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Schwere Zeiten für Kirkeler Praktiker-Baumarkt

Kirkel. Praktiker-Chef Wolfgang Werner schmeißt die Brocken hin. Das gab der Kirkeler Baumarkt-Konzern gestern in einer schmallippigen Ad-Hoc-Mitteilung bekannt. Werner habe den Aufsichtsratsvorsitzenden Kersten von Schenck darüber informiert, „dass er sein Mandat niederlegt“. „Der Aufsichtsratsvorsitzende hat Herrn Werner gebeten, seine Aufgaben solange weiter wahrzunehmen, bis der Aufsichtsrat die Nachfolge geregelt hat“. Damit sei sichergestellt, „dass der Vorstand zu keiner Zeit führungslos ist“. Eine weitere Erklärung oder Stellungnahme gab es nicht.



Werner verlässt die Praktiker-Kommandobrücke bei rauer See. Das zweite Vierteljahr (April bis Juni), das für Baumärkte normalerweise die beste Zeit ist, weil im Frühjahr die Bastler und Garten-Buddler nach langen Wintermonaten wieder Hand anlegen können, muss katastrophal verlaufen sein. Am kommenden Mittwoch (27. Juli) werden die Zahlen für dieses Quartal und das erste Halbjahr vorgestellt. Was bisher bekannt ist, hört sich grausam an. So erwarten die Analysten der Commerzbank, dass der Umsatz um 7,5 Prozent auf rund 960 Millionen Euro gefallen ist. Der operative Verlust soll bei 237 Millionen Euro liegen.

Im Vorjahr wurde noch ein Plus von 52,2 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Analysten des Bankhauses Lampe gehen sogar davon aus, dass der Umsatz im zweiten Vierteljahr um neun Prozent abgeschmiert ist. Die Fachleute von Lampe prognostizieren für das Jahr 2011 einen Verlust von 7,70 Euro je Aktie. 2012 soll dieses Minus noch bei 0,26 Euro pro Firmenpapier liegen. Der Kurs der Praktiker-Aktie ist in den vergangenen Monaten heftig unter die Räder gekommen. Notierte das Papier im März noch bei neun Euro, so sackte es seitdem auf etwa drei Euro ab.

Für Gerhard Roh von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), der Praktiker seit Jahren beobachtet, „war der Rücktritt von Wolfgang Werner zu erwarten“. „Bei Praktiker geht es drunter und drüber“, sagt Roh. „Der Laden wurde an die Wand gefahren.“ Der Aufsichtsrat hätte viel früher eingreifen müssen. Praktiker hätte auf Expansion gesetzt, statt die bestehenden Märkte zu modernisieren. Er rät, „alle Filialen, die Verluste schreiben, dicht zu machen“ und schätzt deren Anzahl auf 25 Prozent.

Beobachter kritisieren seit langem, dass der Schwenk vom „billigen Jakob“ („20 Prozent auf alles“) hin zu mehr Service, viel zu spät gekommen ist. Auch die schiere Größe mache diesen Nachteil nicht wett. Praktiker betreibt zusammen mit den 2007 übernommenen Baumärkten von Max Bahr rund 440 Märkte in zehn Ländern. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 3,5 Milliarden Euro. Der Kirkeler Konzern beschäftigt rund 20.600 Mitarbeiter, davon etwa 11.200 in Deutschland – Tendenz sinkend.

Werner war seit Dezember 2001 Vorstandssprecher. Der 57-Jährige ist gelernter Metzger und war zeit seines Berufslebens im Handel (Allkauf, Tengelmann, Real) tätig.
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