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Schüchterne Saarbrücker bekommen auf Facebook Flirt-Hilfe



Saarbrücken. Eine Chance für Introvertierte soll es sein, eine Art Puffer für eine zweite Chance. Philippe Loew hat mit drei Kommilitonen der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) die Facebook-Seite „Spotted: HTW des Saarlandes“ gegründet. Das Prinzip ist einfach: Wer am Campus jemanden gesehen hat, sich aber nicht getraut hat, ihn oder sie anzusprechen, schickt eine Nachricht an die Betreiber, die anonymisiert auf die Seite gestellt wird.

Hilfe bei der Suche

Liest der Gesuchte diese „Kontaktanzeige“, kann er zurückschreiben. Die Betreiber informieren dann den Suchenden, und leiten den Namen an ihn weiter – falls der oder die Gesuchte damit einverstanden ist. Außerdem können andere Facebook-Mitglieder die Beiträge kommentieren und Tipps geben, wer die gesuchte Person sein könnte. „Wir wollen so wenig wie möglich zensieren“, erklärt Loew zur Pflege der Seite. Veröffentlicht aber ein Nutzer den Namen der gesuchten Person, so wird dieser Eintrag gelöscht.

Über den Erfolg der Facebook-Seite zeigt sich der 27-jährige Student des Wirtschaftsingenieurwesens erstaunt: zwei vermittelte Treffen, zehn Nachrichten und über 560 „Gefällt-mir“-Angaben auf der Spotted-Seite, dabei ist diese nicht mal zwei Wochen alt.

Das Projekt von Loew ist nicht die einzige Spotted-Seite im Saarland. So gibt es auch „Spotted: Nachtleben Saarbrücken“, „Spotted: Campus Homburg“ und „Spotted: Universität des Saarlandes“. Auf Letzterer ist bis jetzt am meisten los: Über 20 Anfragen wurden seit dem 9. Januar schon gestellt. Da wird zum Beispiel die „süße brünette Zaubermaus aus der Philosophievorlesung“ gesucht. Eine Nutzerin hat sich in den „blonden jungen Mann in der Mensa“ verliebt, der „ein Sandwich belegt mit Käse, Salat, einer Scheibe Tomate und einer verspielten Gurke mit voller Hingabe und Liebe zum Detail verschlang“. Die Antworten der Mitglieder sind nicht immer ganz ernst gemeint, aber mit über 2600 „Gefällt-mir“-Angaben herrscht reges Interesse, über 2000 Facebook-Nutzer sprechen über die Seite, deren Gründer bislang anonym bleiben wollen.

Die Spotted-Idee stammt aus Großbritannien, wo sich Studenten seit Dezember vergangenen Jahres auf Partnersuche begeben. Aber auch in Deutschland gibt es seit Anfang Januar viele solcher Facebook-Seiten für Universitäten und das Nachtleben in den Städten. Allein 50 davon haben die Studenten Fabian Schlötel aus Leipzig, Kai Strehler aus Ilmenau und Markus Schrickel aus Langewiesen in Thürigen gegründet. Nach neun Tagen zählen sie über 10 000 Nutzer, täglich kommen neue dazu. „Wir haben eine strikte Aufgabenteilung, schlafen aber sehr wenig“, erzählt der 22-jährige BWL-Student Schrickel. „In der Zeit der sozialen Netzwerke hat das noch gefehlt, es ist am Nerv der Zeit“, findet er.

Selektion von Nachrichten

Besonders aktiv seien Studenten in Osnabrück, Hannover, Dresden, Erfurt und Leipzig. „Wir selektieren die Nachrichten und löschen gepostete Namen und Links zu Nutzer-Profilen.“ Daten würden nicht gespeichert, nach maximal sieben Tagen werden die Nachrichten im Postfach gelöscht, erklärt Markus Schrickel.

Sorgen ums Thema Datenschutz bei den Spotted-Seiten macht sich Judith Thieser, saarländische Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit. Denn die Informationen, die auf den Spotted-Seiten im sozialen Netzwerk über Personen zusammengetragen werden, seien weltweit recherchierbar. Außerdem könnten Gesuchte nicht verhindern, dass auf den Seiten „ein persönliches Bild“ von ihnen gezeichnet werde.
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