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Sah sich als „Erlöser“: Wollte Saarbrücker (22) Bekannten töten?

Ein 22 Jahre alter Saarbrücker steht seit gestern wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht. Er soll am 10. Januar diesen Jahres einen flüchtigen Bekannten spät abends aufgesucht haben und mit einem Messer auf ihn losgegangen sein, als der Bekannte die Tür öffnete. Als das 40-jährige Opfer am Boden lag, ließ der Maya-Gläubige von ihm ab und ging – wie er selbst sagte – „erleichtert“ nach Hause. Der Verletzte konnte aus eigener Kraft aufstehen und die Polizei rufen. Tags darauf wurde der mutmaßliche Täter festgenommen; seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft.

Die Tat wurde gestern zum Prozessbeginn von mutmaßlichem Täter und dem Opfer übereinstimmend geschildert. Der Angeklagte war im Jahr 2007 einmal mit einem Bekannten bei dem Mann zu Besuch. Dieser Bekannte bezichtigte das Opfer eines sexuellen Übergriffs, was möglicherweise aus Rache für eine Diebstahlsanzeige geschah. Es gibt keinen Nachweis, aber es könnte ein Motiv für die Bluttat sein. Der 22-Jährige konnte nicht sagen, warum er den Mann aufgesucht hatte. „Ich habe an seiner Wohnungstür geklingelt. Dann bin ich heim, als wäre nichts geschehen“, sagte er. Rückblickend wisse er: „Das war Blödsinn“.

Der Angeklagte hat keinen Beruf und bisher auch noch nie gearbeitet. Er hat die mittlere Reife erworben und lebt als Hartz-IVEmpfänger bei seinen Eltern. Den Eltern ist eine psychische Veränderung ihres Sohnes aufgefallen: Er habe sich in seinem Zimmer eingeschlossen, sei nicht mehr weggegangen und habe sich verleugnen lassen, wenn Bekannte nach ihm fragten, erzählte sein Vater (53) vor Gericht. Er sei sehr aggressiv geworden. Der Vater versuchte, seinen Sohn zu einer psychotherapeutischen Behandlung zu überreden. Es scheiterte an dessen Bereitschaft und an Problemen, einen Termin zu bekommen. Zigmal sei er abgewiesen worden.

Sein Sohn habe an den Weltuntergang nach dem Maya-Kalender geglaubt und sich in einer Erlöserrolle gesehen. Er müsse zu den Pyramiden nach Ägypten – dort würden Außerirdische auf ihn warten. Der Sohn habe bei Greenpeace und bei der Telefonseelsorge nach Geld für die Ägyptenreise gefragt, sogar bei der Polizei – dort wurde er an die Kirche verwiesen. Er habe nie davon gesprochen, jemand umbringen zu wollen, er habe die Welt retten und das Böse ausrotten wollen. Am Ende hält sich der Vater für mitverantwortlich: „Ich will gerne einen Teil der Schuld auf mich nehmen“, sagte er. Inzwischen hat sich der Angeklagte zu einer psychiatrischen Untersuchung bereit erklärt. Der Prozess wird Ende Juni fortgesetzt. jht

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