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Saarlouiser Institution: Seit 40 Jahren Gasthaus „Zum Humpen“

Saarlouis. Wie oft sich diese uralte, quietschende Eingangstür in 40 Jahren wohl geöffnet hat? Von vielen Füßen abgewetztes Parkett, Bücherregal, Tischkicker, Klavier. Zeitschriften türmen sich auf dem Kachelofen, unter dem Röhrenfernseher. An der Theke ein paar Gestalten, daneben ein Münztelefon, das nur mit D-Mark funktioniert. In 40 Jahren hat sich hier nicht viel verändert. An manchen Stellen ist vielleicht der Lack ab, aber der Humpen ist in Würde gealtert.

Am 2. Februar 1973 eröffnete Erni Müller mit den Brüdern Bernd und Horst Sommerfeld in der Alte-Brauereistraße 4 den Humpen, als Nachfolger des beliebten Gasthauses von Käthchen Kerner. „Ich hab mir damals nichts Großartiges davon versprochen. Vor allem keine 40 Jahre.“ Erni war 20 Jahre alt und noch Schüler. Die Anfangszeit war völlig chaotisch, erinnert er sich. Ein Konzept gab es nicht: „Wir wollten nur aufmachen und Bier verkaufen. Es gab ja nichts für jüngere Leute.“ Die legendäre Kneipe Mexico der Familie Kraulich war damals der einzige Szene-Treffpunkt in Saarlouis. „Wir hatten knapp zwei Monate Zeit für den Umbau“, erzählt Erni. Das genügte, denn das Budget gab ohnehin nicht viel her: ein neues Buffet und ein Klavier – das den Eröffnungsabend nicht überstand. „Die ersten zehn Jahre war das alles sehr rustikal“, schmunzelt er. Ofenrohre und Erntekörbe als Lampenschirme, keine Heizung, alte Holzmöbel. Aber die neue Kneipe wurde begeistert angenommen. Das Besondere: „Es gab keine Musikbox, sondern wir hatten Langspielplatten, die Musik war also für die Gäste gratis.“

An die Eröffnung selbst kann sich der 60-Jährige nur noch „ganz dunkel“ erinnern. „Es war ein Freitag, und samstags hatten wir kein Bier mehr.“ Die Polizeiinspektion Saarlouis saß damals schon direkt gegenüber und kam regelmäßig zu Besuch, grinst Erni: „Der ständige Lärm war natürlich allen ein Dorn im Auge.“ Und im Sommer lungerten die langhaarigen Gäste vor der Tür herum und blockierten den Bürgersteig. In den Achtzigern wurde der Humpen Sammelpunkt der linksalternativen Szene. Bis heute ist Erni so tolerant, dass sogar Politiker auf Wählerfang geduldet werden. Für Generationen von Schülern und Studenten war der Humpen aber einfach Jugendtreff und zweites Zuhause: Zum Lernen, Bier trinken, Zeitung lesen oder Schach spielen.

Das Publikum ist heute ein Querschnitt durch alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Am Tresen treffen Zahnarzt und Maurer zusammen, Lehrer und Schüler, Vater und Tochter. Über 90 Prozent der Kundschaft sind Stammgäste, schätzt Erni, die meisten seit Jahrzehnten. Noch immer steht er selbst am Zapfhahn, wie eh und je mit Vollbart, Brille, Lederhose. Heerscharen von Bedienungen haben im Laufe der Jahre im Humpen Bier geschleppt; heute bedienen die Kinder der Ehemaligen. „Grob überschlagen müssten es weit über 800 gewesen sein .?.?. vielleicht auch über 1000“, schätzt Erni – Wer weiß das schon genau?

„1973 war die Altstadt eine finstere Gegend“, erzählt der alteingesessene Saarlouiser. „Erst Ende der 70er ging es dann richtig los“. Über Jahrzehnte brummte die Altstadt, aber, meint der gestandene Wirt und Vater von vier Söhnen: „Die Gastronomie ist härter geworden.“ Vor allem unter der Woche ist deutlich weniger los. „Die Leute gehen seltener in die Kneipe und sie geben weniger Geld aus.“ Das Hin und Her beim Rauchverbot habe dazu beigetragen. Vor allem bei den jüngeren Gästen hat sich das Ausgehverhalten verändert: „Früher trafen sich die Leute in der Kneipe, heute trifft man sich im Internet“, fasst der Wirt zusammen.

Und ob noch 50 Jahre Humpen gefeiert werden? „Wer weiß schon, was in zehn Jahren ist.“

Das Gasthaus „Zum Humpen“ feiert an diesem Samstag, 2. Februar, ab 20 Uhr sein 40-jähriges Bestehen. Der Eintritt ist frei. Der Reinerlös geht an die Jugendabteilung der Saarlouis Hornets.

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