L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Scheuerner Benefiz-Fest: Tränen und Applaus für Britta (26)

Immer wieder wischt sich Regina Backes Tränen von den Wangen, während sich Freunde und Bekannte um ihre Tochter Britta Schug scharen. Die 26-Jährige lächelt, wenn sich Menschen zu ihr beugen, sie drücken, umarmen, ihr zart über den Arm streicheln. Britta sitzt im Rollstuhl. Ist zum ersten Mal seit dem grausamen Geschehen vom 26. August in der Öffentlichkeit. „Sie wollte das so“, sagt ihre Mutter zutiefst gerührt. „Ich hatte Bedenken, wollte sie nicht vorführen, um Mitleid zu erhaschen. Aber Britta wollte hier hin.“ Zum ersten Mal wieder unter Menschen. Nach sechs großen und zahlreichen kleineren Operationen, nachdem sie ihr mittlerweile verurteilter Peiniger vergewaltigt, geknebelt und anschließend in den Kofferraum eines Autos gesperrt hatte. So fest verschnürt, dass sie bis heute an den daraus resultierenden Lähmungserscheinungen zu leiden hat. Laut Ärzte werde es mit den Behandlungen voraussichtlich noch ein Jahr weitergehen. An ihrer Seite: immer ihr Freund, den sie ein halbes Jahr vor dem dramatischen Vorfall kennen lernte. Britta mache Fortschritte, sei eine Kämpfernatur, berichtet Regina Backes während der Hilfsaktion am Sonntag auf dem Dorfplatz in Scheuern. „Sie kann auch schon wieder stehen.“ Auf das von der Dorfgemeinschaft und der Gemeinde organisierte Fest wird sie von ihrer Mutter mit dem Rollstuhl geschoben. Ihre Ankunft gegen ein Uhr am Mittag spricht sich rasch rum. Noch bevor sie das Gelände erreichen, bildet sich eine Menschentraube um Britta. Viele Freunde und Bekannte wollen sie begrüßen, umarmen, an sich drücken. Regina Backes: „Das ist überwältigend“ und greift erneut nach einem Taschentuch, um Tränen der Rührung zu trocknen.

Unterdessen spielen Musikvereine abwechselnd auf gleich zwei Bühnen des brechend vollen Dorfplatzes. Dabei sah am Morgen nach heftigen Schauern alles danach aus, als würde die Benefizveranstaltung „Gemeinsam für Britta“ ins Wasser fallen. Ortsvorsteher Dietmar Lauck atmet auf, als mit Brittas Erscheinen sogar die Sonne zum Vorschein kommt.

Vereine, der Ortsrat sowie die Gemeinde trommelten Musikgruppen, Einzelkünstler, Tanz- und Showtalente zusammen, um von zehn bis 21?Uhr ein volles Programm für die Veranstaltung hinzubekommen. Was üblich Monate in Anspruch nimmt, brauchte in diesem Fall „gerade mal sechs Wochen“, schildert Lauck. „Da haben alle mitgemacht. Und die Familie Vogel hat über 1000?Preise für eine Verlosung zusammengebracht.“ Darunter neben vielen kleinen Gewinnen so spendable Sachspenden wie ein Autoanhänger oder eine kostspielige Ballonfahrt. Über 150?Kuchen für das große Büfett stifteten Bürger, ergänzt Maria Kasper, die mit Kolleginnen aus dem Tholeyer Rathaus bedient. „Auch der Kaffee ist gespendet.“

Viele stellen unentgeltlich ihre Arbeitskraft bereit, unter anderem Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt und St.?Wendels Landrat Udo Recktenwald, die an einem Stand Bier zapfen. „Es ist ein trauriger Anlass“, gibt Recktenwald zu verstehen, „aber er zeigt, wie stark die Solidarität ist“. Dem pflichtet der Rathauschef bei.

Zu den Einnahmen durch den Verkauf an diesem Tag kommen immer neue Umschläge mit Geldspenden. Justizstaatssekretärin Anke Morsch hat solch einen ebenso dabei wie Holger Peter, Chef des Tholeyer Gewerbevereins Schaumberg.

Auch die Kirmesjugend bringt einen Scheck mit, überreicht ihn Britta persönlich. Ihr gleich tut es der Scheuerner Jahrgang 1986/87, dem Britta angehört. Brandender Applaus, als zwei Vertreter auf der Bühne ihre Altersgenossin ansprechen. Britta lächelt ein weiteres Mal, bevor wenig später Freunde sie entführen und über den Platz rollen, um mit den Menschen zusammenzukommen, die extra ihretwegen hier sind.

Brittas Mama hält es mittlerweile für eine richtige Entscheidung ihrer Tochter, zu deren Fest zu kommen. Nach der anhaltend großen Anteilnahme sowie Hilfsbereitschaft währen der zurückliegenden Monate bis heute sagt sie: „Britta hat’s verdient.“

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