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"Schreckliche Ungewissheit"

Der angebliche Justizirrtum, der ein saarländisches Ehepaar in Frankreich für Jahre hinter Gitter brachte, sorgt auch in Paris für erheblichen Wirbel. Auch die Zeitung "Le Monde" griff den Fall inzwischen auf.

Saarbrücken. Der Fall des saarländischen Ehepaares Reuters (Name von der Red. geändert), das im November 1997 in Montpellier wegen sexuellen Missbrauchs seiner beiden Kinder zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden war, wirbelt in Frankreich erheblichen Staub auf. Nicht nur "Le Monde" als eine der führenden Tageszeitungen in Paris berichtet über die "beschmutzte Ehre" der Familie Reuters. Bis hinunter nach Nîmes und Narbonne wird die Frage aufgeworfen, ob Robert Reuters und seine Frau Silke vor zwölf Jahren zu Recht verurteilt wurden.

Beide waren gerichtlich belangt worden, weil der Mann angeblich die beiden Kinder Florian (11) und Sabrina (8) während eines Urlaubs auf einem Campingplatz der südfranzösischen Hafenstadt Sète mehrfach sexuell missbraucht hatte (SZ vom 23. Februar, Seite B 2). Seiner Frau Silke wurde eine zweijährige Haftstrafe wegen unterlassener Hilfeleistung auferlegt. Der Fall war wegen der Anzeige einer Camping-Nachbarin ins Rollen gekommen, die behauptet hatte, sie habe den Vater mehrfach in eindeutigen Stellungen mit den beiden Kindern beobachtet. Nicht berücksichtigt wurde vom Geschworenengericht die von Medizinern festgestellte Tatsache, dass die Tochter Sabrina auch nach den angeblichen sexuellen Übergriffen noch Jungfrau war.  Ebenso fiel die Tatsache unter den Tisch, dass das damals achtjährige Mädchen die vermuteten Übergriffe erst einräumte, als man ihr versprach, dass man dem Vater medizinisch helfen wolle, wenn erst mal das Geständnis der Tochter vorliege.

Schon 1997, als Vater Robert zu einer zwölfjährigen Haft verurteilt wurde, hatte die in Montpellier erscheinende Regionalzeitung "Midi Libre", die den Prozess begleitete, erhebliche Zweifel an der Schuld der saarländischen Angeklagten, die beide von Anfang an und bis zuletzt den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs bestritten. So titelte der "Midi Libre" nach der ersten Verhandlung im November 1997: "Hat das deutsche Ehepaar wirklich sexuellen Missbrauch mit seinen Kindern betrieben?" Und am nächsten Tag wurden die Zweifel an der Anklage mit der gleichen Nachdrücklichkeit formuliert: "Schreckliche Ungewissheit". "Man stürzt von einem Extrem ins andere", wurde in dem Bericht herausgestellt, der aber ebenso vermerkte, dass die Ehepartner mit keiner Silbe von der Version abgewichen seien, dass es nie einen sexuellen Missbrauch der Kinder gegeben habe. Immerhin wurde in diesem Bericht aber auch hervorgehoben, dass die "psychischen und gesundheitlichen Probleme der Kinder verschwunden sind, seit sie von ihren Eltern getrennt sind". Dies wurde von einem Mediziner als Hinweis darauf gewertet, dass den beiden Kindern sehr wohl von ihren Eltern Leid zugefügt worden sein könnte.

Doch Tochter Sabrina (heute 20) weist diese Vermutung gegenüber unserer Zeitung zurück. Es sei ihr bei der Pflegefamilie auf einem Bauernhof in Südfrankreich gut gegangen. Sie habe dort Tiere um sich herum gehabt, auch Pferde zum Reiten. Sabrina: "Es war dort so, wie man es sich wünscht, als Kind aufzuwachsen." Auf die Frage, warum sie überhaupt in eine französische Pflegefamilie kam, antwortet sie: "Weil die Sache in Frankreich passiert ist."

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