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„Sauerland-Gruppe“ wollte deutsche Politiker töten

 Düsseldorf. Die Mitglieder der islamistischen „Sauerland-Gruppe“ hatten den Auftrag, Anschläge auf deutsche Politiker zu verüben. Das geht aus Vernehmungsprotokollen hervor, die gestern im Prozess gegen die vier Angeklagten vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verlesen wurden. Die Pläne seien aber nicht weiterverfolgt worden. Einer der Angeklagten, Daniel Schneider aus Neunkirchen, äußerte sich in der gestrigen Verhandlung zudem zu den Strukturen der Islamistischen Dschihad Union (IJU), deren Ausbildungslager alle vier Düsseldorfer Angeklagten im Jahr 2006 im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan besucht hatten.
 
Der Leiter des pakistanischen Ausbildungscamps der IJU, ein gewisser „Achmed“, sei mit dem Wunsch, Anschläge auf deutsche Politiker zu verüben, an den Rädelsführer der späteren „Sauerland-Gruppe“, Fritz Gelowicz, herangetreten, wie aus den Vernehmungsprotokollen hervorgeht. Gelowicz habe den Auftrag aber nach eigener Aussage nicht weiter verfolgt, da ein Anschlag auf Politiker „zu aufwändig“ gewesen wäre. Gelowicz sagte in der Verhandlung, ein Anschlag gegen deutsche Politiker wäre ein „legitimer Dschihad-Grund“ gewesen, da diese Soldaten nach Afghanistan schickten und sich auch an anderen Kriegen gegen Muslime beteiligten. Der IJU-Ausbilder „Achmed“ habe ihm keine konkreten Vorgaben gemacht, auch keine Namen von Politikern genannt, die unter den Opfern sein sollten. Hauptsächlich habe es sich bei den geplanten Anschlägen um eine „Operation gegen die Amerikaner“ mit vielen Toten handeln sollen.

Der mit 23 Jahren jüngste Angeklagte, Daniel Schneider, berichtete in der Verhandlung über die Struktur der IJU. Demnach verfügte die Terrororganisation in Pakistan über ein „Stammpersonal von 20 bis 30 Leuten“, die untereinander mit Funkgeräten in Kontakt standen. Über die IJU sei ihm nur bekannt gewesen, dass sie einen Glaubenskrieg gegen die Amerikaner führe und früher einmal in militärische Konflikte mit der pakistanischen Armee verwickelt gewesen sei, so Schneider. Dennoch habe er „Achmed“ den Treueeid geleistet.

Die IJU sei als Splittergruppe aus einer wesentlich größeren islamistischen Gruppierung mit dem Namen „IBU“ hervorgegangen, berichtete Schneider weiter. Zwischen beiden Gruppen habe es Konflikte gegeben, bei denen es seines Wissens nach um religiöse Fragen ging. „Anfeindungen der Mudschaheddin-Gruppen sind in Pakistan an der Tagesordnung“, sagte Schneider dazu. Es sei auch normal, dass die Glaubensbrüder einander mit Sprengstoffanschlägen bekämpften. Am Ende seines Aufenthalts in dem Lager habe er von „Achmed“ den Auftrag erhalten, nach Deutschland zu gehen, um dort einer Gruppe zu helfen, berichtete Schneider. Er habe sich dabei „eine deutsche Filiale“ der IJU mit usbekischen Anführern und „fest gefügte Strukturen“ vorgestellt. Dass es sich bei der Gruppe nur um die drei anderen Angeklagten handelte, habe er nicht gewusst. Lisa Caspari 
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