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Schornsteinfeger gesteht heimliche Nacktaufnahmen

Saarbrücken. Vor dem Saarbrücker Amtsgericht hat gestern ein Prozess gegen einen Saarbrücker Schornsteinfegermeister begonnen. Der 58 Jahre alte Angeklagte erschien mit offensichtlich angeklebtem Bart und Schnurrbart sowie mit einer schwarzen Perücke vermummt. Zusätzlich verbarg er sein Gesicht hinter einem Aktenordner. Er sei verheiratet und habe keine Kinder, erklärte er zu Prozessbeginn.

Nach der Anklageschrift hatte er seit 2008 in 298 Fällen sieben jüngere weibliche Mitarbeiterinnen und Auszubildende heimlich in den Duschräumen seines Saarbrücker Betriebes gefilmt. Dazu habe er in den Steckdosen zwei versteckte Mini-Kameras installiert.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden nicht nur die archivierten Aufnahmen der aufgenommenen Frauen, sondern auch kinderpornografisches Material gefunden. Auf rund einer Million Bilddateien seien sexuelle Darstellungen gefunden worden, darunter an Kindern im Kleinstkind- und Babyalter – heißt es in der Anklageschrift.

Ohne Einschränkung gab der Angeklagte beide Vorwürfe zu. Auf die Frage der Richterin nach dem Warum, berichtete er von einem Hang, solche Dinge zu tun. Eine Störung im sexuellen Bereich liege wohl schon seit seiner Kindheit vor. Das sei ihm erst bewusst, nachdem er sich nach der Aufdeckung in psychotherapeutische Behandlung begeben habe. Und weiter: „Was ich gemacht habe, war ja eigentlich nur Schlüssellochgucken.“ Ein Wort der Entschuldigung fand er nicht. Auf Antrag des Verteidigers will das Gericht nun ein psychologisches Gutachten über den Angeklagten erstellen lassen. Es soll klären, ob er voll schuldfähig ist.

Die gefilmten jungen Frauen erschienen unvermummt als Zeuginnen oder Nebenklägerinnen. Aber alle schämten sich. Sie berichteten von Ängsten und seelischen Belastungen. Zwei befinden sich immer noch in therapeutischer Behandlung. Dennoch schildern sie ihren ehemaligen Chef als einen netten Mann. Keine hätte ihm das zugetraut. Gleichwohl gab es in der Berufsschule Gerüchte, woraufhin einige in Umkleidekabinen und Duschen nachsahen, aber nichts fanden. Eine der Auszubildenden stellte ihn gemeinsam mit ihren Eltern zur Rede. Er habe abgewiegelt. Fall es überhaupt eine Kamera gebe, könnte sie jeder installiert haben und es stünde Aussage gegen Aussage. Sie nahm das so hin, schließlich hätte sie andernfalls mit einer abgebrochenen Ausbildung dagestanden.

Laut Nebenklägeranwalt sollen schon 2004 Kameras installiert worden sein. Etwa ein Drittel der insgesamt 437 Fälle sei daher bereits verjährt, da die Frist dafür drei Jahre betrage. Dem Angeklagten drohen nun bis zu fünf Jahre Haft. Der Prozess soll am 13. November fortgesetzt werden.
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