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Saarstahl produziert neue Stahlarten für die Autoindustrie

Unser Foto zeigt einen Einblick in die Völklinger Schmiede der Saarstahl AG.

Unser Foto zeigt einen Einblick in die Völklinger Schmiede der Saarstahl AG.

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Völklingen. Plötzlich wird es lauter in der Halle. Doch Markus Kollmann (32), aus Schwalbach, bleibt völlig gelassen. Elf Bildschirme mit hunderten von Kontroll-Informationen in blau, grün und rot hat er im Blick. Von Meldungen über die Höhe der Temperatur über den technischen Zustand des Materials bis hin zum Energieverbrauch. Zudem überliefern Kameras direkte Einblicke in alle Bereiche der Produktion. Fehler, die im Leitstand der neuen Sekundärmetallurgie als neuem Werksteil von Saarstahl gemacht werden, können schnell zu Millionenschäden führen. Nichts deutet jedoch trotz der ansteigenden Lautstärke auf eine Störung hin. wie der technische Laie vermuten könnte.

Die Lautstärke bringt Kollmann sogar zum Schwärmen. Denn „ich höre die Elektronenöfen brummen. Ein schönes Gefühl“. Die zunehmende Lautstärke entsteht, weil gerade die Anlage hochgefahren wird. Das dauert rund fünf Minuten und verbraucht in dieser Phase 2,3 Megawatt Strom. So viel, wie eine Durchschnittsfamilie etwa in einem halben Jahr verbraucht. Der Leitstand ist das Herzstück der Sekundärmetallurgie. Hier laufen alle Informationen zusammen. Auch einige Siemens-Techniker begleiten deshalb mit Argusaugen ständig die Abläufe im Leitstand.

Die enge Vertaktung der Stahlproduktion über den ganzen Tag hinweg erfordert, dass das in der neuen Sekundärmetallurgie mittels Leitstand bearbeitete Material minutengenau zur Anlieferung für die weitere Stahlproduktion in der Stranggußanlage des Stahlwerks zur Verfügung stehen muss. Dort werden acht mal täglich 170 Tonnen Stahl gegossen, so Dirk Deckers, der Leiter des Stahlwerks.

150 Millionen Euro hat die Saarstahl AG in die neue Sekundärmetallurgie investiert, die in eineinhalbjähriger Bauzeit auf einem Gelände von 9000 Quadratmetern entstanden ist. Davon fließen 25 Millionen Euro in umweltschonende Maßnahmen. 100 Baufirmen, davon 70 Prozent aus dem Saarland, waren mit 600 Mitarbeitern im Einsatz. Alle Zeit- und Budget-Vorhaben wurden eingehalten. Auch sei kein Euro zu viel investiert worden, betont Martin Baues, Saarstahl-Technikvorstand. „Wir werden diese Anlagen in jeglicher Form nutzen, um unsere Zukunft und die Arbeitsplätze in der saarländischen Stahlindustrie abzusichern.“

Vorstandschef Karlheinz Blessing spart angesichts der Leistungsfähigkeit der neuen Anlage nicht mit sprachlichen Superlativen, spricht von einem Quantensprung und einer „weltweit einzigartigen Anlage in ihrer Komplexität, Bauweise und Multifunktionalität“. Blessing sieht darin einen „Meilenstein“ in der Strategie, international vor allem im Premium-Segment weiter zu wachsen. Künftig werde man mit Hilfe der Sekundär-Metallurgie Stahlprodukte in einer noch höheren Qualität produzieren können, zudem völlig neue Produkte für die internationale Autoindustrie an den Start bringen. Wie ist das möglich?

Die Sekundärmetallurgie ist in der Lage, den bereits im Stahlwerk veredelten Rohstahl zu veredeln, erläutert Andreas Heinen, Chef der Sekundärmetallurgie.Diese ist in einem dreiteiligen Hallenbau direkt an die Gießhalle des Stahlwerks angeschlossen. Ein technisch hoch kompliziertes Verfahren trennt in der Sekundärmetallurgie den Stahl von unerwünschten Rohstoffen, die die Qualität beeinflussen. Also beispielsweise den Stahl spröde machen. Gleichzeitig werden in diesem Teil des Produktionsprozesses Legierungen hinzugefügt, die dem Stahl eine gesteigerte Elastizität und Belastbarkeit geben. Was ihm Premiumqalitäten verleiht.

Die Autoindustrie zeigt sich an den neuen Möglichkeiten stark interessiert, betont Andreas Heinen. Jeder einzelne Produktionsschritt wird bis in kleinste Details mit Kunden abgestimmt, bevor die neuen Stähle in die Serienproduktion für die deutsche und internationale Autoindustrie gehen, mit der Saarstahl heute schon 60 Prozent des gesamten Geschäftes bestreitet. Schon bald soll sich dieser Anteil noch weiter erhöhen.

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