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Saarlouiser Unternehmen: Ex-Telekomchef will Internet-Zukunft vorbereiten

René  Obermann

René Obermann

Hochauflösendes Fernsehen per Internet , virtuelle Realität, diese Anwendungen werden künftig das Internet bestimmen – und hohe Bandbreiten erfordern. Davon ist René Obermann überzeugt. Schon während seiner Zeit als Telekom-Chef hat er vor gut zehn Jahren den Ausbau des schnellen Internet in den Städten vorangetrieben. Damals ging das noch so: Glasfaserkabel zu den Verteilern an der Straße legen, von denen aus es dann per Kupfer in die Wohnungen ging. Das reiche aber längst nicht mehr aus, sagt Obermann. „Mittel- bis langfristig werden wir die Glasfaser bis in jedes Haus ziehen müssen.“

 

Auf 70 bis 80 Milliarden Euro schätzt das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) die Kosten für solch einen flächendeckenden Ausbau. „Das kann die Politik nicht mit öffentlichen Mitteln lösen“, sagt Obermann. „Wir brauchen Unternehmer, die den Markt verstehen.“

 

Solche Unternehmer sind für Obermann die beiden Gründer des Saarlouiser Telekom-Unternehmens Inexio , David Zimmer und Thorsten Klein . Obermann sieht bei Inexio Potenzial, einer der führenden Spieler beim Glasfaserausbau in Deutschland zu werden. „Der Glasfaser-Markt wird jetzt und in den kommenden Jahren gestaltet“, sagt Obermann. „ Inexio ist dafür prädestiniert, diesen Ausbau aktiv mitzugestalten.“ Obermann ist längst nicht mehr Telekom-Chef, heute ist er Managing Director bei der US-Investment-Gesellschaft Warburg Pincus. Und in dieser Funktion hat er vor wenigen Wochen eine Mehrheitsübernahme bei Inexio für rund 125 Millionen Euro eingetütet.

 

Tatsächlich hat sich Inexio im Telekommunikationsmarkt bereits einen Namen gemacht. Das Unternehmen betreibt mehr als 5500 Kilometer Glasfasernetz. Längst nicht mehr nur im Saarland, wo es ursprünglich darum ging, „weiße Flecken“ mit schnellem Internet auszustatten. Sondern längst über die Grenzen des Landes hinaus, vornehmlich in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und in Bayern.

 

Dass sich Inexio jetzt mit Warburg Pincus zusammengetan hat, liegt vor allem an der Geschwindigkeit, in der der Glasfaser-Ausbau vonstatten geht. „Für uns war die Frage, ob wir jetzt den Fuß vom Gaspedal nehmen, um ein paar Jahre zu konsolidieren und in fünf Jahren weiterwachsen“, sagt Inexio-Chef David Zimmer . „Das haben wir aber als zu riskant angesehen.“ Bei der Zukunftsstrategie steht für Inexio vor allem organisches Wachstum im Vordergrund. Zwar sei es auch möglich, über den Kauf eines Konkurrenten samt Netz das Wachstum zu beschleunigen, so etwas sei aber nicht zu planen.

 

Noch hinkt Deutschland beim europaweiten Ausbau der Glasfasernetze deutlich hinterher. So sind in Deutschland nach Angaben des Branchenverbandes VATM gerade einmal 2,1 Millionen Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen, während beispielsweise Spanien bereits 17 Millionen Haushalte angeschlossen hat und sogar Rumänien mit rund fünf Millionen Haushalten deutlich weiter ist. Doch Deutschland will jetzt mit einem bundesweiten Glasfaserausbau den Abstand verringern. Die Bundesregierung hat vorgegeben, das Breitbandnetz bis 2018 auf Geschwindigkeiten von über 50mbit aufzurüsten. Auch Inexio will bei diesen Projekten dabei sein – das nötige Kapital bringt die Kooperation mit Warburg Pincus: „Wir können jetzt quasi aus dem Stand weitere 150 bis 200 Millionen Euro für Projekte generieren“, sagt Zimmer.

 

Obermann bringt mit Warburg Pincus aber nicht nur Geld in die Partnerschaft ein – durch seine frühere Funktion als Telekom-Chef kennt er sich auch gut in der Materie aus. Und in der Branche. „Ich hoffe, dass ich auch viel Inhaltliches beitragen kann“, sagt Obermann, der ebenso wie der frühere BMW-Finanzchef Stefan Krause bei Inexio in den Aufsichtsrat einziehen wird.

 

Obermann ist überzeugt, dass die Warburg-Pincus-Millionen bei Inexio gut angelegt sind – vor allem wegen des hohen Wachstumspotenzials. Auch sei die Partnerschaft langfristig angelegt: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Typischerweise fünf bis sieben Jahre, denn das sei der Zeitraum, mit dem Warburg Pincus kalkuliert. Ideal wäre dann ein Ausstieg über einen Börsengang des Saarlouiser-Unternehmens. Allerdings sei es durchaus möglich, dass sich weitere Wachstumschancen ergeben, „die uns die Möglichkeit geben, in diesem wichtigen Bereich nachzuinvestieren“, sagt er. „Wenn das passiert – umso besser.“
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