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Schulschwänzen hat im saarländischen Alltag viele Formen

Auf Deutschlands Flughäfen herrscht jetzt vorösterliches Gedränge. Schulkinder dürfen allerdings vor Ferienbeginn nicht mit den Eltern abfliegen, nur damit die ein Reiseschnäppchen ergattern. Das kann auch in Ensheim Ärger geben. symbolFoto: Roland Weihrauch/dpa

Auf Deutschlands Flughäfen herrscht jetzt vorösterliches Gedränge. Schulkinder dürfen allerdings vor Ferienbeginn nicht mit den Eltern abfliegen, nur damit die ein Reiseschnäppchen ergattern. Das kann auch in Ensheim Ärger geben. symbolFoto: Roland Weihrauch/dpa

Überraschung beim Einchecken: Was wollen die denn? Bundespolizisten nahmen vor Ferienbeginn auf dem Flughafen Paderborn Familien mit schulpflichtigen Kindern unter die Lupe. Das berichtete die „Westfalenpost“. Wer ohne Bescheinigung der Schule unterwegs war, dass die Kinder vom Unterricht befreit sind, hat sich den Urlaub vermasselt. Bußgeld pro Kind und geschwänzten Tag: 80 Euro.

Ortswechsel. Am Donnerstag ist im Saarland der letzte Schultag vor den Osterferien. Und was wird hierzulande aus dem Schnäppchen für die ganze Familie? Dafür ein, zwei Tage früher abreisen oder lieber doch die Ferien abwarten? Zu Letzterem mahnt das saarländische Bildungsministerium. Denn wer mit Schulkindern an den letzten Unterrichtstagen aufbricht, handelt gegen das Schulpflichtgesetz, wie das Ministerium auf Anfrage mitteilt. Beurlauben lassen kann sich zum Beispiel, wer über die Ferien hinaus zur Kur oder in eine Reha fährt oder einen Todesfall in der Familie hat. Vergünstigte, weil vor den Ferien angetretene Reisen scheiden als Grund aus. Stellt die Schulleitung eine illegale Ferienverlängerung fest, führt das zu unentschuldigten Fehltagen im Zeugnis. Schulschwänzer beschäftigen die Polizistin Esta Recktenwald und ihre Leute vom Jugendsachgebiet des Kriminaldienstes Saarbrücken das ganze Jahr über. „Die Schulen in unserem Zuständigkeitsbereich sind relativ fit und wollen die Schulpflichtverletzung beenden.“ Die Lehrer wenden sich erst an die Eltern , danach an die Polizei . „Dann gibt es zwei Arten von Eltern : Die einen, die das abstellen. Und die anderen, die das nicht tun.“ Die Folgen: Schulschwänzer , die den Abschluss vergeigen, an Drogen geraten. Schwänzen ist beim Regionalverband ein so großes Thema, dass er für seine weiterführenden Schulen und seine Jugendhilfe einen Kooperationsleitfaden bei Schulverweigerung erarbeitet hat. Er weist klare Rollen zu: Lehrern, Eltern , Schulsozialarbeitern, der Beratungsstelle bei Schulverweigerung, der Bußgeldstelle. Und Beamten wie Thomas Rehlinger von der Kontaktpolizei St. Johann. „Das Thema war vor Jahren in den Fokus gerückt. Es gab viele Bitten von Schulen, die jungen Leute zu bringen. Solche Schulzuführungen gibt es immer noch, aber die Zahl ist stark rückläufig.“ Rehlinger und die Kollegen sind an Treffpunkten von Schwänzern, gehen etwa in den Bürgerpark. Sie sprechen junge Leute an, die dort noch nicht hingehören.

Und was passiert auf dem Flughafen Saarbrücken, Startort für Tausende Osterurlauber? Dieter Schwan, Sprecher der Bundespolizeiinspektion in Bexbach, sagt, in Ensheim gebe es kaum Flüge zu Zielen außerhalb des Schengen-Raumes. Daher sorge die Bundespolizei für die Sicherheit auf dem Flughafen und prüfe Pässe und Ausweise nur bei Non-Schengen-Flügen, etwa in die Türkei. „Die Suche nach Ferienverlängerern ist kein Schwerpunkt. Es liegt uns auch kein Ersuchen des Kultusministeriums vor.“ Falle Kollegen, gleichsam als „Beifang“, ein Fehlverhalten auf, erfahre das Ministerium davon.

