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Saarlouiser General fordert mehr Rückendeckung für Afghanistan-Einsatz

Saarlouis. Mehr Klarheit und mehr Rückendeckung der Politiker für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan hat der Kommandeur der Saarlandbrigade, General Volker Bescht , gefordert. "Man muss klar sagen, was dort geschieht und was geschehen kann", sagte Bescht gestern in Saarlouis zur öffentlichen Debatte um die Bombardierung zweier Tanklastzüge nahe Kundus.

Die Soldaten der Bundeswehr seien angesichts der öffentlichen Debatte verunsichert, erklärte Bescht. "Überspitzt gesagt" fragten sich viele Soldaten: Kommt die Öffentlichkeit eher damit klar, wenn wir getötet werden als unsere Gegner?

Die Diskussion vermittele der Truppe einen Eindruck, als hätte sie sich vom Mandat des Parlamentes entfernt. Geändert habe sich aber nur die Art der Bedrohung, unterstrich Bescht. Der Luftangriff auf die Tanklaster werfe aber auch die Frage auf, ob die internationalen Truppen insgesamt "richtig ausgestattet" seien. Es gebe für derartige Auseinandersetzungen geeignete und präzisere "multifunktionale Waffen", über die die Truppen aber nicht verfügten. Bescht wechselt Mitte Januar zur Division Spezielle Operationen (DSO) als stellvertretender Kommandeur. Die Saarlandbrigade ist Teil dieser Division. we





"Die Truppe ist verunsichert"


General Volker Bescht wechselt von der Saarlandbrigade zur Division: Eine Bilanz

Der Kommandeur der Saarlandbrigade, General Volker Bescht, fordert mehr Klarheit und mehr Rückendeckung der Politik für den Auftrag der Bundeswehr in Afghanistan. Bescht weiter in einer Bilanz vor seinem Wechsel zur Division: "Saarlandbrigade ist nicht nur ein Name, das wird auch gelebt." Mit ihm sprachen der stellvertretende Chefredakteur der SZ, Peter Seringhaus, SZ-Regionalleiter Volker Fuchs und SZ-Redakteur Johannes Werres.


Herr Bescht, welchen Eindruck nehmen Sie aus dem Saarland mit?

Bescht: Also ich sage Ihnen ganz ehrlich, das ist schon ein Erlebnis hier. Ich habe es noch nirgendwo erlebt, dass die Bevölkerung so hinter einer Brigade steht. Saarlandbrigade ist nicht nur ein Name, das wird gelebt. Bürger klatschen, wenn unsere Leute zu öffentlichen Appellen einmarschieren. Da haben wir schon andere Dinge erlebt. Ich wollte ganz bewusst etwa mit den Gelöbnissen raus aus den Kasernen. Demnächst ist eines in Homburg und eines in Saarbrücken. Wir sind Bestandteil der Bevölkerung. Das hängt auch damit zusammen, dass viele Saarländer in der Brigade gedient haben. Wir haben drei Adventskonzerte in der Kirche St. Ludwig in Saarlouis - die waren voll. Da gehen über 800 Leute rein. Nennen möchte ich auch die Beziehungen zu den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern - das war klasse. Wirklich, das waren sehr erfüllte viereinhalb Jahre im Saarland. Ich war nirgends anders länger als hier. Es war eigentlich mein militärischer Höhepunkt.

Welche Wirkung hat die öffentliche Debatte nach dem Bombenangriff bei Kundus bei den Soldaten in Afghanistan?

Bescht: Die Truppe ist verunsichert, und das ist nicht gut. Überspitzt gesagt fragen sich viele: Kommt die Öffentlichkeit eher damit klar, wenn wir getötet werden als unsere Gegner? Das ist für mich ein Alarmsignal. Unsere Soldaten brauchen mehr Sicherheit, dass sie richtig handeln.

Wo genau liegt das Problem?

