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Schulreform soll schnell kommen

Saarbrücken. Landschaften verändern sich in der Natur gemächlich. Kontinentalplatten schieben sich auf- und untereinander. Unmerklich. Erst wenn sich aufgestaute Spannung löst, kracht es. An der Saar geht durch und Schul- und politische Landschaft seit Mittwoch ein Ruck. Zwar entsteht dabei keine neue Welt, allerdings baut sich Spannung auf, seit die Linken in Fraktion und Vorstand beschlossen haben, die Schulreform von CDU, FDP und den Grünen mitzutragen.

Bis zur Sommerpause soll die Änderung der Verfassung unter Dach und Fach sein. Möglichst im Mai will Bildungsminister Klaus Kessler – der Motor der Reform – den Landtag endgültig darüber abstimmen lassen, dass die Gemeinschaftsschule und das Gymnasium dort verankert werden. Die letzte Verhandlungsrunde zwischen den Fraktionen ist am 23. Februar. Eine Einigung nur Formsache? Womöglich nicht.
Für die Schullandschaft bedeutet es eine tiefgreifende Veränderung, wenn Gesamt- und Erweiterte Realschulen (ERS) zusammenwachsen und zur Gemeinschaftsschule werden. Nach den Vorstellungen der Regierung sichert die vor allem kleinere Standorte, die sonst angesichts zurückgehender Schülerzahlen bedroht wären. Die Gemeinschaftsschule soll eine Alternative zum achtjährigen Gymnasium sein und den Weg zur Hochschulreife in 13 Jahren durch eigene Oberstufen oder Kooperationen eröffnen, wie Bildungsminister Kessler mehrfach betont hatte.
Die „wohnortnahe Gemeinschaftsschule“ nannte das die Linke in ihrer Vorlage zur entscheidenden Sitzung am Mittwoch. Als weitere Grundbedingungen sind dort die Möglichkeiten für eine Oberstufe und die „Gestaltung der Unterrichtsorganisation im Sinne des pädagogischen Profils der Gesamtschule“ aufgeführt.

Eine bürokratische Formulierung, die der Bildungsminister gestern inhaltlich korrigierte: „Das ist eine Interpretation von Lafontaine“, sagte er am Rande der Landtagsdebatte. „Wir machen keine Gesamtschule in der inhaltlichen Organisation, sondern wir machen eine Gemeinschaftsschule“, so Kessler. Dort seien sowohl Elemente der Erweiterten Real- als auch der Gesamtschule enthalten, etwa indem es keine Trennung der Bildungsgänge mehr geben soll, sondern eine von Fach zu Fach bezogene Differenzierung. Zugleich soll in der Gemeinschaftsschule die Berufsorientierung betont werden, wie sie in der ERS „mit großem Erfolg“ praktiziert werde.

Mit Spannung verfolgen in Zukunft vor allem die Elternvertreter, wie sich die Klassengrößen entwickeln. Gehen die Eltern doch davon aus, dass in kleineren Klassen besser gelehrt und gelernt werden kann. Kessler sagte, kleinere Klassen strebe er weiter an: „Das bleibt mein Bemühen.“ Und die gesetzlich definierte Klassengröße von höchstens 26 Schülern pro Standort, die SPD und Linke in den Verhandlungen gefordert hatten? „Das wird nicht gesetzlich festgelegt“, so der Minister. Er gehe davon aus, dass das von den Linken akzeptiert sei. Fraktionschef Lafontaine habe gesagt, es sei ihm wichtiger, mehr Lehrer im System zu haben, um den Unterrichtsausfall zu bekämpfen.

Unverrückbar steht für Kessler fest, dass kein Bildungs-Projekt der Koalition in Zukunft auf der Strecke bleibe. Allerdings räumt er ein, dass es wegen des Schulkompromisses zu Verzögerungen kommen kann. Weitere Spannungen sind also nicht ausgeschlossen.


Auf einen Blick
Landtagsfraktion und Vorstand der Linken entschieden am Mittwochabend, die für die Schulreform nötige Verfassungsänderung mitzutragen.
Zur Begründung erklärte Fraktionschef Oskar Lafontaine: Die Linke habe im Landtagswahlkampf selbst eine umfassende Gemeinschaftsschule gefordert. Lafontaine sprach von einem Kompromiss, der jedoch aus Sicht der Linken einen Fortschritt darstelle, „wenn statt fünf nur zwei Schulformen in der Verfassung stehen“. Diese zwei Schulformen würden „mit Sicherheit dazu führen, dass Schulschließungen vermieden werden“ könnten. Zudem sei es möglich, mit der Gemeinschaftsschule die soziale Auslese zurückzuführen. Desweiteren soll, wie von der Regierung angeboten, der Unterrichtsausfall deutlich reduziert werden. „Dies war für uns noch wichtiger als der Klassenteiler“, sagte Lafontaine. pg
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