag hat.

Geburtstag auf der Bühne

Andere Jungs in seinem Alter lassen es am 15. Geburtstag im Partykeller krachen. Raphael wird am Donnerstag auf der Bühne im Rampenlicht stehen. Feiern kann er nach seinem dritten Auftritt nicht. Er muss am Freitag fit sein, wenn Lena zum Tanz bittet. Knackpunkt der Choreo: die Schleuderhebung. „Lena springt im Spagat auf mich zu. Ich packe sie, schleudere sie um meine Hüfte und fange sie am besten vorne wieder auf. Sie vertraut mir blind“, erzählt Raphael grinsend von dem Moment, wenn im Parkett Stille herrscht und man den Funken überspringen hört. Worte sind unnötig, sie richten nur Schaden an. Die getanzten Emotionen sind intensiver und zudem universell verständlich. Auch wenn Raphael, Lena und die polnischen Zuschauer nicht dieselbe Sprache sprechen, sie werden sich verstehen. Ganz ohne Worte.

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