Bescht: Die Diskussion vermittelt den Soldaten den Eindruck, sie hätte sich verselbstständigt und vom Mandat des Parlaments entfernt. Sie erleben, dass der Auftrag des Bundestages von einigen Politikern nicht mehr gedeckt wird. Da wünsche ich mir mehr Klarheit und mehr Rückendeckung. Man muss klar sagen, was dort geschieht und geschehen kann. Schließlich ist die Bundeswehr eine Parlaments-Armee, übrigens international eine Ausnahme.

Das Mandat hat sich nicht geändert? Geschieht in Afghanistan nicht etwas ganz anderes als in früheren Jahren?

Bescht: Nein, es ist das international vereinbarte Isaf-Mandat, und es ist eindeutig. Das heißt, die Soldaten können eine Gefahr vor Ort präventiv abfangen. Das nennen wir proaktives Handeln. Geändert hat sich nur die Bedrohungslage.

Hätte es nicht Alternativen gegeben?

Bescht: Warum hat der Oberst gleich die US-Flugzeuge angefordert? Das muss zur Frage führen, ob die internationalen Truppen richtig ausgestattet sind. Der Situation, einen Anschlag auf das deutsche Lager vier Kilometer entfernt, hätte man mit Handfeuerwaffen nicht Herr werden können. Die Marder mit ihren 20-Millimeter-Bordkanonen sind in diesem Gelände nicht einsetzbar. Es gibt andere, multifunktionale Waffen, die geeignet gewesen wären, die auch präziser einzusetzen sind als eine 227-Kilogramm-Bombe - aber die haben wir dort nicht.

Wieso die zivilen Opfer? Waren sie nicht zu erkennen?

Bescht: Terroristen und Zivilisten in Afghanistan unterscheiden sich nur im Kopf. Sie tragen dieselbe Kleidung, die Männer tragen traditionell Waffen unter der Kleidung.

Eine Mehrheit der Deutschen ist laut Umfragen nicht mehr für den Afghanistan-Einsatz. Wirkt sich das und die öffentliche Debatte auf die Bereitschaft der Soldaten im Saarland aus, in den Einsatz zu gehen?

Bescht: Wir sind seit 2008 ständig dort, obwohl wir keine so genannten Kontingent-Kräfte sind. Zu den gegenwärtig 150 Soldaten der Brigade kamen weitere 100, die jetzt zusätzlich dort sind. Ich habe die Kompanie vorher gefragt, ob sie gehen will, weil wir sie dort brauchen, ihre Kameraden sie brauchen. Antwort: Dann gehen wir. Da sieht man, was für klasse Leute wir in der Brigade haben.

Wie lange wird die Bundeswehr noch in Afghanistan bleiben?

Bescht: Das weiß ich nicht. Wir sind schon acht Jahre dort, das war anfangs nicht so gedacht. Ich kann mir vorstellen, dass wir in vier oder fünf Jahren darüber diskutieren. Alles hängt vom Tempo der Afghanen ab, ihre Polizei und ihr Militär aufzubauen.

Wie hat sich die Saarlandbrigade in den vergangenen fünf Jahren entwickelt?

Bescht: Von der Brigade wurde eine Menge verlangt, nehmen sie diese Zeit seit 2005. Auftrag der Brigade waren Operationen zur Evakuierung deutscher Staatsbürger. 2006 war sie erster Verband einer European Battle Group. Mitte des Jahres ging es im Auftrag der EU in den Kongo. Im Dezember kamen wir zurück. Im Januar 2007 begannen die Vorbereitungen als Teil der Nato-Response Force, der NRF, für die Nato. Dazu gehörte, international Truppenteile unter ein Dach zu bringen und für NRF zu zertifizieren. Das habe ich zum Beispiel in der Slowakei getan. Dann wieder Stand-by für die Nato. In Afghanistan drehte sich 2007 die Sicherheitslage. Wir konnten eine ausgebildete Verstärkung bereitstellen. Am 10. Februar 2008 bekam ich den Auftrag, eine Kompanie zu stellen. Sie stand schon am 19. Februar zum Abflug nach Kundus bereit. Machen Sie das mal mit einem anderen Verband! Auch da sieht man: Unsere Leute sind einfach klasse. Seitdem sind wir ununterbrochen da.

