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"Schickimickisierung" des Nauwieser Viertels befürchtet

Die Bewohner schätzen die Vielfalt ihres Viertels, auch der Kneipenszene.

Die Bewohner schätzen die Vielfalt ihres Viertels, auch der Kneipenszene.

St. Johann. Viele wollen hier wohnen und am liebsten nie mehr weg. Außer einem großen Lebensmittelmarkt gibt es eigentlich alles, was das Wohnen lebenswert macht. Die Rede ist vom Nauwieser Viertel. Es hat einen ganz besonderen Charme, und der soll nach dem Willen vieler Anwohner erhalten bleiben.

Darüber waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion am vorigen Freitagabend im Kino achteinhalb einig. Auf dem Prüfstand stand dabei die Stadtteilentwicklung. Können Stadtverwaltung und Politik den Prozess der Entwicklung überhaupt lenken? Welche Möglichkeiten der Mitgestaltung haben Anwohner und Gewerbetreibende des Viertels?

Das Nauwieser Viertel soll seinen Charme behalten

Mit diesen Fragen beschäftigten sich Friedhelm Fiedler (FDP), Hermann Hoffmann (CDU), Thomas Kruse (SPD), Harald Schindler (Linke) und Guido Vogel-Latz (Grüne); Jürgen Albers moderierte. Es ging auch um die von vielen befürchtete „Schickimickisierung“ des Viertels. Sicherheitsdezernent Schindel sprach von „Yuppisierung“. Jetzt, wo es kein Sanierungsgebiet mehr und die Mietbindung für Investoren ausgelaufen ist, rechnen viele im Viertel mit Mietsteigerungen. Dadurch könnten Alteingesessene, aber auch Studenten oder Künstler aus dem Viertel vertrieben werden. Es sei aber genau diese besondere Mischung aus Leben, Wohnen, Arbeiten, Gewerbe, Kneipenszene und kulturellem Leben, Jung und Alt, Ärmeren und Reicheren, die die Besonderheit und Liebenswürdigkeit ausmachten.



Mit einem Bebauungsplan will die Stadt das Wohngebiet schützen. Fiedler machte deutlich, dass er von einem solchen Verfahren nichts hält. Wenn alles festgeschrieben werde, verhindere das die Weiterentwicklung. Er forderte: „Das Viertel braucht einen Kümmerer.“ Sozusagen als Bindeglied zwischen der Stadt und den Bewohnern. Dass das Szeneviertel nach und nach „schickimickisiert“ wird, wie beispielsweise der Prenzlauer Berg in Berlin, diese Gefahr sieht Fiedler nicht: „Die Gemeinschaft wird das verhindern.“



Die Idee des Kümmerers fand Hoffmann gut. Allerdings plädierte er dafür, einen Bebauungsplan für das Viertel aufzustellen. Und er forderte eine Wohnungspolitik für die ganze Stadt. Zum Schutz des Gebietes sei ein solcher Plan durchaus sinnvoll, sagte Kruse. Er müsse aber gemeinsam mit den Betroffenen entwickelt werden. „Wir dürfen die Entwicklung nicht dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum.“ „Die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Viertel ist zu wenig“, erklärte Vogel-Latz und betonte: „Für die Entwicklung brauchen wir eine Strategie. Die müssen wir gemeinsam mit den Bewohnern aufstellen.“

Schindel machte sich für einen Bebauungsplan fürs Viertel stark: „Mit Regeln werden die Bewohner geschützt.“ Sie müssten aber in die Aufstellung eingebunden werden. Schindel weiter: „Bei einer Konferenz müssen alle an den Tisch.“ Das Fazit der fünf Kommunalpolitiker: „Die Mischung im Nauwieser Viertel muss erhalten bleiben.“
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