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Schwarzfahren wird teurer – und im Saarland riskanter

„Mein Hund hat den Fahrschein gefressen.“ Oder: „Ich dachte, sonntags wäre gratis.“ Auch schön: „Meine Freundin hat Schluss gemacht und alles weggeworfen, was ich habe.“ Wenn Kontrolleure Schwarzfahrer erwischen, bekommen sie originelle Ausreden zu hören. Künftig womöglich noch häufiger, denn Schwarzfahrer müssen jetzt tiefer in die Tasche greifen. Zum 1. Juli wird das „erhöhte Beförderungsentgelt“ von 40 auf 60 Euro angehoben. Diesen Betrag muss zahlen, wer ohne Ticket erwischt wird oder seinen Fahrschein nicht ordnungsgemäß entwertet hat. Die letzte Erhöhung ist zwölf Jahre her. Seither ist das Leben teurer geworden, auch Tickets kosten mehr – aus Sicht des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) schrecken 40 Euro daher nicht mehr ausreichend ab. „ Schwarzfahren in Bussen und Bahnen darf sich nicht lohnen“, sagt auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ( CSU ).

Er hat eine Bundesratsinitiative aufgegriffen und zwei Verordnungen angepasst. Allerdings schaffen viele Verkehrsbetriebe die Umstellung nicht rechtzeitig. In Hamburg, München oder an Rhein und Ruhr gelten die Änderungen erst ab August. Auch die Deutsche Bahn bittet Schwarzfahrer erst in vier Wochen stärker zur Kasse, weil noch die Lesegeräte der Kontrolleure in ganz Deutschland umgestellt werden müssen. In Berlin, Stuttgart oder Saarbrücken werden dagegen ab sofort 60 Euro fällig. Saarbahn-Geschäftsführer Andreas Winter unterstützt die Anhebung. Er spricht von einem „wichtigen Schritt“ für seine Branche, aber auch für alle ehrlichen Fahrgäste. „Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer an Schwarzfahrern in unseren Bussen und Bahnen zwischen drei und vier Prozent liegt“, sagt Winter: „Dabei sprechen wir von entgangenen Einnahmen von bis zu einer Million Euro pro Jahr.“ Um Schwarzfahrern auf die Schliche zu kommen, setzt die Saarbahn künftig auf noch stärkere Kontrollen.

Bundesweit gehen den Verkehrsbetrieben durch Schwarzfahrer jährlich 250 Millionen Euro verloren, schätzt der VDV. Und noch einmal 100 Millionen müssen sie in die Hand nehmen, um die Kontrolleure und deren Ausrüstung zu bezahlen. Die Kriminalstatistik listet fürs vergangene Jahr 271 119 Fälle von „Beförderungserschleichung“ auf, wie das Schwarzfahren in der Fachsprache heißt – im Vergleich zu 2013 ein Anstieg um 15,2 Prozent. Laut VDV hat das hauptsächlich damit zu tun, dass intensiver kontrolliert wird. Denn gezählt wird natürlich nur, wer erwischt wird. Es macht also Sinn, dass die Saarbahn mehr Kontrolleure losschickt. Denn hierzulande ging die Zahl der von der Polizei registrierten Schwarzfahrer laut Landespolizeipräsidium zurück: Waren es 2012 noch 1978, so sank die Zahl 2013 auf 1858 und im Vorjahr auf 1668 Fälle.

Aber haben überhaupt alle Schwarzfahrer eine Strafe verdient? „Man muss versuchen, in irgendeiner Form zu differenzieren zwischen Leuten, die wirklich vorsätzlich ständig schwarzfahren, und Leuten, die am Automaten gescheitert sind“, sagt der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn , Karl-Peter Naumann. Das viel zu komplizierte Tarifsystem mit seinen regionalen Unterschieden mache es den Kunden unnötig schwer, an die richtige Fahrkarte zu kommen. Mal müssten die Tickets vor der Fahrt gekauft werden, mal in der Bahn, mal müssten sie abgestempelt werden, mal nicht, kritisiert auch Marion Jungbluth vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Sie ist überzeugt, dass viele Schwarzfahrten gar nicht absichtlich passieren. Der Gesetzgeber sehe für solche Fälle eigentlich eine Kulanzregelung vor. Aber: „Man stellt zunehmend fest, dass die Kontrolleure das Wort Kulanz gar nicht kennen.“

Bleibt die Frage, woher das Wort „ Schwarzfahrer “ überhaupt kommt. Vor drei Jahren sorgte in München ein damaliger Linken-Stadtrat für Schlagzeilen. Er sah die Bezeichnung als diskriminierend an, weil sie die Hautfarbe bestimmter Menschen in einen negativen Kontext stelle. Die Münchner Verkehrsgesellschaft forderte er auf, „ Schwarzfahrer “ durch eine „nicht-rassistische“ Vokabel zu ersetzen, etwa „Ticketsünder“. Bei Sprachforschern löste er nur Kopfschütteln aus. Mit der Hautfarbe habe der Begriff nichts zu tun. So wie ein blinder Passagier nichts mit einem Blinden zu tun habe. Vielmehr stehe „schwarz“ in dem Fall für illegal. Für etwas, was im Verborgenen passiert.
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