An den vier Standorten der Brigade hat sich einiges getan?

Bescht: Ja, und es könnte sich einiges mehr tun. Der Wehrbeauftragte hat sich für uns sehr eingesetzt, nachdem er bei einer Besichtigung der Saarlouiser Kaserne vom Glauben abgefallen ist. Acht Mann auf einer Stube! Ein Gebäude wird derzeit saniert, ein leichtes Gebäude bauen wir zusätzlich. Das kostet kaum mehr als ein ursprünglich für die Übergangszeit vorgesehenes Container-Dorf, aber es kann stehen bleiben. Es hat ja Gründe, dass alle drei Grundausbildungs-Kompanien in Zweibrücken sind, obwohl eine zu Lebach und eine zu Merzig gehört. In Merzig wird ein Gebäude neu gebaut. Aus Lebach haben wir die 5. Kompanie nach Baumholder ausquartiert und den Hundezug mit 18 Hunden nach Merzig. Ins renovierte Gebäude der 5. Kompanie könnte die Grundausbildungskompanie zurück verlegt werden. In Lebach und Merzig sollen zusätzlich je ein Gebäude gebaut werden, dann kommt in Zweibrücken wieder etwas Luft rein. Für Sanierung, Modernisierung und IT-Technik an allen vier Standorten zusammen sind 32 bis 35 Millionen Euro veranschlagt.

In Ihre Kommandeurszeit fiel auch eine anstößige Beförderungsfeier in Zweibrücken, die bundesweit Schlagzeilen machte. Ist dort Ruhe eingekehrt?

Bescht: Ja. Wir haben harte Bandagen angelegt. Kompaniefeldwebel und Chefs müssen nun Veranstaltungen eröffnen und schließen. Vor kurzem habe ich mit diesen Vorgesetzten darüber gesprochen. Sie waren anfangs skeptisch gewesen und sagten jetzt: Seit wir das machen, ist Ruhe. Natürlich kann man das nicht bis ins Letzte überwachen. Aber es ist nichts mehr geschehen.

Sie haben kürzlich einen Förderverein Luftlandebrigade 26 gegründet. Warum?

Bescht: Als ich die Brigade übernommen habe, hätte ich mir nie träumen lassen, Spitzenreiter in Sachen Gefallene und Verwundete zu werden. Acht Gefallene und zwölf schwerst Verletzte. Das tut einem im Herzen weh. Trotz unseres Sicherungssystems gibt es da noch Lücken. Beispiel: Wenn jemand einen verletzten Soldaten oft im Krankenhaus oder in der Reha besuchen will, Familie oder die Freundin, die wenig Geld haben. Deswegen haben wir einen gemeinnützigen Förderverein gegründet. Jeder kann beitreten, und viele sind schon dabei. Der Mindestbeitrag ist ein Euro im Monat. Man kann natürlich auch spenden. Da haben sich auch einige aus der Wirtschaft gemeldet, dafür bin ich sehr dankbar.

Hintergrund

Der Kommandeur der Saarlandbrigade, General Volker Bescht, 58, wird Mitte Januar stellvertretender Kommandeur der Division Spezielle Operationen (DSO).

Die DSO besteht aus den beiden Fallschirmjägerbrigaden 26 (Saarland) und 31 (Oldenburg) und dem Kommando Spezialkräfte (KSK). Sowohl sein Vorgänger, General Hennig Glawatz, als auch der DSO-Kommandeur General Hans-Werner Fritz waren Kommandeure der Saarlandbrigade.

Die Saarlandbrigade mit Standorten in Saarlouis, Lebach, Merzig und Zweibrücken ist auf derzeit 3400 Soldaten angewachsen. 40 Prozent der Soldaten kommen aus dem Saarland. we


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