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Schrottimmobilien: Saarländerin verurteilt

Saarbrücken. Der weltweite Traum vom schnell verdienten Geld mit Immobilien hat einen Ableger im Saarland. Hier gelang es einer Arbeiterin (36) gemeinsam mit Bekannten, aus nahezu wertlosen Häusern auf dem Papier rentable Renditeobjekte zu machen. Diverse Banken fielen darauf herein, gewährten Kredite von 800.000 Euro. Heute ist das Geld weg, die zur Sicherheit verpfändeten Immobilien sind kaum etwas wert und die 36-Jährige sowie zwei ihrer Bekannten mussten wegen Betruges und Urkundenfälschung vor das Landgericht. Die Arbeiterin wurde zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Ihre beiden 45 Jahre alten Bekannten zu acht Monaten mit Bewährung.
Angefangen hatte das Ganze in den Jahren 2006/2007. Angesteckt vom weltweiten Immobilienboom wollten auch die Angeklagten am Geschäft mit Häusern, die Tag für Tag wertvoller werden, mitverdienen. Für relativ wenig Geld kauften die Hauptangeklagte und ihr Ehemann ein sanierungsbedürftiges Mehrfamilienhaus in Idar-Oberstein. Das wurde oberflächlich renoviert und wieder verkauft. Käufer war der heute 45 Jahre Mitangeklagte. Der arbeitsunfähige Handwerker machte damals gerade ein Praktikum in einem Betrieb. Als er gefragt wurde, ob er ein Haus kaufen wollte, habe er dies für einen Witz gehalten und „ja, klar“ gesagt. Aber dann habe die spätere Hauptangeklagte alles geregelt, er habe alles unterschrieben und von einer Bausparkasse 166.000 Euro Kredit zum Kauf des Fünf-Familienhauses bekommen. Das Geld ging an die Verkäufer. Und von denen habe er dann 30.000 Euro als Anteil für sich selbst erhalten. Nun hatte er viel Geld und ein Haus.

Traum vom schnellen Geld platzt

„Vielleicht habe ich ja doch einmal Glück im Leben“, habe er da gedacht. Aber daraus wurde nichts. Der Kredit bei der Bank war mit manipulierten Unterlagen erschwindelt worden. Mit einer gefälschten Gehaltsabrechnung, mit einem erfundenen Baukostenzuschuss von einer nicht vorhandenen Schwester, mit frei erfundenen Mietverträgen und mit einem manipulierten Wertgutachten. Ergebnis: Die Blase platze, das Haus ging in die Zwangsversteigerung und der mittellose Mann hat nun 200.000 Euro Schulden, die er wohl niemals wird tilgen können.

Ähnlich erging es den anderen Käufern wie der mitangeklagten Frau. Ihr Traumhaus, das sich selbst finanzieren sollte, liegt in Sulzbach. Die Hauptangeklagte hatte es 2007 für 50.000 Euro gekauft. Rund neun Monate später verkaufte sie es an ihre Bekannte für 260.000 Euro weiter. Finanziert wurde der Preis über zwei Kredite bei einer Bank. Dem Institut waren manipulierte Unterlagen vorgelegt worden – unter anderem eine Lohnabrechnung nebst Kontoauszügen der geringfügig beschäftigten Frau. Danach verdiente sie im Monat 3000 Euro brutto. Die Bank prüfte das nicht nach und gewährte den Kredit für das leer stehende, auf dem Papier vermietete Objekt.

Die Masche funktionierte. Offenbar wollte keine Bank die Häuser sehen und alle glaubten den fast komplett manipulierten Unterlagen. Also wurde 2008 das dritte Haus angegangen. Es liegt in Freisen. Kaufpreis: 8400 Euro. Verkaufspreis rund sechs Monate später: 117.000 Euro. Finanziert über einen Kredit für das zwischenzeitlich teilweise sanierte Haus in Höhe von 125.000 Euro. Der mittellose Käufer, gegen den wegen Kreditbetruges ermittelt wird, ist unauffindbar. Das gilt auch für den vierten Hauskäufer auf Pump. Diesmal verkaufte die Angeklagte 2009 ihre eigenes Haus für 290.000 Euro an einen Franzosen. Der war auf dem Papier zahlungskräftig, verdiente im Monat 5600 Euro brutto (tatsächlich: 420 Euro) und hatte auf der Bank ein Guthaben von rund 40.000 Euro (tatsächlich: null).
Kurze Zeit später platzte die hiesige Immobilienblase. Geldbewegungen zum letzten Verkauf hatten Schwarzgeld-Fahnder alarmiert. Die deckten alles auf.


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