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Saartoto machte schon 104 Saarländer zu Millionären

Saarbrücken. „Amtlicher Wettschein Nr. 1“ steht auf dem etwas vergilbten Papier, das als eine Geburtsurkunde der Saarland Sportoto GmbH – kurz Saartoto – angesehen werden darf. Das Dokument aus dem Jahr 1951 und listet die 14 Fußballspiele vom Wochenende 4./5. August auf, auf deren Ausgang die Saarländer erstmals wetten durften. Zwei Tippreihen kosteten damals 100 französische Francs.



Die Chronisten aus dem Saarbrücker Totohaus berichten, dass die neu gegründete Gesellschaft des Saarlandes (57,14 Prozent) und des Landessportverbandes (42,86 Prozent) sich fast einen Fehlstart leistete, denn: Spinale Kinderlähmung im Saarland hatte ein absolutes Sportverbot zur Folge. Das Spiel des 1. FC Saarbrücken gegen Metz wurde nach Lothringen verlegt. Fünf der 14 auf dem ersten Tippschein notierten Begegnung fielen aus. Neun Richtige bescherten dem Saarbrücker Oberkellner Kniesbeck und dem Sinnerthaler Bauführer Christ die Hauptgewinne von umgerechnet knapp 1100 Euro. 60 Jahre später kann Saartoto als saarländisches Erfolgsmodell gefeiert werden. Jürgen Schreier, der heute mit Michael Burkert an der Spitze des Unternehmens (rund 100 Mitarbeiter) steht, sagt: „Wenn es Saartoto nicht gäbe, gäbe es im Saarland vieles nicht!“ Mit rund 800 Millionen Euro aus dem Toto- und Lottoerlös wurden in sechs Jahrzehnten Sportanlagen, die Landessportschule, Kultureinrichtungen sowie soziale Projekte und Umweltschutzvorhaben finanziert. Bei einem Gesamtumsatz von vier Milliarden Euro seit der Gründung wurden zwei Milliarden an Gewinner ausgezahlt und 670 Millionen Steuern an die Landeskasse überwiesen.

Als Vater von Saartoto steht der Namen von Hermann Neuberger, ehemaliger Sportjournalist und späterer Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), in der Firmengeschichte. „Ohne ihn hätte es Saartoto nicht gegeben“, meint Schreier. Neuberger war damals Vorsitzender des Saarländischen Fußballverbandes. Schon 1949 schmiedete er nach der Gründung erster Toto-Gesellschaften in Deutschland konkrete Pläne für eine „Selbsthilfe-Organisation für den Saarsport“. Aus dem Erlös von Sportwetten sollte der Sport finanziert werden. Aber die nach Frankreich orientierte Saar-Regierung unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann („Joho“) leistete heftigen Widerstand. Die Argumente: Ein eigenes Fußballtoto an der Saar wäre für die im Saarland angebotene französische „Loterie Nationale“ eine unzumutbare Konkurrenz. Benachbarte Lothringer würden im Saarland statt in Frankreich tippen. Von „Joho“ ist ein handschriftlicher Rotstift-Vermerk zur beantragten Gründung eines Toto-Unternehmen überliefert: „Ablehnen! Unterschrift Staatssekretär.“ Vorkämpfer Neuberger und sein Mitstreiter Helmer, Präsident des Landessportverbandes Saar (LSVS), fanden aber in Gouverneur Gilbert Grandval, Frankreichs Hoher Kommissar im Saarland, einen entscheidenden Unterstützer, so dass am 18. Juli 1951 die Saarland Sporttoto GmbH gegründet wurde. Wenige Wochen zuvor war das Sportwettengesetz in Kraft getreten, das bis heute das so genannte „Sportachtel“ festschreibt: Ein Achtel der Wetteinsätze ist für die Förderung des Sports dem Landessportverbandes zur Verfügung zu stellen.

Seit 1998 ist auch ein eigener Umsatz-Anteil für die Kultur reserviert. Neuberger steuerte übrigens Jahrzehnte als Geschäftsführer und später als Aufsichtsrat bis zu seinem Tod 1992 die Saartoto-Geschäfte entscheidend mit.

Fußballwetten machen heute nur noch einen Bruchteil der Saartoto-Umsätze aus. Lotto „6 aus 49“, das seit 1956 gespielt wird, lässt die Kassen klingeln. Mit einem wöchentlichen Lotto-Pro-Kopf-Umsatz von 1,25 Euro sind die Saarländer bundesweit Spitzenreiter.

Totodirektor Schreier, der mit Burkert auch die Tochterfirma „Saarland Spielbank“ (350 Mitarbeiter) führt, sieht die Gesellschaft im Jubiläumsjahr „in einer Zeit des Umbruchs“. Er hofft, dass sich die Politik auf einen neuen Glücksspielstaatsvertrag verständigt, der zumindest das Lotto-Monopol sichert und das Angebot im Internet wieder ermöglicht wird. Bei Sportwetten wird derzeit über bundesweit sieben Konzessionen diskutiert.

Hintergrund

104 Saarländer machte Saartoto bisher zu Millionären: Bis 2001 wurden 82 DM-Millionäre gezählt und später 22 Euro-Millionäre. Den größten Gewinn verbuchte 2003 ein Saar-Tipper mit 13,2 Millionen Euro.

Ihren 60. Geburtstag feiert die Saarland Sporttoto GmbH am 19. August mit einem Festakt im Saarbrücker Schloss. Einen Tag später sind Vertreter der landesweit 350 Lotto-Annahmestellen ins E-Werk geladen. Für die Tipper gibt es eine Jubiläums-Sonderauslosung in der Woche vom 8. bis 14. August: 60 mal 1000 Euro werden ausgespielt. mju

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