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Schwierige Zeitenwende: In der Nacht auf Sonntag wird die Uhr zurückgedreht

Europa tut sich schwer damit, die Zeit zurückzudrehen. Zwar geschieht genau das im wörtlichen Sinne an diesem Sonntag, wenn die Uhren um eine Stunde zurückgestellt werden – auf Winterzeit. Doch eigentlich hat sich die seit 1996 geltende EU-Richtlinie längst als Flop erwiesen – denn ihren ursprünglichen Zweck des Energiesparens hat die Regelung nicht erfüllt. Abgeschafft wurde sie trotzdem nie. Das könnte sich nun ändern.

Nächste Woche wird die Zeitverschiebung Thema in der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments in Straßburg. Für Herbert Reul , Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, ein kleiner Sieg: Denn der Europapolitiker kämpft seit zehn Jahren für die Absetzung der Regel, die nach Auffassung von Wissenschaftlern zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen vom Mini-Jetlag über Konzentrations- und Schlafschwierigkeiten bis hin zu einem höheren Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen führt. Doch bislang schieben sich Brüssel und die Mitgliedsstaaten der EU gegenseitig den Schwarzen Peter zu – keiner fühlt sich verantwortlich für die Richtlinie, gegen die sich bei einer repräsentativen Forsa-Umfrage 71 Prozent der Deutschen ausgesprochen haben.

„Die Politik tut sich schwer damit, gerade bei den kleinen Dingen, etwas, das bereits beschlossen wurde, wieder zurückzunehmen“, meint Reul im Gespräch mit der SZ. Dabei heißt es inzwischen selbst aus dem Bundesumweltministerium, dass die Regelung „umweltpolitisch sinnlos“ sei. Statt Energie zu sparen, kostet die Umstellung sogar mehr. So wurde die in Deutschland bereits 1980 eingeführte Sommerzeit geschaffen: mit der Begründung, das natürliche Licht am Morgen könne genutzt werden, statt den Schalter zu drücken. Doch was beim Strom gespart wird, fällt bei der Heizung an, die früher laufen muss.

Damit die Richtlinie abgeschafft werden kann, müsste die EU-Kommission allerdings einen Vorschlag machen. Doch seit Jean-Claude Juncker die Kommission anführt, ist ein neues anti-bürokratisches Zeitalter angebrochen: Weniger Glühbirnen- und Staubsaugerregelungen, mehr große Politik. Für eine Lappalie wie die Zeitumstellung ist da keine Zeit. Dennoch will Reul nicht aufgeben. „Wir müssen Druck machen“, fordert er. Eine Möglichkeit wäre die EU-Bürgerinitiative. Dafür sind eine Million Unterschriften nötig, Petitionen kursieren schon im Internet.

Am Ende bleibt das letzte Wort allerdings bei den Mitgliedstaaten. Damit die Geschäfte des Binnenmarkts nicht gestört werden, hat man sich 1996 darauf geeinigt, dass alle damals 15 EU-Länder die Uhren gleichzeitig umstellen. Will man die Regelung abschaffen, müssten wieder alle – inzwischen 28 – mitziehen. Unterstützung hat Reul bereits in Fraktionen anderer Länder gefunden, etwa aus Finnland, Tschechien und Österreich.

Am kommenden Donnerstag muss sich die Kommission Reuls Fragen stellen. Man darf gespannt sein, mit welchen Erklärungen sie die Zeitumstellung rechtfertigen wollen. Bis dahin hilft wohl nur eines: die Zeit selbst zurückdrehen. Und zwar am Sonntagmorgen um 3 Uhr.
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