Bei Geldbußen liegt die Spanne zwischen fünf und 1000 Euro. Da die Buße den Vorteil aus der Ordnungswidrigkeit übersteigen soll, kann der Ferien-Frühstart noch teurer werden. „Ziel ist es, die Schulen immer wieder bei Schulfernbleibern zu sensibilisieren, schnell zu handeln und rasch ins Gespräch zu gehen, aber auch die Fehlzeiten regelmäßig zu notieren“, sagt Simone Geib-Walter, Schoolworkerin beim Saarpfalz-Kreis. Sie fügt an: „Festzustellen ist, dass zunehmend mehr Eltern ihre Kinder nicht mehr abmelden, dies auch beginnend im Grundschulbereich. Bei den Gymnasien trifft dies weniger zu. Eine neue Situation stellt sich bei den Flüchtlingskindern dar, die teilweise aus bildungsfernen Schichten kommen und denen ein regelmäßiger Schulbesuch aus ihren Herkunftsländern gänzlich nicht so bekannt ist.“ Obwohl es keine Erhebungen über die Anzahl der Schulverweigerer beziehungsweise Schulschwänzer im Saarpfalz-Kreis gibt, verweist die Verwaltung in Homburg auf die große Bandbreite an Präventionsmaßnahmen, wie der Einsatz Schoolworker und die Schulsozialarbeit. Dazu gehörten auch die Koordinierungsstelle Schulverweigerung im Saarpfalz-Kreis (Kosis) für Schülerinnen und Schüler , die eine der weiterführenden Schulen im Saarpfalz-Kreis (Sekundarstufe I) besuchen und ihre Schullaufbahn belegbar durch aktive Schulverweigerung gefährden. Der Kreis hat dazu eine „Handlungsempfehlung zum Vorgehen bei Schulabwesenheit für Schulen im Saarpfalz-Kreis“erarbeitet. Diese Empfehlung sei im Rahmen eines Kooperationsprojektes unter Beteiligung aus Einrichtungen, Ämtern und Behörden im Saarpfalz-Kreis, Vertreterinnen und Vertretern der Schulleitung aller Schulformen in Abstimmung mit den zuständigen Referaten im Ministerium für Bildung erarbeitet worden, so Landrat Theophil Gallo . „Es ist wichtig, eine gut funktionierende Präventionskette aufzubauen, die vom Elternhaus über die Schule bis hin zu den professionellen Beratungsstellen reicht, um mit dem wertvollen Gut ,Bildung' möglichst alle jungen Menschen zu erreichen.“, unterstreicht der Saarpfalz-Landrat. Bei der Koordinierungsstelle Schulverweigerung im Saarpfalz-Kreis (Kosis) gebe es seit September 2015 insgesamt 166 Beratungen und sieben sogenannte Casemanagement-Fälle mit einem langem, intensiven Unterstützungsbedarf.

Im vergangenen Schuljahr 2014/15 konnten 55 Schülerinnen und Schüler in diesem speziellen Casemanagement betreut werden. Davon seien 40 Prozent erfolgreich ins Regelschulsystem integriert worden. „Bei 70 Prozent der Fälle von unentschuldigtem Fehlen war eine Verbesserung zu verzeichnen“, so Gallo abschließend.

Weitere Informationen sind beim Saarpfalz-Kreis unter der Telefonnummer (0 68 41) 10 40 oder online unter www.saarpfalz-kreis.de erhältlich.

Das Diakonische Werk an der Saar hat eine „Beratungsstelle 2. Chance bei Schulverweigerung“ im Regionalverband Saarbrücken bereits seit dem 1. September 2008. Wie Helmut Paulus, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Diakonischen Werk erklärte, wurde diese Stelle gemeinsam mit dem Jugendamt des Regionalverbandes im Rahmen des Bundesprogramms „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ eingerichtet. Die Zielsetzung richte sich an Schüler und Schülerinnen ab zwölf Jahren „mit schulverweigerndem Verhalten, insbesondere Fehlzeiten“. Paulus: „In der Regel erfolgen Meldungen an uns über die Schulen in enger Absprache mit der Schulsozialarbeit. Betroffene Eltern , andere soziale Einrichtungen und Jugendamt können sich auch direkt an uns wenden.“ In Saarlouis gebe es ein weiteres Projekt im Rahmen der dortigen Jugendsozialarbeit.

 

Zum Thema:
An der Prävention seitens des Saarpfalz-Kreises beteiligten sich die Psychologische Beratungsstelle, der Schulpsychologische Dienst, der Bezirksdienst des Kreisjugendamtes, das Amt für Ordnungswidrigkeiten, das Amt für soziale Sicherung, die Schoolworker, Schulleitungen unserer Schulen in Schulträgerschaft sowie die Arbeit und Qualifizierung im Saarpfalz-Kreis (AQuiS) mbH. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) bietet auch in Homburg eine ganze Bandbreite an Präventionsmaßnahmen, darunter das Sozialpädagogische Netzwerk (SPN), an. Das Caritas Zentrum in St. Ingbert bietet ebenfalls sozialpädagogische Präventions-Projekte an. In den Grundschulen der Stadt Homburg kommt das klassische Schulschwänzen – außer vielleicht in ganz seltenen Einzelfällen - nicht vor.
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