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Sanierung des Ludwigsparkstadions im Zeit- und Kostenrahmen

Das Saarbrücker Ludwigspark-Stadion wird umgebaut..

Das Saarbrücker Ludwigspark-Stadion wird umgebaut..

 

Die Entscheidung fiel bisher im Unbewussten. Das ist Rafael Schober erst zuletzt bewusst geworden. Er ist Fan des 1. FC Saarbrücken, lebt in der Landeshauptstadt, arbeitet in Lebach, und wenn er über die A623 zurück nach Saarbrücken rollt, steht er vor der Entscheidung: Fahre ich die Camphauser Straße hinunter, am Ludwigspark vorbei – oder den Rodenhof hinunter, am Güterbahnhof vorbei? Von der Zeit schenkt sich das nichts für den 43-Jährigen. „Früher bin ich fast immer die Camphauser runter“, sagt er. Doch seit Anfang dieses Jahres meidet er die Straße. Nicht wegen des Blitzers. „Das liegt bestimmt an der Baustelle im Ludwigspark“, sagt er: „Die habe ich mir immer noch nicht angeschaut. Da blutet mir das Herz, wenn ich das Loch nur auf den Baustellen-Webcams der Stadt sehe.“ Wehmut kommt auf. „Der alte Park ist nun weg“, sagt er. Nach Völklingen ins Ersatzstadion fährt er zwar auch, „aber das ist halt nicht das Gleiche“.

Nicht mehr „bemitleidenswert“

„Es sieht schon etwas erbärmlich aus da oben“, gibt auch Jürgen Schäfer zu. Seit November 2013 ist er Geschäftsführer der „Projektgesellschaft Sanierung Ludwigspark“. Eine GmbH, die die Stadt mit dem Land gegründet hat. Für den Bau hat sie 20 Millionen Euro zur Verfügung. Zunächst waren 16 Millionen angedacht, doch die reichten nicht. Vor ein paar Wochen kam der Bescheid vom Land, noch weitere vier Millionen Euro draufzupacken. Das Land zahlt nun 14,5 Millionen Euro, die Stadt 5,3. „Die knapp 20 Millionen sind nötig, damit wir nicht zu viele Kürzungen vornehmen müssen“, sagt Schäfer.

Der Diplom-Ingenieur ist auch Geschäftsführer der GIU, der Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung, die die Stadtentwicklung mit verantwortet. Das Stadionprojekt ist eines der emotionalsten, die Schäfer bisher betreute. Nicht nur, weil er oft im Privaten darauf angesprochen wird. Warum baut eine der ärmsten Städte der Republik einem Viertligisten eine neue Arena? Nicht alle wie Schober finden das Projekt gut. Sie denken ans Geld. An Kindergärten, marode Straßen, Investitionen, die bei genauem Betrachten nur schwer gegeneinander ausgespielt werden können.

„Dabei ist die Rechtfertigung für die Stadionsanierung ganz einfach“, sagt Schäfer: „Das alte Stadion war nicht mehr zu nutzen.“ Für die Stadt als Besitzerin ginge es dabei um zwei Fragen: „Ist es sicher?“ Und: „Wie teuer ist die Instandhaltung?“ Schäfer erklärt: „Wir standen vor der Frage, ob wir ständig flicken sollen, ohne die Kosten wirklich abschätzen zu können – oder ob wir es neu machen. Das Stadion war in einem bemitleidenswerten Zustand.“

Das hängt auch damit zusammen, dass die Stadt als Besitzerin in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum noch Geld in Sanierungen gesteckt hat. Alleine im Unterhalt würde die Stadt Kosten mit dem neuen Stadion einsparen können, versichert Schäfer. Dazu komme, dass das Stadion in seinem alten Zustand „wohl nie mehr eine Zulassung für die ersten zwei Ligen bekommen würde“.

Aktuell laufen Kanalarbeiten

Nicht jeder will das akzeptieren. Weniger die durchschnittlich 1000 FCS-Fans, die nicht nach Völklingen mit ausweichen. Mehr die Saarländer, die nicht an eine Rückkehr des FCS in den bezahlten Fußball glauben wollen. Die Diskussionen über Für und Wider liefen mehr als ein Jahrzehnt – bis Land und Stadt sich entschlossen zu sanieren. Und so planten GIU und Projektgesellschaft, luden Architekten ein, entschieden sich für Gerkan, Marg und Partner – Startschuss war im Januar.

Was vom alten Stadion inzwischen noch steht, ist die Tribüne an der Camphauser Straße. Sie bleibt. „Die Abriss- und Erdarbeiten sind nun beendet“, sagt Schäfer. Derzeit laufen Kanalarbeiten. Dort, wo früher das Marathontor stand, graben Arbeiter zwei zehn Meter tiefe Schächte mit Kanalanschluss. Auch dabei: zwei Tanks. Einer für Löschwasser, einer für Wasser, mit dem der Platzwart den Rasen wässern könne. Eine Menge Erde haben die Bagger bewegt. Allein 14 000 Kubikmeter für den Erdwall in der Ostkurve vor der Saarlandhalle. Dort soll die neue Fantribüne hin. Der Bau ist bereits ausgeschrieben. Genau wie die neue Haupttribüne. Fünf Unternehmer haben Interesse bekundet. Bis zum 5. Dezember legen sie ihre Preise vor. Danach geht es in die Nachverhandlungen. „Die dauern bis März“, sagt Schäfer. Dann bekommt ein Unternehmer den Zuschlag, der in die Detailplanung gehen kann und etwa zwei Monate später mit dem Tribünenbau anfangen kann.

Die Baugenehmigungen seien bereits da, Brandschutz, Fluchtwege, alles geplant und genehmigt – wenngleich unter anderem die härteren Richtlinien zum Brandschutzfür die Mehrkosten von vier Millionen mitverantwortlich sind.

„Im März“, sagt Schäfer, „wissen wir dann auch, wie viel Geld wir noch für die Westtribüne haben.“ Die Gästetribüne ist quasi sein „Etatjoker“. Sollten die beiden anderen Tribünen teurer als erwartet werden, könne er bei der Ausschreibung zum Beispiel das Dach der Gästetribüne einsparen. „Im schlechtesten Fall fällt sie komplett weg. Das wird aber wohl nicht passieren“, sagt Schäfer. Mitte 2018 soll das Stadion fertig sein. Spätestens dann wird FCS-Fan Schober häufiger über die Camphauser Straße in die Stadt reinfahren wollen. Ganz bewusst – weil er seinen neuen Ludwigspark sehen möchte.

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