L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Scharfe Bombe auf Route des Castor-Transports

Von Thomas Schäfer, Frank Bredel und Marc Prams (SZ)

Saarbrücken. Als Manni, der Baggerfahrer, um kurz vor neun in der Früh die Schaufel in den gefrorenen Saarbrücker Boden rammt, weiß er noch nicht, welche Folgen sein Tun an diesem kalten Dezembertag haben würde. Aber er weiß, dass etwas nicht stimmt. „Irgendein Metallstück“ hätte er gesehen, sagt Manni später, er ruft sofort einen Kollegen und dann ist sein Arbeitstag erst einmal vorbei: Bombenalarm! Erneut ist gestern auf dem Gelände am Saarbrücker Güterbahnhof, wo ein riesiger Baumarkt aus dem Boden gestampft wird, eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Es war bereits der fünfte Bombenfund an dieser Stelle in den vergangenen Monaten.

Diesmal aber ist die Sache besonders kompliziert – und besonders gefährlich. Denn ausgerechnet gestern, wie erst am frühen Morgen entschieden wurde, sollte ein Castor-Transport mit radioaktivem Müll durch das Saarland und Saarbrücken rollen – ausgerechnet auf der Strecke, die direkt am Fundort der Bombe liegt. Es war ein unvorhersehbares Schreckensszenario, das die Polizei für Stunden in Aufregung versetzte. Denn eigentlich sollten allein 600 Mann der Bundespolizei dafür sorgen, das der Atom-Transport im Saarland ohne Zwischenfälle über die Bühne geht, was nach den heftigen Protesten rund um Gorleben vor fünf Wochen nicht zwangsläufig zu erwarten war.

Die Bombe durchkreuzte also die Planungen der deutsch-französischen Einsatzleitung. Wenige hundert Meter vor der Grenze stand der Zug sogar für einige Zeit still, bis geklärt war, ob die vorgesehene Bahnstrecke durch Saarbrücken genutzt werden kann – sie konnte nicht.

Denn die Bombe war besonders gefährlich. Werner Fuchs, Sprengstoffexperte beim Landeskriminalamt, hatte das Fünf-Zentner-Stück nach eingehender Prüfung als brisant eingestuft: „Von der Bombe schaut nur der Kopf aus dem gefrorenen Boden, doch die erkennbare Bauart ist gefährlich.“ Es sollte etliche Stunden dauern, bis der Kampfmittelräumdienst Entwarnung geben konnte – wiederum mit gravierenden Folgen, vor allem für Anwohner und Autofahrer. Denn als die Gefährlichkeit der Bombe bekannt war, wurde sofort mit der Evakuierung von Häusern im Wohngebiet „Am Homburg“ und in der Dudweiler Landstraße begonnen. Auch die Straße selbst wurde gesperrt, was für erhebliche Behinderungen sorgte. Teilweise standen Autofahrer an der Stadtgrenze eine Stunde im Stau. Im Bahnverkehr gab es durch die Bombe ebenfalls Verspätungen und Ausfälle.

Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz und Malteser waren derweil im Großeinsatz, um die Menschen in den betroffenen Gebieten in Sicherheit zu bringen. Wer nicht bei Bekannten unterkommen konnte, wurde in einer Grundschule am Rodenhof von den Hilfskräften versorgt.

Busse und Rettungswagen brachten vor allem ältere Menschen aus der Gefahrenzone. Auch Monika Catrein musste ihre Wohnung verlassen – schon zum zweiten Mal in diesem Jahr. Sie nahm es gelassen: „Bevor alles in die Luft fliegt, setzte ich mich doch besser in den warmen Bus und warte.“

Am Saarbrücker Hauptbahnhof warteten unterdessen knapp 50 Demonstranten mit Fahnen und Flugblättern auf die Ankunft des Castor-Transports. Die Saar-Grünen hatten dazu aufgerufen, um „ein Zeichen gegen die verfehlte Atompolitik der Bundesregierung“ zu setzen, wie Umweltstaatssekretär Klaus Borger sagte. Ansonsten blieb es im gesamten Saarland wie bereits zuvor in Frankreich ruhig. Die Bundespolizei jedenfalls registrierte nach Angaben von Sprecher Karsten Eberhardt keine Zwischenfälle.

Friedlich verlief dann auch der Zwischenstopp am Hauptbahnhof. Um 12.03 rollte der Zug mit den vier Behältern ein, neun Minuten später war er schon wieder weg. Wegen der Bombe setzte der Zug seinen Weg statt über Sulzbach aber über Fischbach fort, bevor er gegen 15 Uhr in Neunkirchen eintraf. Dort fand die Übergabe des Transports an die deutschen Sicherheitsbehörden statt. Doch auch in Neunkirchen deutete bis auf die enormen Polizeipräsenz nichts auf den Castor-Zug hin. Lediglich vier Atomkraftgegner hatten sich bei eisiger Kälte versammelt. Viele Neunkircher hatten nur zufällig von dem ungewöhnlichen Ereignis erfahren. „Das macht einem Angst, wenn man bedenkt, welche Gefahr davon ausgeht“, sagte Sabine Schild.

Während die gefährliche Fracht gegen 17 Uhr das Saarland durchquert hatte, war die Gefahr in Saarbrücken immer noch nicht gebannt. Im Gegenteil: Die Sprengstoffexperten mussten feststellen, dass die Fliegerbombe mit einem Langzeitzünder ausgestattet ist und die Bombe deshalb nicht entschärft werden konnte: Sie musste gesprengt werden. Wieder schickten die Einsatzkräfte Lautsprecherwagen raus, um die Bevölkerung aufzuforden, sich nicht mehr im Freien aufzuhalten. Erst gegen 20.30 Uhr war der Spuk dann (fast) vorbei. Ein mächtiger Knall beendete einen anstrengenden und aufregenden Tag – nicht nur für Manni, den Baggerfahrer.

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