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Schafft es der Lebacher Torwart Florian Müller in die Bundesliga?

Torhüter Florian Müller mit der U23 des 1. FSV Mainz 05 gegen den 1. FC Magdeburg am 6. Spieltag der 3. Liga Saison 2016/17 im Bruchwegstadion Mainz.

Torhüter Florian Müller mit der U23 des 1. FSV Mainz 05 gegen den 1. FC Magdeburg am 6. Spieltag der 3. Liga Saison 2016/17 im Bruchwegstadion Mainz.

Es gibt die zwei Zeiten des Florian Müller. In der einen hat ein Jahr meist 365 Tage. Die andere Zeit ist schwer berechenbar. Noch im Dezember sagte Martin Schmidt, sein Trainer beim Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05, er traue Müller „in den nächsten zwei, drei Jahren“ die erste Liga zu. Im Januar bescheinigte Schmidt dem Nachwuchstorwart ein „Riesenpotenzial und die Perspektive, in den nächsten eineinhalb, zwei Jahren zum Bundesliga-Spieler zu reifen“. Eineinhalb statt zwei Jahre: Innerhalb weniger Tage war in der Zeitrechnung von Müllers Karriere offenbar ein halbes Jahr vergangen.

Mit 19 Jahren hütet der Lebacher längst das Tor der U 23 von Mainz 05 in der 3. Liga. Auch in der deutschen U 20-Nationalmannschaft war er zuletzt gesetzt. Am 23. März trifft die Auswahl in Elversberg auf die Schweiz.

Beim FV Lebach fing für Müller alles an, „mit drei oder vier Jahren“. Einer seiner Trainer: Christoph Mees. Für den 1. FC Saarbrücken spielte Mees in der 2. Liga. Den Kindern erzählte er darüber wenig. „Aber er hat den harten Ton des Profi-Fußballs durchklingen lassen“, erinnert sich Müller.

Auf die Torwartposition legte sich Müller mit zwölf fest. Gegen den Willen seines Vaters, der ihm sagte: „Geh' nicht ins Tor, das ist ein undankbarer Job.“ Volker Müller sprach aus Erfahrung. „Ich habe fast 20 Jahre in Lebach gespielt“, erzählt er. Natürlich war Volker Müller selbst Torwart, wie schon sein Vater. Und sein Bruder Georg, lange Schlussmann des FC Homburg. Georg Müller sagt im Spaß, aber hörbar stolz: „Die Müllers sind eine Torwart-Dynastie.“ Nun in der dritten Generation.

Als die Grundschule zu Ende ging, hatte Florian Müller ein Ziel: das Gymnasium am Rotenbühl in Saarbrücken, eine anerkannte Eliteschule des Sports. „Er hat damals ganz klar gesagt, er will das“, berichtet sein Vater. Zur Schule brauchte Müller über eine Stunde. Um sechs Uhr früh fuhr sein Bus.

Wer am Rotenbühl gefördert werden will, muss einen Aufnahmetest bestehen. Der Junge aus Lebach gehörte zu den fünf Besten – von 49 Grundschülern. Das hat Lothar Altmeyer nicht vergessen. Schnell sucht der Leiter des Sportzweigs der Schule Statistiken von damals heraus. Details darf er nicht nennen. Datenschutz. Was Altmeyer sagen darf: „Er war hier ein herausragender Sportler.“

Nach der D-Jugend wechselte Müller zum 1. FC Saarbrücken. Nun ging alles schnell: Mit den U 15-Junioren des Saarländischen Fußball-Verbandes (SFV) glänzte er im Juli 2012 beim Sichtungsturnier des Deutschen Fußball-Bundes in Duisburg, vor etlichen Beobachtern und Managern. „Das ist mittlerweile wie eine Transferbörse“, erklärt SFV-Trainer Christian Oles. Das Saarland werde gerne beobachtet, weil die Spieler vertraglich meist nicht gebunden seien. Förderverträge mit Jugendlichen darf nur abschließen, wer ein Nachwuchsleistungszentrum betreibt. Das tut in der Region nur die SV Elversberg – seit 2015. Altmeyer sagt: „Leider Gottes sind die besten Schüler weggegangen, in Nachwuchsleistungszentren.“

Auch bei Müller war das absehbar. Doch plötzlich schien seine Zeit stillzustehen. Das Torwarttalent brach sich im April 2013 den linken Unterarm, zwei Wochen vor dem nächsten Schaulaufen in Duisburg. Am Rande des Turniers sollte über einen Vereinswechsel entschieden werden. Die Gespräche waren vereinbart, mehrere Proficlubs interessiert. Doch mit der Verletzung änderte sich das. Mainz und der 1. FC Kaiserslautern wollten Müller weiterhin, andere Vereine warteten ab.

Volker Müller erlebte seinen Sohn im Krankenhaus niedergeschlagen, kurz nach der Entlassung aber wieder ehrgeizig: Nur sechs Wochen nach der Verletzung wollte er zurück ins Tor. Die U 17 des 1. FC Saarbrücken spielte gegen den FSV Frankfurt um den Aufstieg in die Bundesliga. Im Hinspiel pausierte Müller noch, in Frankfurt stand er wieder auf dem Platz. Es war sein Abschiedsspiel. Er hatte Mainz zugesagt.

„Ich bin dem Profi-Fußball einen Schritt näher gekommen, aber immer noch weit entfernt gewesen“, blickt Müller zurück. 2015 erhielt er einen Vierjahresvertrag. Heute ist der 19-Jährige sehr nah dran an den Profis. Unter der Woche trainiert er mit der Bundesliga-Mannschaft von Mainz 05, unmittelbar vor und nach den Spieltagen bei der U 23. Dass Trainer Martin Schmidt ihn so lobt, ist Müller nicht entgangen: „Jeder liest, was öffentlich über einen gesagt wird. Man nimmt das an, darf sich aber nicht darauf ausruhen. Ich sehe es als Anreiz.“

Vor der Saison verließ Loris Karius den FSV Mainz 05. Der Stammtorwart wechselte zum großen FC Liverpool. Zuletzt löste Mainz den Vertrag mit Ersatzmann Gianluca Curci auf. Damit rückte Müller zum dritten Torhüter auf. Wann er in der Bundesliga auflaufen wird? Er gibt sich branchenüblich zurückhaltend: „Das ist schwer einzuschätzen, man muss immer bereit sein.“ Alles eine Frage der Zeit.



Zur Person:

Von Lebach in die Bundesliga Florian Müller wurde am 13. November 1997 in Saarlouis geboren. Der Torwart spielte zuerst für den FV Lebach, ab der C-Jugend beim 1. FC Saarbrücken. 2013 wechselte Müller ins Nachwuchsleistungszentrum des FSV Mainz 05. Ein Jahr später gewann die Mainzer U 17 mit dem Saarländer erstmals den Titel in der Junioren-Bundesliga Süd/Südwest. Sie scheiterte dann im Halbfinale der deutschen Meisterschaft. Müller ist heute Stammspieler der U 23, die Tabellenletzter der 3. Liga ist. Er gehört auch zum Bundesliga-Kader von Mainz 05.

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